Epidemie Sind Zika-Viren ein Risiko für Reisende?

Von dpa/rtr/StZ 

Der Erreger ist nun zum internationalen Gesundheitsproblem erklärt worden. So hoffen Experten, die Schutzmaßnahmen und auch die Forschung zur Zika-Epidemie anzukurbeln. Es sind noch Fragen offen – auch mit Blick auf die Olympischen Spiele.

Ein Moskito im Fokus: Aedes aegypti überträgt die Zika-Viren – und nicht nur die. Foto: dpa
Ein Moskito im Fokus: Aedes aegypti überträgt die Zika-Viren – und nicht nur die.Foto: dpa

Stuttgart - Sechs Monate vor den Olympischen Spielen sorgt der globale Gesundheitsnotstand wegen des Zika-Virus für Verunsicherung. Gastgeber Brasilien empfahl Schwangeren, die Spiele im August zu meiden. Für Athleten und andere Besucher bestehe aber keine Gefahr, sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner. Der Deutsche Olympische Sportbund ist jedoch beunruhigt. „Wir sehen es mit Besorgnis“, sagte Dirk Schimmelpfennig aus dem Vorstand des DOSB. Die Athleten sollten informiert und vorbereitet werden, „um das Risiko weitestgehend zu minimieren“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) riet Frauen zur Vorsicht. „Nutzen Sie die Empfängnisverhütung, wenn Sie zu den Spielen reisen“, sagte WHO-Experte Anthony Costello.

Die WHO hatte am Montagabend den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen, um den internationalen Kampf gegen den Zika-Erreger zu erleichtern. Brasilien als am stärksten betroffenes Land begrüßte diesen Schritt. Bislang ist das Virus binnen weniger Monate in 26 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht. In Deutschland gibt es Experten zufolge keine Gefahr einer Ansteckung. Die das Virus übertragende Moskitoart komme hierzulande nicht vor. Bisher gibt es nur einige eingeschleppte Erkrankungen bei Reiserückkehrern.

Ein Impfstoff wird noch lange auf sich warten lassen

Das Zika-Virus wird vor allem von der Mückenart Aedes aegypti übertragen. Es ruft in der Regel nur leichte Krankheitssymptome hervor, steht allerdings im Verdacht, durch Infektion von Schwangeren bei Ungeborenen Fehlbildungen auszulösen: Die Babys kommen mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt und sind meist geistig behindert. Diese Mikrozephalie kann aber auch andere Ursachen haben, etwa Röteln in der Schwangerschaft.

Die Einstufung als internationaler Gesundheitsnotfall soll dem Kampf gegen das Zika-Virus einen neuen Schub verleihen. Eines der Hauptprobleme sei das Fehlen eines zuverlässigen Tests, sagte ein WHO-Sprecher. „Wir wissen nicht, wann ein Mensch infiziert ist.“ Die Entwicklung eines Impfstoffs werde voraussichtlich Jahre dauern. Der Pharmakonzern Sanofi hofft Erkenntnisse aus einem erst vor kurzem zugelassenen Impfstoff gegen Dengue-Fieber übertragen zu können. Auch einige kleinere Biotech-Firmen und Forschungseinrichtungen haben Pläne zur Entwicklung eines Impfschutzes angekündigt; der Konzern GlaxoSmithKline will ein entsprechendes Projekt prüfen.

Nun kommt es der WHO zufolge darauf an, bei den mehreren tausend Verdachtsfällen von möglichen Schädelfehlbindungen in Brasilien genau festzustellen, ob es sich tatsächlich um Mikrozephalie handelt. Das könne Monate dauern. Bisher seien 270 Fälle von Mikrozephalie bestätigt, sagte Costello. Nur in wenigen Fällen habe die Mutter vorher definitiv eine Zika-Infektion gehabt. In Brasilien sind schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Menschen durch Mückenstiche angesteckt worden.

Die Mücke überträgt auch das gefährliche Dengue-Fieber

Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) fordert einen langfristigen Plan für die Bekämpfung des Erregers. „Statt allein auf die einzelnen Ausbrüche zu reagieren, muss in ein langfristiges integriertes Programm investiert werden“, sagte der IFRC-Direktor für Nord- und Südamerika, Walter Cotte. So müsste die Bevölkerung mehr über die Risiken lernen. Das IFRC startete einen ersten Hilfsaufruf, und auch das Kinderhilfswerk Unicef hat eine Kampagne zum Schutz von Müttern und Schwangeren in den betroffenen Gebieten gestartet. Es ruft zu Spenden auf, um Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu finanzieren.

Der Virologe Jan Felix Drexler von der Universitätsklinik Bonn rechnet damit, dass bis zu den Olympischen Spielen viele Brasilianer die Infektion durchgemacht haben und immun sein werden. „Ich denke, dass sich die Zika-Lage bis dahin beruhigt hat“, sagte er und verwies auf das gleichfalls drängende Problem des Dengue-Fiebers, das durch dieselbe Mücke übertragen wird: „Letztes Jahr gab es mehr als 1,5 Millionen Dengue-Fälle mit Hunderten Toten in Brasilien.“ Ein hoher Anteil bei einer Bevölkerung von 200 Millionen. „Das muss man mal in Relation zu Zika setzen.“

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2 KommentareKommentar schreiben

Seltsame WHO-Empfehlung: >>„Nutzen Sie die Empfängnisverhütung, wenn Sie zu den Spielen reisen“, sagte WHO-Experte Anthony Costello.<<. Das hört sich wie eine uralte HIV-Warnung an, als ob SportlerInnen und Zuschauer nicht anders als Sex mit Einheimischen im Sinn hätten. Wichtig scheint zu sein, das 1. keine Schwangeren zu den Spielen reisen, 2. keine Sportler und Besucher dort hinreisen, wenn zu Hause Frau oder Freundin schwanger sind, 3. wenn doch, jeglicher Sex bis zur Geburt nut geschützt stattfindet.

natürlich sind viren ein risiko für die gesundheit: nicht nur zika-viren.

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