Ernst Heinkel und der Nationalsozialismus Hitlers Waffenschmied

Roman Fröhlich, 02.05.2013 13:00 Uhr

Stuttgart - Ernst Heinkel und sein Konzern stehen in der Welt der Technik für grundlegende Innovationen. Straßen tragen Heinkels Namen ebenso wie die Realschule in Remshalden-Grunbach, seinem Geburtsort. Zu runden Geburtstagen wird seiner erinnert. Unbedarft wird dabei oft auf das von dem Erfinderunternehmer geschaffene Bild seiner selbst zurückgegriffen: der vom technischen Fortschritt getriebene, unpolitische Ingenieur mit großem Herz für seine Beschäftigten.

Weniger bekannt ist, dass Ernst Heinkel zum 1. Mai 1933 in die NSDAP aufgenommen wurde. Er hatte vor diesem „Feiertag der nationalen Arbeit“ um Mitgliedschaft nachgesucht. Hitler selbst äußerte den Wunsch, Heinkel aufzunehmen, und der zuständige Gau­leiter bekräftigte: „Dr. Heinkel ist das einzige Flugzeugunternehmen, das schon längere Zeit mit Parteigenosse Göring zusammenarbeitet, und wie dieser erklärt, legt er außerordentlich Wert darauf, Dr. H. in die Partei zu bekommen.“

Im Juli 1933 wurde Ernst Heinkel Nationalsozialist mit Parteibuch. Schon vor Hitlers Machtergreifung verfügte der Unternehmer über beste Kontakte zu Luftrüstungseliten. Es ist nicht auszuschließen, dass Heinkel vom absehbaren Bedarf an Militärflugzeugen wusste. Seine guten Branchenkenntnisse und die Eigenschaft, die Zeichen der Zeit schnell zu erkennen und sich zunutze zu machen, begannen sich auszuzahlen. Ohne bis dahin die NSDAP durch Spenden unterstützt zu haben, erhielt er bereits im Februar 1933 erste Luftrüstungsaufträge von den neuen Machthabern. Viele weitere sollten folgen.

Atemberaubendes Wachstum

Ernst Heinkel und seinem Unternehmen wurden in der Folgezeit Ehrungen und Preise zuteil. 1937 die Ernennung zum Wehrwirtschaftsführer. An die Verleihung eines Professorentitels schloss sich 1938 beim Nürnberger Parteitag die Auszeichnung mit dem Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft an. Diese höchste Auszeichnung des NS-Staates in Friedenszeiten war von Hitler gestiftet worden, um der Verleihung des Friedens-Nobelpreises an Carl von Ossietzky eine NS-Ehrung entgegenzusetzen. Heinkel nahm an. Die Flugzeugwerke beteiligten sich erfolgreich am Leistungskampf der deutschen Betriebe und erhielten Auszeichnungen.

Als 1935 die deutsche Luftwaffe erstmals offen in Erscheinung trat, bestand sie vor allem aus Flugzeugfabrikaten Heinkels. Die Grundlage dafür war mit dem massiven Ausbau der Ernst Heinkel Flugzeugwerke GmbH gelegt worden. Das atemberaubende Wachstum des Unternehmens setzte sich fort. Neue Fabriken wurden mit Unterstützung oder im Auftrag des Reichsluftfahrt­ministeriums gebaut, diese und bereits existierende Werke an Heinkel zur Leitung übergeben und teilweise von ihm erworben. Diese Expansion war jedoch „nicht das Resultat eines ausgeprägten unternehmerischen Talents Heinkels, es wurde ausschließlich von der staatlichen Nachfrage nach Kriegsflugzeugen gesteuert“. So steht es im Bericht einer von der Stadt Rostock eingesetzten Expertenkommission unter der Leitung des Historikers Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Die Nachfrage nach Kriegsflugzeugen wuchs. 1936 errichtete das Reichsluftfahrtministerium eigens ein Werk in Oranienburg für die Herstellung des Bombenflugzeugs He 111. Nach Rostock war Oranienburg der zweite Standort, dessen Leitung Ernst Heinkel unterlag. Im November 1940 ging das Werk in seinen Besitz über.