Erörterungsverfahren zu Stuttgart 21 Fildertrasse muss in die Warteschleife

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Der Erörterungstermin für die Fildertrasse von Stuttgart 21 entwickelt sich für die Bahn zu einem Desaster: Nachdem nachgebesserte Pläne für S-Bahn-Netz und Lärmschutz nötig sind, droht sich das Verfahren zu verzögern.

Weil die Bahn nicht nur bei Brandschutz und Lärmentwicklung nachbessern muss, steht eine zweite Verfahrensrunde im Raum. Foto: Rudel
Weil die Bahn nicht nur bei Brandschutz und Lärmentwicklung nachbessern muss, steht eine zweite Verfahrensrunde im Raum.Foto: Rudel

Leinfelden-Echterdingen - Für die Bahn entwickelt sich das Erörterungsverfahren zur Fildertrasse von Stuttgart 21 zu einem Debakel: Nachdem schon beim Lärmschutz nachgebesserte Pläne nötig sind, deutet sich auch bei der Frage nach der Leistungsfähigkeit der S-Bahn eine möglicherweise monatelange Hängepartie an. Ebenfalls nicht ins interne Drehbuch des Schienenkonzerns passt, dass es auch beim Sicherheitskonzept für den Flughafen-Fernbahnhof offenbar noch erheblichen Klärungsbedarf mit der Feuerwehr gibt.

Die Bahn könnte noch mehr unter Zeitdruck geraten

Ergebnis der ungelösten Fragen beim Planfeststellungsabschnitt 1.3 ist, dass sich ein Abschluss des Erörterungsverfahrens wohl weit ins kommende Jahr verschieben wird - und die ohnehin schon unter Zeitdruck stehende Bahn möglicherweise noch weiter in die Bredouille kommt.

Aus Sicht des Stuttgarter Regierungspräsidiums, das den in diesen Tagen in der Halle H 4 der Landesmesse laufenden Erörterungstermin veranstaltet, ist beim Lärmschutz offenbar eine erneute Auslegung der nachgebesserten Pläne nötig. Doch auch wegen der offenen Punkte beim Thema S-Bahn-Pünktlichkeit muss sich die Bahn möglicherweise auf eine zweite Anhörungsrunde einstellen. Stattfinden könnte der Nachholtermin aller Voraussicht nach wohl erst im Frühjahr 2015. Sollten sich die strittigen Fragen zu Pufferzeiten und Fahrplanreserven nicht im Eiltempo klären lassen, droht der Bahn auch hier eine zweite Auslegung der Unterlagen.

Zusätzliche Betriebssimulation soll strittige Punkte klären

Auslöser der drohenden Warteschleife bei der Planfeststellung ist der Schienenkonzern selbst: Am Dienstag kündigte der Bahn-Fahrplanchef Christian Becker eine erneute Betriebssimulation nach der geplanten Anbindung der Gäubahn an den Flughafen an. Mit der Untersuchung soll gezeigt werden, wie sich der heftig umstrittene Mischbetrieb auf den künftig von S-Bahn, Regionalzügen und Intercity-Express gemeinsam genutzten Strecke auf die Pünktlichkeit auswirkt.

Wie lange die Bahn für den Stresstest im Filderbereich brauchen wird, ist offen – ebenso wie die Frage, ob für eine belastbare Datengrundlage nicht das gesamte S-Bahn-Netz in der Region Stuttgart sowie die privat betriebenen Nebenstrecken ins Ammertal, in den Schönbuch oder ins Strohgäu ebenfalls unter die Lupe genommen werden müssten. Für den Fahrgastverband Pro Bahn forderte Andreas Kegreiß schon in einer ersten Reaktion am Dienstag, dass sich die Überprüfung nicht nur auf den Bereich zwischen der Rohrer Kurve und dem Flughafen-Bahnhof erstrecken dürfe.

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42 KommentareKommentar schreiben

Frank Polen, 18:39 Uhr. : Es haben ja nicht nur die Gutachter der TU Dresden sowie Herr Dr. Engelhardt, der Verkehrsclub Deutschland (VCD), das Münchner Planungsbüro Vieregg & Rössler, Verkehrswissenschaftler Prof. Monheim von der Universtität Trier, die Ex-Bahn-Manager Prof. Bodack und Sven Andersen, Architekt Frei Otto oder die schweizer Gutachter von SMA das Projekt "Stuttgart 21" als fragwürdig bis untauglich entlarvt, sondern auch der Vorsitzende des Instituts für Verkehrsplanung und Verkehrswesen an der TU Wien, Prof. Hermann Knoflacher (siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=tF0ykITAEJg ). _________________ Es fällt den S21-Lobbyschreibern daher zunehmends schwer, fundierte Kritik am Polit-Projekt "Stuttgart 21" abzuwehren. Da inhaltlich nichts mehr zu machen ist, wird eben versucht, die Experten oder andere Foristen schlecht zu reden und mit dem Bau ins Blaue hinein Fakten zu schaffen. Ob das sinnvoll ist oder gelingt, möge jeder Mitleser selbst entscheiden.

Zug um Zug: @Frank Polen, machen wir doch einen Deal: Sie klären denn Herrn Renz über seine Fehler bzgl. der Fahrplandaten auf, dann beantworte ich Ihnen Ihre Frage!

Plumper Versuch einiger S21-Befürworter den Dredner Gutachter schlecht zu machen!: Es ist schon lustig, wie Herr Paul Peter, Herr Ostermann, ... versuchen irgendwelche Wiedersprüche dem Dresdner Gutachter nachzuweisen, nur weil er ein NEGATIVES Gutachten zu S21 erstellt hatte. Ähnliches passierte schon den Schweizer Gutachtern zum Brandschutz. AUS DER SICHT DIESER S21-BEFÜRWORTER, KANN ES KEINE NEGATIVEN GUTACHTEN ZU S21 GEBEN, also muss man nur den Gutachter nur schlecht genung machen. ----- Wie ist es mit dem Vorschlag, dass der Gutachter die veröffentlichen Daten verwendet hat und sich dann an die DBahn gewandt hat: "Die Universität habe die Bahn im Juli angeschrieben, und er habe mit Thorsten Schaer telefoniert und gefragt, ob es einen aktualisierten Fahrplan gebe. „Ich habe bis heute keine Antwort bekommen“, so Steinborn." (StN, 30.09.2014). Die Frage nach einem aktualisierten Fahrplan wurde von der DBahn nicht beantwortet. Also hat man die öffentlich zugänglichen Daten verwendet. Wer verstehen will, kann dies auch verstehen! ---------- Noch eine Frage an die S21-Befürworterexperten Paul und Ostermann. Wenn "Die Bahn habe „den Fahrplan angepasst" (StN 30.09.2014), hat man dann auch die Auswirkungen auf den Rest der Stresstestsimulation geprüft oder hat man damit nur die Fildern schöngerechnet, ohne die Auswirkungen auf den Rest zu überprüfen?

Paul Peters Leseschwäche, 12:49 Uhr : Herr Peter, lesen Sie den Text einfach noch einmal ganz langsam.

Frau Müllers Verständnisprobleme: Herr Renz, das, was Sie zitieren, ist die Einschätzung der StN. Das, was Herr Ostermann zitiert, ist die Aussage der TU Dresden. Was stimmt denn Ihrer Meinung nach: das, was die TU sagt oder das, was die StN meint, dass es die TU gemeint haben könnte?

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