Entgleisung am Hauptbahnhof Pendler leiden unter Folgen des Unfalls

Eva Wolfangel, Christine Deder, 01.10.2012 09:33 Uhr

Stuttgart - Schlangen an den Informationsschaltern der Bahn, Zugausfälle, verspätete S-Bahnen, ratlose Pendler: die Folgen der Entgleisung eines Intercitys am Stuttgarter Hauptbahnhof sind am Montagmorgen im Berufsverkehr deutlich zu spüren. "Die Informationen der Bahn sind schlecht", sagt Sigfried Müller aus Leonberg, der mit seiner Frau auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen ist. Denn auch wenn die Bahn auf ihrer Homepage verspricht, alle aktuellen Informationen zur Verfügung zu stellen, habe er keinen Hinweis gefunden, ob der Zug nach Frankfurt fahre oder nicht. Um ihn nicht zu verpassen, sei er "zu nachtschlafender Zeit" aufgestanden.

Diese Strategie verfolgen offenbar viele Pendler an diesem Morgen. Trotz zahlreicher verspäteter Züge herrscht am Bahnhof keine Hektik. Viele Reisende sitzen auf ihren Koffern und vertreiben sich mit einem Kaffee die Zeit. Die Anzeigetafel verzeichnet viele verspätete Züge und zahlreiche Gleisverlegungen: um 9.30 Uhr verkehren lediglich vier von zehn Zügen planmäßig. Auch viele S-Bahnen kommen verspätet an.

Keine Nachricht vom Zug

Davon ist auch Dilara Ecin betroffen, die mit ihrer Freundin einen Ausflug nach Waldenburg macht. Ihre S-Bahn kam zu spät, so dass der geplante Zug schon weg war, als sie am Hauptbahnhof ankamen. Ratlos stehen die beiden nun an Gleis 6: Vor 20 Minuten sollte der nächste Zug abfahren, noch ist keine Spur von ihm zu sehen - und auch keine Nachricht auf der Anzeigetafel. "Was jetzt?" fragt sie.

Dennoch sagt DB-Pressesprecher Martin Schmolke: "Der Berufsverkehr ist unter den gegebenen Umständen gut gelaufen". Die Passagiere seien gut informiert, lediglich vor der Service-Information habe es kleine Schlangen gegeben. Fünf Gleise sind nach wie vor gesperrt, weshalb beispielsweise Züge aus München lediglich in Esslingen und Vaihingen/Enz halten, während viele Züge aus Richtung Heilbronn in Bietigheim enden. "Die Reisenden haben sich darauf eingestellt", hat Schmolke beobachtet, "ich habe keine aufgeregten Menschen gesehen."

Anhaltende Behinderungen

Der entgleiste Intercity ist inzwischen komplett geborgen: "Der letzte Waggon und die Lok wurden heute früh um drei Uhr vom Gleis genommen", so ein Sprecher der Bundespolizei. Die Reparatur der Gleise und der Oberleitungen werden nach Einschätzung der Bahn voraussichtlich mehrere Tage dauern. Entsprechend müssen sich Reisende in den kommenden Tagen auf anhaltende Behinderungen einstellen.

Aktuelle Informationen zu Verspätungen gibt es bei der Bahn und für die S-Bahn bei der VVS.