Ernährung Mit Fett im Blut ist nicht zu spaßen

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Cholesterin braucht der Mensch zum Überleben. Nimmt er aber zu viel davon zu sich, gefährdet die eigene Gesundheit.

Deftig, fett – und nicht gerade gesund: Göckele und Schweinshaxen sind zwar auf Volksfesten beliebt, sollten aber kein Alltagsessen sein. Foto: dpa 2 Bilder
Deftig, fett – und nicht gerade gesund: Göckele und Schweinshaxen sind zwar auf Volksfesten beliebt, sollten aber kein Alltagsessen sein. Foto: dpa

Stuttgart - Fett ist kein Gift. Das machte der Stuttgarter Arzt Suso Lederle gleich zu Beginn der Veranstaltung "Erhöhte Blutfette - Was ist gefährlich?" klar, die kürzlich im Stuttgarter Treffpunkt Rotebühlplatz stattfand. Vielmehr seien sie ein unerlässlicher Bestandteil der Nahrung, betonte der Moderator der Reihe "Gesundheit beginnt im Kopf". Allerdings hat der Fettkonsum in den letzten hundert Jahren stark zugenommen.

Das ist nicht ohne Folgen geblieben: Parallel dazu ist auch die Verkalkung - oder richtiger Verfettung - der Blutgefäße, die Arteriosklerose, zu einem immer größeren Problem geworden. Das wiederum hat allzu häufig schlimme Folgen für die Gesundheit: die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall nimmt drastisch zu. Wobei anzufügen ist, dass bei der Entstehung dieser Krankheiten auch noch andere Risikofaktoren eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel Rauchen, hoher Blutdruck oder Diabetes.

Allerdings ist Fett nicht gleich Fett: "Nicht mit allen Fetten ist alles in Butter", formuliert Lederle das Problem in Anspielung auf das bekannte Wortspiel - und kommt auf das "gute" Cholesterin HDL und das "schlechte" LDL zu sprechen. Wichtig dabei sind nicht nur die absoluten Werte im Blut, sondern auch das Verhältnis der beiden Cholesterine zueinander. Zudem spielen die Blutgehalte der sogenannten Triglyzeride, die gut 90 Prozent aller Nahrungsfette ausmachen, eine wichtige Rolle.

Ein gesunder Mittelweg

Entsprechend schwer fällt es, bei dieser Vielfalt den Überblick zu bewahren. Hinzu kommen die vielfältigen Mahnungen, das Richtige zu essen. "Lassen wir uns von der ganzen Diskussion verrücktmachen?", war daher die Frage von Lederle an seinen Gast Ralf Lobmann, den Chef der Medizinischen Klinik III am Bürgerhospital. Die Antwort war ein "klares Ja". Es gebe zwei Typen, so Lobmann: Die einen würden alles essen, die anderen hielten streng Diät und würden Fett so gut wie möglich meiden.

Sinnvoll ist nach seiner Meinung ein gesunder Mittelweg, nämlich "sich vernünftig ernähren und das essen, was der Körper braucht - aber nicht mehr". Allerdings ließ der Experte für innere Krankheiten auch keinen Zweifel daran, dass viele Menschen diese Vernunft nicht walten lassen. So beobachten die Ärzte zum Beispiel, dass bei immer mehr Kindern und Jugendlichen durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung der Körper aus dem Gleichgewicht gerät. Die Folge ist, dass die Zahl der Schlaganfälle bei den 35- bis 45-Jährige zunimmt. "Der Grundstock wird in frühen Jahren gelegt", berichtete Lobmann.

Generellen Verzicht müsse man indes bei einer gesunden Ernährung nicht üben, tröstete Franziska Zaers, Ernährungsberaterin am Bürgerhospital. "Aber ein Spiegelei statt drei Eiern ist besser", fügte sie an. Leicht ist es allerdings nicht, angestammte Essgewohnheiten aus gesundheitlichen Gründen zu ändern. Suso Lederle brachte das Problem auf den Punkt: "Der Geist ist willig, doch das Fett schmeckt gut." Wichtig sei es, die eigenen Essgewohnheiten gründlich und ehrlich zu analysieren, weiß Franziska Zaers aus Erfahrung. Oft werden abends noch Chips oder Süßigkeiten verzehrt - was ziemlich negativ zu Buche schlägt.

"Man muss dem Organismus Zeit geben"

"Man muss sich etappenweise Ziele setzen", riet die Ernährungsberaterin. Daher dauert die Umstellung seine Zeit: "Erst wenn man sich ein Jahr lang gesund ernährt hat, bleibt man auch dabei", sagte sie. Generell rät sie, eher pflanzliches als tierisches Fett zu verzehren und die Fleischmenge zu reduzieren. "Gemüse und Salat im Mittelpunkt der Ernährung, auch Obst dazu, und Fleisch nur als Beilage", ist ihr Rat und fügte an: "Vorsicht bei Wurst und Schokolade - und Alkohol nicht jeden Tag." Zudem hilft es, den Gehalt an Ballaststoffen in der Nahrung zu erhöhen, weil Ballast Flüssigkeit und Cholesterin im Darm bindet. Generell ist auch Fisch wegen seines Gehalts an "guten" Omega-drei-Fettsäuren zu empfehlen. So weit wie möglich sollte man dagegen auf Nahrungsmittel verzichten, die sogenannte Transfette enthalten. Dazu zählen beispielsweise Kunstschinken und Kunstkäse.

Was aber soll man tun, wenn die Cholesterinwerte im Blut Anlass zur Besorgnis geben? Sind die Abweichungen noch nicht allzu groß, wird man zunächst versuchen, mit einer Änderung der Essgewohnheiten das Problem in den Griff zu bekommen - und mit mehr Bewegung. Dazu ist allerdings ein gehöriges Maß an Disziplin erforderlich - und Geduld: "Man muss dem Organismus Zeit geben", sagte Ralf Lobmann.

Wenn dies nicht reicht, sollte medikamentös behandelt werden. Dabei hat der Arzt eine Reihe von Möglichkeiten. Besonders wichtig sind die sogenannten Statine, die den Cholesterinstoffwechsel optimieren und ihre Ausscheidung durch den Darm fördern. Allerdings sind sie keineswegs frei von Nebenwirkungen, weshalb sie in den vergangenen Jahren immer wieder ins Gerede gekommen sind. "Daher ist es wichtig, den Patienten regelmäßig zu untersuchen und dabei auf Muskelprobleme zu achten", so Lobmann.