Ernährung Bakterien aus dem Gemüsebeet
Kerstin Viering, 07.09.2010 06:46 Uhr
Mikroben machen Radieschen munter. Foto: dpa
Mikroben machen Radieschen munter. Foto: dpa


Wie das alles den Stoffwechsel der Pflanzen beeinflusst, weiß noch niemand so genau. Fest steht nur: sie profitieren davon. Silke Ruppel und ihre Kollegen haben Saatgut und Keimlinge mit den Bakterien behandelt und damit erstaunliche Erfolge erzielt. Auf Mais und Weizen, Kohlrabi, Radieschen und Tomaten siedelten sich die Organismen bereitwillig an und ließen die Pflanzen deutlich besser wachsen. Das getestete Getreide lieferte beispielsweise zwischen zwölf und 20 Prozent mehr Ertrag. Die Forscher haben inzwischen ein Präparat mit den wachstumsfördernden Winzlingen entwickelt, das demnächst auf den Markt kommen und Bauern zu besseren Ernten verhelfen soll.

"Für die menschliche Gesundheit sind die damit behandelten Pflanzen völlig unbedenklich", sagt Ruppel. Allerdings wisse man noch nicht, ob die Bakterien dem menschlichen Organismus auch nützten. Die Wissenschaftlerin hält es jedoch für möglich, dass Gemüsefans von den Leistungen mancher Bakterien profitieren könnten. Wenn die geeigneten Mikroben identifiziert sind, kann sie eines Tages vielleicht Gemüsesorten empfehlen, die damit besonders reich ausgestattet sind.

Placebo-Effekte beim Joghurt?


Möglicherweise lassen sich die Pflanzen auch gezielt mit den entsprechenden Kulturen anreichern - ähnlich wie bei den sogenannten probiotischen Milchprodukten. "Wie die zum Beispiel in bestimmten Joghurts enthaltenen Bakterien genau wirken, ist allerdings nach wie vor noch nicht bekannt", sagt Gisela Olias vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) in Potsdam-Rehbrücke. Die Studien zu diesem Thema liefern noch kein klares Bild. Das liegt sicher auch daran, dass verschiedene Bakterienarten in Lebensmitteln oder Präparaten zum Einsatz kommen. Einige Studienergebnisse sprechen zumindest dafür, dass die mit speziellen Milchsäurebakterien angereicherten Joghurts aus dem Supermarkt tatsächlich die Verdauung verbessern. Vielleicht trägt aber auch ein psychologischer Effekt dazu bei: Wer daran glaubt, fühlt sich gleich besser.

Ernstzunehmende Hinweise auf eine positive Wirkung von bestimmten probiotischen Bakterien haben Dife-Forscher aber auch in einer Studie mit zu früh geborenen Babys gefunden, die sie gemeinsam mit einer Klinik in Potsdam durchgeführt haben. Als sie deren Milch mit einem bestimmten Bakterienstamm anreicherten, gediehen die Kinder nachweislich besser und waren weniger anfällig für Darminfektionen als ihre Altersgenossen mit normaler Kost.
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