Entgleisung am Hauptbahnhof Pendler leiden unter Folgen des Unfalls

Von Eva Wolfangel, Christine Deder 

Verspätete S-Bahnen, ausgefallene Züge, Schlangen an Schaltern: Reisende haben am Montagfrüh im Berufsverkehr die Folgen des Zugunfalls von Samstag zu spüren bekommen. Der Berufsverkehr sei "gut gelaufen", sagt die Bahn - manche Pendler sehen das anders.

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Stuttgart - Schlangen an den Informationsschaltern der Bahn, Zugausfälle, verspätete S-Bahnen, ratlose Pendler: die Folgen der Entgleisung eines Intercitys am Stuttgarter Hauptbahnhof sind am Montagmorgen im Berufsverkehr deutlich zu spüren. "Die Informationen der Bahn sind schlecht", sagt Sigfried Müller aus Leonberg, der mit seiner Frau auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen ist. Denn auch wenn die Bahn auf ihrer Homepage verspricht, alle aktuellen Informationen zur Verfügung zu stellen, habe er keinen Hinweis gefunden, ob der Zug nach Frankfurt fahre oder nicht. Um ihn nicht zu verpassen, sei er "zu nachtschlafender Zeit" aufgestanden.

Diese Strategie verfolgen offenbar viele Pendler an diesem Morgen. Trotz zahlreicher verspäteter Züge herrscht am Bahnhof keine Hektik. Viele Reisende sitzen auf ihren Koffern und vertreiben sich mit einem Kaffee die Zeit. Die Anzeigetafel verzeichnet viele verspätete Züge und zahlreiche Gleisverlegungen: um 9.30 Uhr verkehren lediglich vier von zehn Zügen planmäßig. Auch viele S-Bahnen kommen verspätet an.

Keine Nachricht vom Zug

Davon ist auch Dilara Ecin betroffen, die mit ihrer Freundin einen Ausflug nach Waldenburg macht. Ihre S-Bahn kam zu spät, so dass der geplante Zug schon weg war, als sie am Hauptbahnhof ankamen. Ratlos stehen die beiden nun an Gleis 6: Vor 20 Minuten sollte der nächste Zug abfahren, noch ist keine Spur von ihm zu sehen - und auch keine Nachricht auf der Anzeigetafel. "Was jetzt?" fragt sie.

Dennoch sagt DB-Pressesprecher Martin Schmolke: "Der Berufsverkehr ist unter den gegebenen Umständen gut gelaufen". Die Passagiere seien gut informiert, lediglich vor der Service-Information habe es kleine Schlangen gegeben. Fünf Gleise sind nach wie vor gesperrt, weshalb beispielsweise Züge aus München lediglich in Esslingen und Vaihingen/Enz halten, während viele Züge aus Richtung Heilbronn in Bietigheim enden. "Die Reisenden haben sich darauf eingestellt", hat Schmolke beobachtet, "ich habe keine aufgeregten Menschen gesehen."

Anhaltende Behinderungen

Der entgleiste Intercity ist inzwischen komplett geborgen: "Der letzte Waggon und die Lok wurden heute früh um drei Uhr vom Gleis genommen", so ein Sprecher der Bundespolizei. Die Reparatur der Gleise und der Oberleitungen werden nach Einschätzung der Bahn voraussichtlich mehrere Tage dauern. Entsprechend müssen sich Reisende in den kommenden Tagen auf anhaltende Behinderungen einstellen.

Aktuelle Informationen zu Verspätungen gibt es bei der Bahn und für die S-Bahn bei der VVS.

 

 

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20 KommentareKommentar schreiben

So wollten´s doch die Baden-Württemberger: Wie war das noch mit der Volksabstimmung,welche das Projekt S21 'legitimiert' hat? Ich verstehe alle Betroffenen, die jetzt meckern. Aber entschieden haben die 'Nichtbahnfahrer, die Autofahrer, die Gutgläubigen, die treuen STZ-STN-Leser,die Nichtinformierten, die Nichtinformiertwerdenwoller,die 'Ichkannsnichtmehrhören', die 'Politikerwerdenschonallesrichten'-Abstimmer, die Nichtselberdenker. Das ist erst die Ouverture zum Schauspiel S21. Wir dürfen gespannt sein, was die Bühne Natur und der Alleskönner Mensch uns für weitere Überraschungen bereit hält gel?

Wir Stuttgarter freuen uns auf den schönen neuen Bahnhof: ... ist uns doch egal, ob Züge entgleisen oder ob überhaupt noch welche fahren!!!

S21-Chaos pur: Pünktlich zum Wasenbeginn und pünktlich zur OB-Wahl ereignet sich der nächste grosse Unfall auf der s21-Baustelle. Parallel dazu stellt die Bahn ein Ultimatum an die Stadt und an das Land. Schnelligkeit vor Sicherheit - dieses Vorgehen ist bei den Bahnverantwortlichen inzwischen üblich. Erst wird zerstört, danach wird geprüft oder geklagt. Die 'Weiche 227' wurde extra wegen Stuttgart21 eingebaut! Das Schweigen der Bahnverantwortlichen erscheint heute besonders zynisch.

Staufrei: Zum Glück gibt es neben der Bahn auch noch die Möglichkeit mit dem Auto von A nach B auf der Autobahn zu kommen. Auf Grund der Tatsache, daß dort nie ein Unfall passiert oder Baustellen sind, erfolgt dies völlig stau- und stressfrei und genau auf die von meinem Navi vorher berechnete Zeit ! Deutschland = Jammern auf hohem Niveau !

Sicher: Auf dem gleichen, neuen Gleis entgleist ein zweiter Zug binnen kurzer Zeit. Die Bahn sieht keine Hinweise für einen Zusammenhang und nennt den Bahnhof sicher. Sie nannte auch das Bahnhofsdach sicher, bevor es nun entglast und neue Stützen betoniert wurden. Die Bahn nennt auch S21, den halbtiefen Schrägbahnhof ohne barrierefreie Fluchtwege, sicher. Aber da können noch fünf Züge an derselben Stelle verunglücken und es wird dann immer noch genauso viele geben, die der Bahn glauben. *** 'It takes all kinds of people to make up a world.' (Kurt Vonnegut, 'Breakfast of Champions')

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