Erörterung zur Fildertrasse Das Déjà-vu der Landwirtschaft

Von  

Die Landwirtschaft auf den Fildern muss durch die Pläne für Stuttgart 21 nicht nur um den Verlust wertvoller Ackerflächen fürchten. Auch beim Öko-Ausgleich könnten die Bauern die Leidtragenden sein.

Michael Gehrung und Martin Krämer (r.) mit dem unverkäuflichen Krautkopf. Foto: C. Hass
Michael Gehrung und Martin Krämer (r.) mit dem unverkäuflichen Krautkopf.Foto: C. Hass

Leinfelden-Echterdingen - Auf dem Weg ins Kongresszentrum der Landesmesse muss in vielen Landwirten am Donnerstag die Erinnerung an den erbitterten Streit um die für Handel und Wandel vernichteten Ackerböden hochgekocht sein. Exakt an der Stelle, an der jetzt über den Bau der Fildertrasse von Stuttgart 21 diskutiert wird, wuchs vor einem Jahrzehnt noch Spitzkraut. Hundert Hektar wertvolle Anbaufläche wurden für den Bau von Aus-stellungshallen und Tiefgaragen zerstört.

Bauern fürchten, doppelt bestraft zu werden

Nun sollen für die Gäubahn-Anbindung der Rohrer Kurve und den Bau der Hoch-geschwindigkeitsstrecke nach Ulm erneut 27 Hektar Ackerland unter Beton und Bahnschwellen verschwinden. Und: Die links und rechts der Autobahn nach wie vor im Gemüsebau tätigen Landwirte müssen fürchten, dass neben dem für die Gleisanlage selbst benötigten Land auch der erforderliche Naturschutz letztlich auf ihre Kosten geht.

„Mit den besten Böden der Welt kann man nicht so umgehen, wie die Bahn das vorhat. Das ist eine Sünde“, ereiferte sich Landwirt Helmut Schumacher, der für die FDP auch im Filderstädter Stadtrat sitzt.

„Trittsteine“ sind für Landwirte ein ökologischer Flop

Auch Michael Zimmermann, Chef des Kreisbauernverbands Esslingen, mahnte bei der Erörterung, die Bauern beim Bau der Fildertrasse nicht doppelt zu bestrafen: „Wenn man landwirtschaftliche Flächen versiegelt, sind sie unwiederbringlich weg. Wertvolles Ackerland in Streuobstwiesen umzuwandeln, ist auch der falsche Weg.“

Sein Plieninger Berufskollege Martin Krämer sieht sich schon durch die beim Bau der Landesmesse als Öko-Ausgleich in die Felder gesetzten „Trittsteine“ in seiner Existenz bedroht. Der Landwirt brachte gar einen von Schnecken zerfressenen Krautkopf mit, um zu zeigen, was das Mini-Biotop für den Gemüsebau in der Nachbarschaft bedeutet. Der Appell, Ausgleichsmaßnahmen nicht allein auf den Fildern zu planen, stößt teilweise auch beim Naturschutz auf Gehör. „Wir können nichts mehr ausgleichen, die Filder sind ausgequetscht wie eine Zitrone“, betonte Peter Distel von der Schutzgemeinschaft. Für ihn ist wie beim Lärm auch der Konflikt zwischen Landwirtschaft und Artenschutz ein hausgemachtes Problem der Bahn: „Wir stoßen doch bei jedem Punkt an die Erkenntnis, dass es Planungsalternativen mit erheblich weniger Problemen geben würde“, sagte er.

Erdaushub wird bis zu hundert Kilometer weit transportiert

Sorgen macht der Landwirtschaft auch die Frage, ob die Bahn die Kosten für die Beregnungsanlage übernimmt. Durch die Fildertrasse muss die Wasserleitung verlegt werden, fürs Pumpenhaus wird ein Ersatzstandort gesucht. Von der für den Gemüsebau vor allem in Trockenzeiten wichtigen Leitung sind 50 Mitglieder abhängig,

Die Bahn sagte beim Erörterungstermin weitere Gespräche mit den Landwirten zu. Auch von einer möglichen Flurbereinigung zur Vermeidung zerschnittener Acker-flächen war die Rede. „Ich nehme die Sorgen der Landwirtschaft sehr ernst“, sagte Bauleiter Christophe Jacobi – und versprach: „Mit mir können Sie rechnen.“

Geologisch soll die Fildertrasse keine Probleme machen – Gutachter Walter Wittke rechnet mit Setzungseffekten von maximal drei Zentimetern. Der Aushub von 4,4 Millionen Tonnen soll bis zu hundert Kilometer weit transportiert werden.

  Artikel teilen
18 Kommentare Kommentar schreiben

Markus Anselm: Ich finde es schön, dass Sie alles so bier ernst nehmen. Leider scheinen Sie abre Ironie nicht erkennen zu wollen. Schade. Lesen Sie doch mal den Kommentar von B.Scheuert und dann nochmal den meinen. Vielleicht erkennen Sie ja dann, auf was ich im zweiten Teil weines Kommentar hinaus will. Vielleicht muss ich ja in Zukunft wieder "Ironie ein" und "Ironie aus" dazuschreiben, damit auch Sie das verstehen und sich nicht gar so aufregen müssen. Ein schönes Wochenende...

Thomas Schmidt, 20:29 Uhr Markus Anselm ---Dieser flächenintensive Weinbau hat in einer Großstadt ja eh nichts verloren - und wenn ich dann noch sehe, mit was für Fahrzeugen die Wengerter unterwegs sind....was geht mich den deren Existenzgrundlage an!: Mit einem solchen Satz, outen sie sich als ein absoluter Egoist und disqualifizieren sich als "Dikussionsteilnehmer" , der Ernst genommen werden will , selber -------- Tja Herr Schmidt, sind sie den noch im Berufsleben oder schon Rentner ? Wenn sie noch arbeiten , sage ich -- weg mit ihrem Arbeitsplatz , das was sie tun braucht man nicht und das Geld kann man sinnvoller einsetzen als ihnen Lohn zu zahlen , ....was geht mich den ihre Existentgrundlage an! !? ----- Sind sie Rentner?- Ihre Rente total kürzen , den mit dem Geld könnte man was sinnvolleres anfangen ,... was geht mich den ihre Existentgrundlage an! !? ------ Im Grunde genommen sollten sie als Gegner von S 21 am besten still sein , den was sie alles von der Bahn und den Politiker in dem Zusammenhang kritisieren und verlangen , bringen sie in ihrem Leben ja nicht einmal ansatzweise selber ein und das zeigen sie mit dem Satz ganz deutlich =... was geht mich den ihre Existentgrundlage an! !?

Markus Anselm: Auch wenn es für Sie befremdlich klingen mag. Es gibt durchaus Mitbürger, die auf unnötiges verzichten und nicht jeden Mist mitmachen nur weil einem gesagt wird, dass man es doch dringend braucht. Dennoch lassen sich viele Menschen davon beeinflussen und genießen die Bequemlichkeiten. Ich gebe ihnen durchaus recht, wenn Sie sagen, man soll sich auch mal an die eigene Nase packen. Das machen viel zu wenige. Wenn Sie es aber tun, werden Sie blöd angemacht. Wachstum ist eben nicht immer gleichzusetzen mit 'gut' und die Nachfrage bestimmt nicht immer das Angebot. Im endeffekt geht es ja nur um Geld und Profit für wenige. Man sollte dringend darauf achten, was man für dieses vorgebliche Wachstum opfert. Am Ende echauffiert man sich und skandalisiert, macht aber weiter wie bisher. Zumindest solange es einen nicht unmittelbar betrifft. #### Und da ich kein Weintrinker bin und lediglich Verschnitt aus dem Tetrapack zum Kochen im Supermarkt um die Ecke kaufe, würde ich es begrüßen, die Stuttgarter Weinberge zu versiegeln und die Flächen für wichtigere Dinge zu nutzen. Dieser flächenintensive Weinbau hat in einer Großstadt ja eh nichts verloren - und wenn ich dann noch sehe, mit was für Fahrzeugen die Wengerter unterwegs sind....was geht mich den deren Existentgrundlage an!

Thomas Schmidt, 14:58 Uhr Überbewertet ----Ach, wer braucht schon Landwirtschaft wenn's im Supermarkt frischen Industriefraß gibt.: Den sie natürlich nie kaufen und vermutliche jeden Supermarkt oder sonstige Einkaufcentern der Stadt meiden !! - Das ist genau das was ich unter meinem Beitrag von 15:54 Uhr meinte ! -- Danke Herr Schmidt für das nette Beispiel das sie abgeben !

Paul Maier, 12:50 Uhr Bildungsdefizit!: Es ist ja wunderschön wie man sich Sorgen um die Natur im Städtischen Bereich macht, aber jeder sollte sich die Frage stellen, warum das so ist, doch sicherlich nur weil eine Nachfrage auf Wohnräume Strassen, Schienenverkehr, Freizeitangeboten, Unterhaltung ,unbegrenzte Einkaufmöglichkeiten ect. da ist !!. Würde JEDER in einem kleinen Wohnraum wohnen wollen, seine Ansprüche extrem reduziert , keine Auto fahren , auf Reisen verzichten nur in einem Tante Emmaladen um die Ecke nur das nötigste einkaufen usw,,, so wäre es heute nicht wie es ist und es würde auch nicht weiter wachsen ! -- Also jeder an seine eigen Nase fassen und nicht so tun als würden das ein paar wenige verursachen und bei einem selbst ist alles in bester Ordnung !

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.