Am zweiten Adventssonntag, 4. Dezember, geht der Pianist Pavlos Hatzopoulos in der Steinturnhalle mit seinem Publikum auf "Eine musikalische Entdeckungsreise". Mit dem Erlös dieses Gesprächskonzertes wird die Arbeit des Seehauses Leonberg unterstützt. Den Musiker Hatzopoulos und Tobias Merckle, Geschäftsführer des Seehaus-Trägervereins Prisma, verbindet eine langjährige Freundschaft. "Er ist ein Mann der leisen Töne und der großen Tat", so der Solist über den Pionier in Sachen Offener Jugendstrafvollzug. Sie kennen sich seit 15 Jahren.
Die jugendlichen Straftäter, die im offenen Vollzug im Seehaus eine zweite Chance bekommen, werden bei der Organisation des Konzertabends mithelfen. Hatzopoulos ist sich sicher, dass sie einen Zugang finden werden zu seiner Musik. Auf dem Programm stehen zwar ganz klassische Stücke - von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven - aber seine ungewöhnliche Präsentationsform spricht gerade auch Jugendliche an, die sonst vielleicht nicht so viel mit klassischer Musik am Hut haben. "Ich zeige zum Beispiel Bezüge zur Rockmusik", erzählt er. "Etwa zwischen Brahms und Deep Purple". Barocke Seufzerfiguren und Motive aus Freddy Mercurys "Bohemian Rhapsody" hat er ebenfalls schon miteinander in Verbindung gebracht. Vor allem aber hat er sich intensiv mit dem Leben der Komponisten beschäftigt, deren Werke er präsentiert. Er befragt ihre Briefe und Zeugnisse von Freunden und zieht Ergebnisse der musikwissenschaftlichen Forschung zu Rate. "Ich deute die Werke bezogen auf die Lebensphilosophie und die Lebensfragen", erläutert er. Nachdem er die Fakten "eins und eins zusammengezählt" hat, erlaubt er sich eigene Spekulationen und kommt dadurch oft zu bislang ungehörten Ergebnissen. Nicht selten spielen für ihn dabei religiöse Aspekte eine wichtige Rolle. Hatzopoulos ist der Sohn evangelischer Einwanderer aus Griechenland, die durch ihren Glauben mit der mittleuropäischen Kultur verbunden sind. Religiosität ist für ihn Teil der Lebensphilosophie.
Immer wieder wird Hatzopoulos an Schulen eingeladen, wo er für Schüler aller Klassenstufen Workshops gibt und ihnen die Hintergründe der Musik und Einzelheiten zum Instrument Klavier nahe bringt. "Musikvermittlung ist mein Thema", sagt er über sich selbst. Für ihn hat das zugleich etwas mit der Vermittlung von Werten zu tun. Berührungsängste mit Veranstaltungsorten kennt er dabei nicht. "Ein Konzertsaal ist für mich fast das Sterilste", sagt er und lacht. Am liebsten spielt er allerdings in Kirchen - schon der Akustik wegen.
Weil das Seehaus beim Konzert nicht als Veranstalter fungieren kann, hatte sich Wilfried Bosch spontan bereiterklärt, sich über den Bürgerverein Eltingen um alles Organisatorische zu kümmern. Bosch war von 1994 bis 2008 der Vorsitzende des Vereins, und er ist seit der Gründung des Seehauses 2005 Mitglied von dessen Beirat. Damit bildet er quasi eine natürliche Verbindung zwischen beiden Institutionen. "Ich freue mich riesig", sagt er.
Für ihn ist der Konzerterlös für die Jugendlichen des Seehauses auch ein Dankeschön. Vor eineinhalb Jahren haben sie das Fundament des Eltinger Esels vor der Michaelskirche zementiert. Eingeladen sind zu dem Konzert alle, die sich zum Freundeskreis des Seehauses zählen, aber natürlich ebenso sämtliche Musikfreunde, die Interesse daran haben, sich Stücken bekannter Komponisten einmal aus einer anderen Richtung zu nähern.
Konzert "Eine musikalische Entdeckungsreise" mit dem Pavlos Hatzopoulos beginnt am Sonntag, 4. Dezember, um 19.30 Uhr in der Steinturnhalle. Karten unter 0 71 52/33 12 300.


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