Erderwärmung Gezielt das Klima beeinflussen

Von Rainer Kurlemann 

Im ersten Moment klingt Climate Engineering wie Science fiction: bei der Methode geht es darum, das Klima ganz bewusst zu manipulieren um die Erderwärmung aufzuhalten. Der Ansatz ist aber nicht frei von Kritik. Experten tagen nun in Berlin zum Thema.

Vulkanausbruch auf den Philippinen 1991: durch das Schleudern von 20 Millionen Tonnen Schwefel in die Atmosphäre sank die Erdtemperatur. Einige Forscher würden die Methode gerne zur Erdabkühlung anwenden, andere befürchten schreckliche Folgen. Foto: AFP
Vulkanausbruch auf den Philippinen 1991: durch das Schleudern von 20 Millionen Tonnen Schwefel in die Atmosphäre sank die Erdtemperatur. Einige Forscher würden die Methode gerne zur Erdabkühlung anwenden, andere befürchten schreckliche Folgen.Foto: AFP

Stuttgart - Hollywood würde die Geschichte so erzählen: In einem Berliner Hotel treffen sich Forscher aus der ganzen Welt zu einer Krisensitzung. Sie wollen mit drastischen Maßnahmen die globale Erwärmung stoppen und die Erde vor der drohenden Klima-Katastrophe retten. Weil sich die Politiker bei den Verhandlungen zur Verringerung der Treibhausgase nicht einigen können, bereiten die Forscher bereits Notlösungen vor. Tausende Flugzeuge steigen auf und erzeugen Wolken am Himmel, damit mehr Sonnenstrahlung reflektiert wird und sich die Luft langsamer aufheizt. Gigantische Pumpen pressen das Treibhausgas Kohlendioxid in tief unter der Erdoberfläche liegende Speicher.

Zwei von vielen Möglichkeiten, wie der Mensch die globale Wetterküche beeinflussen könnte, damit die Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre nicht mehr weiter steigt, sondern sinkt. Zwei Beispiele für das sogenannte „Climate Engineering“ – ein Forschungsgebiet getragen von der Idee, dass der Mensch den drohenden Klimawandel mit Technik überlisten könnte.

Forscher tagen in Berlin

In Berlin treffen sich am Montag mehr als 300 Wissenschaftler und Vertreter von Politik und Gesellschaft, um vier Tage darüber zu debattieren, ob das Hollywood-Szenario für die Wirklichkeit taugt; ob der Mensch in das globale Klimageschehen eingreifen soll. „Es ist Zeit für diese Debatte“, sagt Mark Lawrence, Direktor des Potsdamer „Instituts für advanced sustainable studies“ (IASS) und Organisator der Tagung.

Die Forschung sei jetzt gefordert, sie müsse die wissenschaftliche Basis liefern, damit die Auswirkungen des Climate Engineering bewertet werden könnten, sagt Lawrence. Die Debatte bis zu einem möglichen Einsatz der Verfahren werde mindestens zehn Jahre dauern – falls es überhaupt dazu kommt. „Wir sollen das Forschungsgebiet nicht als Tabu-Thema sehen, sondern es kritisch und gründlich untersuchen. Gleichzeitig brauchen wir aber dringend eine kluge internationale Regulierung, auch für die Forschung selber“, fordert der Physiker. Lawrence ist kein Verfechter des technisch Machbaren. Er betont, dass die Konferenz über Auswirkungen debattiere, die Umsetzung einzelner Maßnahmen aber nicht vorantreibe.

Der Staat gibt Geld für Climate Engineering

Tatsächlich ist auffällig, dass fast alle Industrienationen in den letzten Jahren aufwendige Forschungsprogramme aufgelegt haben, die technische Lösungen für den Kampf gegen den Klimawandel untersuchen sollen. Ein mögliches Kalkül: Funktioniert Climate Engineering, dann könnte die Durchschnittstemperatur der Erde stabilisiert werden, ohne dass die Industrie Auflagen zur CO2-Verringerung erfüllen müsste. Das Geld dafür stammt meist aus staatlichen Kassen. In den USA gibt es auch einen nennenswerten Anteil von privater Finanzierung durch Wirtschaftsunternehmen und Stiftungen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat mehr als fünf Millionen Euro bereitgestellt.

Konkret existieren zwei Ansätze: Entweder soll die Strahlungsbilanz der Erde verändert werden (solar radiation management – siehe Infobox) oder das Treibhausgas Kohlendioxid wird aus der Atmosphäre entfernt und gespeichert (Carbon Dioxid Removal ). Für die CO2-Speicherung müsste eine kostspielige Infrastruktur aufgebaut werden vergleichbar mit dem, was die Öl-Industrie rund um den Globus an Pipelines und Fördereinrichtungen errichtet hat, nur mit einer umgekehrten Verwendung. „Der Aufwand ist so groß, dass die Umsetzung mehrere Jahrzehnte benötigen würde“, sagt Mark Lawrence.

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