Entscheidung im September
Gemeinderat vertagt Steuerbeschlüsse
Thomas Borgmann,
29.07.2010 07:20 Uhr
Foto: dpa
"Wenn wir das Sparziel nicht erreichen, sind Sie als Gemeinderat draußen."
Michael Föll, Stadtkämmerer
Wölfles Antrag auf die Vertagung auf die ersten Sitzungen nach der Sommerpause wurde von der SPD unterstützt und von den übrigen Fraktionen akzeptiert. Stadtkämmerer Michael Föll gab jedoch zu bedenken: "Mit dem Vertagen und Verschieben von alten Positionen ist nichts gewonnen. Wir, die Verwaltung, brauchen Entscheidungen, denn wir müssen die Auflagen des Regierungspräsidiums erfüllen." Die Einführung einer Waffensteuer, so Föll, benötige "einen langen Vorlauf". Zugleich kündigte der Kämmerer an, den Gutachter des Städtetags von Baden-Württemberg zum Thema Bettensteuer in die erste Sitzung des Finanzausschusses nach den Ferien einzuladen.
Auch über Bettensteuer wird später entschieden
Auch über die von den Ratsgrünen beantragte Bettensteuer wird erst am 23. September entschieden. Die Grünen wollten in diesem Punkt ebenso eine Vertagung, nachdem eine Mehrheit aus CDU, SPD, FDP, Freien Wählern, der Rep-Stadtrat Schlierer sowie OB Wolfgang Schuster am Vormittag im Verwaltungsausschuss ihr Nein betont hatten. Nachdem Grünen-Fraktionschef Wölfle darauf hingewiesen hatte, "dass wir von lediglich 2,50 Euro auf jede Übernachtung im Hotel sprechen", stuften Kämmerer Michael Föll (CDU) und OB Schuster die "Übernachtungssteuer" erneut als "rechtswidrig" ein. Schuster wiederholte seine Ankündigung, dem Beschluss kraft Amtes zu widersprechen, sollte es im Rat eine Mehrheit für diese Steuer geben.
Zum offenen Streit zwischen dem Stadtkämmerer und "seiner" CDU-Fraktion kam es am Vormittag im Finanzausschuss, als der Fraktionschef Fred-Jürgen Stradinger sagte: "Wir tragen die Waffensteuer nicht mit, sondern fordern die Verwaltungsspitze auf, uns andere Vorschläge für Einsparungen oder eine Erhöhung der Einnahmen vorzulegen." Darauf erklärte Michael Föll: "Das Regierungspräsidium hat uns bei der Genehmigung des neuen Doppelhaushalts 2010/11 zwingend aufgetragen, noch sechs Millionen Euro zur Haushaltssicherung zu erwirtschaften: entweder durch Einsparungen oder durch höhere Einnahmen." Werde dieses Ziel nicht erreicht, müsse die Stadt damit rechnen, unter "Haushaltsbewirtschaftung" gestellt zu werden.
Der Finanzbürgermeister wörtlich: "Wenn das eintritt, dann sind Sie als Gemeinderat draußen!" Solle heißen: dann hätte das Regierungspräsidium im Rathaus das finanzpolitische Sagen, nicht mehr das Stadtparlament.
Fusion ist vom Tisch
Vom Tisch ist seit Mittwoch die vom Bürgermeisteramt ins Gespräch gebrachte Fusion des städtischen Sportamtes mit den stadteigenen Bäderbetrieben. Die neue Ratsmehrheit aus Grünen, SPD und SÖS/Linken lehnte das Ansinnen ab, stimmte aber gleichzeitig zu, beide Einrichtungen untersuchen zu lassen, um Einsparungen zu erzielen. Die Sprecher des Gesamtpersonalrates der Stadt übten im Finanzausschuss erneut heftige Kritik daran, dass das Bürgermeisteramt die notwendige Sparpolitik zu großen Teilen auf dem Rücken der städtischen Mitarbeiter austragen wollte.
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Waffensteuer
es ist höchste Eisenbahn, daß auch eine Waffensteuer in Stuttgart eingeführt wird. Wo kommen wir denn hin, wenn für das Halten von Hunden schon immer Steuern erhoben werden, für Waffenbesitzer jedoch nicht? Solche Vorfälle, wie z.B. in Winnenden oder Erfurt müßten eigentlich zu Denken geben!
Zwei Gutachten
Es gibt zwischenzeitlich zwei Gutachten zur Zulässigkeit/Unzulässigkeit einer kommunalen Waffensteuer. Das erste wurde vom Städtetag BW an den Freiburger Rechtsanwalt Volker Stehling, Fachanwalt für Baurecht, vergeben und das zweite vom Deutschen Schützenbund an Prof. Dr. Johannes Dietlein, Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht und Verwaltungslehre an der Universität Düsseldorf, einem Fachmann mit bundesweit hervorragender Reputation. Beide Gutachten sind im Internet frei verfügbar. Wer sie gelesen hat, wird schnell erkennen, wer von beiden noch ein paar Semester des Nachstudiums bedarf und wer nicht. Insofern ist es eine demokratische und rechtsstaatliche Unverfrorenheit zu versuchen, im Gemeinderat einen offensichtlich rechtswidrigen Antrag noch schnell durchzupauken. Wo leben wir eigentlich?
Wer hat dieses Gutachten bezahlt?
Das Gutachten eines UNI-Professors für öffentliches Recht, das behauptet, dass diese Steuer rechtswidrig sei, ist absolut induskutabel. Für jeden Hund sind Hundesteuern zu entrichten, für das Vergnügen, das Waffenbesitzern an ihren Knallbüchsen haben, sollte genau so eine Art Vergnügungssteuer zu bezahlen sein. Gerechtigkeit geht vor Lobbyismus. Der UNI-Professor der Waffenlobbny sollte sich zur Abwechslung mal um die Rechtmäßigkeit von Hundesteuern kümmern, da würde er Tierliebhabern eine Freude machen. Die Waffenfetischisten sind alle nur an lebloser Manufakten interessiert, an Rohren, Kolben, Kimme(l) und Korn.