Erospark Sindelfingen Mit Provokationen gegen Sexsteuer

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Die Prostituierten und der Geschäftsführer des Erosparks halten 150 Euro Sexsteuer für unangemessen. Deshalb wollen sie demonstrieren.

Die Prostituierten des Sindelfinger Erosparks wehren sich gegen die Vergnügungssteuer. Foto: Weise
Die Prostituierten des Sindelfinger Erosparks wehren sich gegen die Vergnügungssteuer.Foto: Weise
Sindelfingen - Mit öffentlichen, bewusst provokanten Auftritten machen die Prostituierten des Erosparks in Sindelfingen (Kreis Böblingen) zurzeit auf sich aufmerksam. Kurz vor Weihnachten marschierten sie ins Rathaus, um dem Oberbürgermeister Bernd Vöhringer eine goldene Uhr zu überreichen, am 9. Januar traten 25 Frauen, verborgen hinter goldenen Masken, beim Neujahrsempfang der Stadt auf und verteilten Zettel an die Besucher. Der Grund für diese Aktionen: die Prostituierten wehren sich gegen die vom Gemeinderat beschlossene neue Vergnügungssteuer. 150 Euro pro Monat muss seit Januar jede von ihnen an die Stadt zahlen. Die Steuer ist zwar bereits im August eingeführt worden, bis zum Jahresende aber hat der Bordellbetreiber die Kosten übernommen. In der Region Stuttgart erhebt nur noch die Stadt Leinfelden-Echterdingen eine ähnliche Steuer.

Seit 15 Jahren gibt es das Etablissement in Sindelfingen, das kontinuierlich ausgebaut wurde von anfangs 13 auf heute 57 Zimmer plus zwei Extraräume - unter anderem mit einem Whirlpool. Die Wirtschaftskrise sei fast spurlos am Erospark vorbeigegangen, sagt der Geschäftsführer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will: "Ich habe zwei Kinder und wohne hier in der Umgebung", erklärt er dies.

Eine ganze Stunde bucht kaum jemand


Das Bordell liegt günstig - nahe an der Autobahn, und das Daimlerwerk mit 38.000 Beschäftigten ist nur einen Steinwurf entfernt. Nebenan steht ein großer Baumarkt, auf dessen Parkplatz Mann unauffällig den Wagen abstellen könne. Eine Viertelstunde im Bordell, danach ein Abstecher in den Heimwerkermarkt, was durchaus mal als Alibi diene. Diese Viertelstunde, das ist die gängige Einheit, die die Freier im Erospark buchen. 30 Euro kostet dieser Service, eine halbe Stunde 50 Euro und eine volle Stunde 150 Euro. "Doch das bucht kaum jemand", sagt Maria Magdalena. Nur für die Presse nennt sie sich so. Auf der Homepage des Erosparks firmiert sie unter einem anderen Decknamen. Doch dieser soll nicht in der Zeitung stehen. "Nicht, dass ein Freier dann nicht mehr kommt wegen dem, was ich gesagt habe", meint die Mitdreißigerin.

Ihren richtigen Namen kennt auch im Bordell außer dem Geschäftsführer niemand. Denn Maria Magdalena, die aus einem osteuropäischen Land stammt, führt ein Doppelleben. Seit drei Jahren arbeitet sie je einen halben Monat im Erospark, die andere Hälfte verbringt sie daheim mit ihren Kindern - weit weg in einem anderen Bundesland. Die Kinder wissen nicht, wie ihre Mutter das Leben finanziert.

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Art 3 GG: Warum können die Sexdienstleisterinnen die Kosten nicht einfach weitergeben? Weil der Sexdienstleistungsmarkt das einfach nicht hergibt. (Vollkommene Konkurrenz durch Anbieterüberschuss). Einen Unternehmer als Ausbeuter zu titulieren, der Kosten an seine Kunden weitergibt, das ist wohl die Höhe. Warum kamen die Sindelfinger nicht auf die Idee, von jedem Mercedes-Mitarbeiter (28.000) in Sindelfingen 5 EUR im Jahr zu kassieren? Oder von jedem Bürger (60.000) eine Bürgersteuer in Höhe von 2 EUR pro Jahr zu erheben? Wer beutet da wen aus? Findet Sex gegen Bezahlung nicht auch in Hotelbetten (oder auch in Ehebetten) statt? Vergügungssteuer? Sind Stadtfeste nicht auch ein Vergnügen? Oder ein Essen in der gehobenen Gastronomie? Sex ist ein Grundbedürfnis wie Essen oder Trinken. Zusatzsteuern nur von Frauen zu erheben die in Bordellen arbeiten ist ein Verstoss gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz des § 3 GG. Und verstösst gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.

'Vergnügungssteuer': Sehr geehrte Leser, Provokation ist nicht der Grund warum wir uns an die Öffentlichkeit wenden. Sondern eine Notlage. Die Stadt Sindelfingen erhebt die in Deutschland höchste Vergnügungssteuer für Prostituierte. Leinfelden-Echterdingen ist die einzige Stadt in der Region die auch Vergnügungssteuer erhebt. L.E. verlangt aber nur die Hälfte des Satzes von Sindelfingen. Alle anderen Städte der Region verzichten auf die Ausbeutung von Prostituierten. Der SPD-Vorsitzende sollte sich einmal wieder mit Karl Marx beschäftigen, der - Ausbeutung mit Aneignung fremder Arbeit- definiert. Wir geben den Damen eine Gegenleistung für die Miete und alle Damen sind freiwillig in unserem Haus. Die Vergnügungssteuer bezahlen sie nicht freiwillig und erhalten auch keine Gegenleistung. Zu Frau Balzers Kommentar: Unsere Frauenbezahlen auch mehr Eintritt ins Schwimmbad und deren Kinder bezahlen mehr Kita-Beitrag. Zusätzlich allerdings noch Vergnügungssteuer, für die unsere Damen jährlich in 855 Stunden, 3420 Männer befriedigen müssen. Wo ist denn das Vergnügen. Der Oberbürgermeister gibt an, sein Beruf macht ihm Spaß, also hat er Vergnügen bei der Arbeit. Wie wär’s wenn wir Dessen Vergnügen besteuern. Liebe Politiker, liebe Verwaltungen überspannt nicht den Bogen mit laufend höheren Steuern und Abgaben. Ihr seit Vertreter der Bürgerschaft, die Bürger sind nicht Eure Lakaien. Anbei haben wir noch den Textangehängt den wir beim Neujahrempfang verteilt haben Es gibt Damen die bei uns die sehr gut verdienen. Die Betonung liegt auf verdienen und nicht bekommen. Wenn eine Dame 15- bis 20-mal täglich Verkehr hat ist das sicherlich kein Zuckerschlecken und sie hat das Geld auch verdient. Es gibt aber auch Mädels die kaum die Miete schaffen und 12-16 Stunden an der Türe wartet bis sich mal ein Gast zu ihnen verirrt. Wir stehen öfters vor weinenden Mädchen die abends nicht in der Lage sind ihre Miete zu bezahlen Die meisten unserer Damen machen den Job aus der Not heraus. Deutsche Frauen haben sich häufig verschuldet und sehen keinen anderen Weg aus der Miesere herauszukommen, als wie ihren Körper zu verkaufen. Die ausländischen Damen haben sehr oft früh unehelich Kinder bekommen, Durch die Prostitution versorgen die Damen dann ganze Familien in Ihrem Heimatland, die auf Ihre Kinder aufpassen. Möchten die Vertreter der Stadt Sindelfingen von der Not der Damen partizipieren? Die Gedanken der Verantwortlichen waren bei der Entscheidung vermutlich: Die Zuhälter sollen sich eben ein billigere Uhr und ein kleineres Auto kaufen. Der klassische Zuhälter ist fast ausgestorben und das nicht weil die Polizei so rigoros gegen diesen Personenkreis vorgeht, sondern weil es einfach nichts mehr zu holen gibt. Der heutige Zuhälter passt auf die Kinder auf oder geht auch zur Arbeit. Der nächste Gedanken wird sein, sollen doch die Gäste mehr bezahlen, die ja auch das Vergnügen haben. In den letzten 7 Jahren wurden in der Regien 5 Großbordell eröffnet in denen über 200 zusätzliche Prostituierten arbeiten. Durch dieses Überangebot sind die Preise für die Dienstleistung Sex gefallen. An eine Erhöhung ist nicht zu denken. In den Stuttgarter Bordellen bekommt der Gast schon heute für 20,- € das volle Programm. Bleiben also noch wir als Betreiber, wo sie denken es ist gerechtfertigt die Vergnügungssteuer zu erheben. In den letzten 5 Jahren konnten wir die Miete, aus zuvor erwähntem Grund, nicht erhöhen. Im Gegenteil wir haben die Preise für Getränke auf den Selbstkostenpreis gesenkt und bieten seit 2 Jahren kostenloses Essen. Unser Gewinn wird über die gute Auslastung generiert.. Im Letzen Frühjahr wo die Daimlermitarbeiter das Kurzarbeitergeld versteuern mussten und damit die Besucherzahlen einbrachen. Hatten wir teilweise eine Leerstand von 40 %. Bei solch einem Leerstand machen wir ca. 30.000,- € p. Monat Verlust. Das bedeutet, wir brauchen ein gewisses Polster um auf Dauer bestehen zu können. Unsere Kapitalrendite unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Branchen. Unsere Investitionen in den Ausbau der Gebäude von ca. 2 Mio. muss auch erst einmal bezahlt werden. Eine zusätzliche Belastung durch die Vergnügungssteuer würde das Risiko eines Konkurses verstärken. Ist es wirklich erstrebenswert unser Geschäft einzudämmen? Bei der Wirtschaftsförderung Sindelfingen gibt es das Ressort Tourismus. Wir haben nicht in die Bücher dieser städtischen GmbH geschaut denken aber, dass das Budget hierfür etwa dem Umfang entspricht, den wir bezahlen sollen. Also ca. 100.000,- €. Das bedeutet auf der einen Seite möchte die Stadtverwaltung mit viel Geld den Tourismus in Sindelfingen fördern, auf der anderen Seite bremsen Sie durch die Wettbewerbsverzerrung den einzigen und größten touristischen Betrieb den es in Sindelfingen gibt, nämlich den Erospark aus. Wir kennen kein Argument das die Vergnügungssteuer für Prostituierte moralisch rechtfertigt. Die finanzielle Notlage der Stadt kann keine solch einseitige und ungerechte Belastung eines einzelnen Betriebes begründen, da wir für diese Misslage nicht verantwortlich sind. Wir sind der Meinung die Stadtverwaltung sollte erst einmal in den eigenen Reihen sparen lernen, bevor sie ständig an der Gebühren und Steuerschraube dreht. Als kleines Beispiel: Alleine das Büro des Oberbürgermeisters beschäftigt 16 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Darunter eine Persönliche Referentin, einen Bürgerreferent, einen Büroleiter, 2 Anwälte, 10 Sekretärinnen und ein Chauffeur. Liebe Bürger wir werden luxuriös verwaltet Ist es wirklich sinnvoll, dass unserem Haus, durch die Einführung der Vergnügungssteuer, die Existenzgrundlage entzogen wird. Gerne laden wir Sie ein sich selbst einmal ein Bild über unser Haus zu machen und sich damit ihre eigene Meinung zu bilden. Anmeldungen für eine Besichtigung unter Verwaltung@erospark.de. Übrigens: 2 von 45 Gemeinderäte haben bisher die Gelegenheit genutzt unser Haus zu besichtigen und sich ein Bild über die Lage der Mädchen zu machen. Von der Stadtverwaltung war noch keiner da.

Einfache Lösung.: Liebe Mädchen, es gibt keine Schweigepflicht in eurem Beruf. Es ist nicht strafbar die Erlebnisse weiter zu erzählen. Wäre interessant, wer hier alles seine 2. Nase einklemmen würde. Ich glaube schneller kann die alberne Wählerstimmen Sammelaktion nicht abge blasen werden.

Vergnügungssteuer: Wenn man dieses Wort benutzt sollte man sich auch fragen -wer vergnügt sich dort eigentlich und für wen ist es ein vergnügen ? Sicherlich findet sich dort nicht der Harz 4 empfänger regelmässig ein ..Es sind eher gerade die ,die hier auf den Gedanken kamen ,den hart arbeitenden Damen Vergnügen zu unterstellen. Machen sich diese nun zu Zuhältern? Diese Frauen zahlen doch wahrlich schon einen hohen Preis -nicht nur das sie ihren Körper geben , nein sie bezahlen auch noch für eine geschützte Umgebung einen verdammt hohen Preis ---niemand würde so hohe Tagesmieten zahlen . Nur wer menschlich blind ist ,ist in der Lage hier noch 150 Euro im Monat Vergnügungssteuer abzuzocken . Ich schäme mich für so Menschen ,die lieber abzocken als nachdenken --aber im gleichen Atemzug Milliarden bejahen für die Versenkung des Bahnhofs in Stuttgart

komische Preispolitik: 30.- für eine Viertelstunde (iiih, wie unromantisch...), 50.- (statt 60.-) für eine halbe Stunde und dann....neee, nicht 70.- oder so für eine volle Stunde sondern 150.-! Irgendwie sollten die Damen oder der Herr Zuhälter mal ein BLW-Büchlein zu attraktiver Preisgestaltung zur Hand nehmen. Was würde denn nochmal das Doppelte (also zwei Stunden) kosten? Wirds bei euch dann wieder 'billiger' (also 200.- statt 300.-EUR) oder steigts exponentiell (vielleicht so 500.- für zwei Stunden, 2000.- für den ganzen Abend....)? Fragen über Fragen. Aber ich fürchte ich werde in diesem Leben trotzdem nicht mehr in ein Bordell gehen.

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