Erste S21-Großdemonstration 2011 Kampf gegen die "Tunnelparteien"
Erik Raidt, 31.01.2011 07:34 Uhr
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 Foto: dpa
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Stuttgart - Die erste Großdemonstration des Jahres gegen Stuttgart 21 ist am Samstag mit Spannung erwartet worden. Wie viele Teilnehmer würde das Aktionsbündnis gegen den geplanten Tiefbahnhof auf die Straße bringen? Und welche politischen Signale würden die Gegner mit Blick auf die Landtagswahlen am 27. März aussenden? Auf die erste Frage gab es erneut keine eindeutige Antwort: Die Veranstalter der Demonstration unter der Überschrift "Widerstand plus" zählten 40.000 Teilnehmer. Die Polizei, die diesmal auch einen Hubschrauber über dem Bonatzbau kreisen ließ, schätzte die Zahl der Protestierenden, die bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gekommen waren, auf rund 13.000. Die zweite Frage lässt sich leichter beantworten: Die Landtagswahl soll zur Abrechnung mit der von Stefan Mappus (CDU) geführten Regierung werden. Die Grünen – Teil des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 – zeigten am Samstag massiv Präsenz bei der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof.

Den Blick auf die Landtagswahl gerichtet


Winfried Hermann (Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, griff die schwarz-gelbe Landesregierung frontal an: "Stuttgart 21 ist eine Metapher für eine teure, skandalöse und undemokratische Politik." Das Alternativkonzept Kopfbahnhof 21 stehe hingegen für eine soziale, ökologische und nachhaltige Politik. "Für eine solche Mehrheit müssen wir kämpfen." Der Winter habe zudem gezeigt, dass bei der Bahn alles schief laufe. Der Konzern habe seine Kunden vergessen und versäume es, im "ganz gewöhnlichen Alltag" einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. "Diese Philosophie spiegelt sich auch im Bahnprojekt Stuttgart 21." Der Tiefbahnhof würde "nie und nimmer einen Winterstresstest bestehen". Auch Muhterem Aras, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat, richtete den Blick auf jene Landtagswahl voraus, die aus der Sicht des Aktionsbündnisses zur Abstimmung über Stuttgart 21 werden sollen.

"Wir werden am 27 März wählen gehen", rief Aras der Menge zu, "und die Tunnelparteien müssen sich warm anziehen. Wir werden Stuttgart 21 begraben." Bei der Großdemonstration bezogen sich viele Redner auf den bevorstehenden Wahltermin – doch auch mit der Vergangenheit haben die meisten der Gegner nicht ihren Frieden geschlossen. Einige Demonstranten fuhren mit einem alten Wasserwerfer vor. Am Steuer saßen Aktivisten, die Pappmasken trugen, auf denen Stefan Mappus und Wolfgang Schuster abgebildet waren. Ihre Botschaft: "Tränen lügen nicht – am 27. März ist Heimzahltag." Auf zahlreichen Transparenten nahmen die Demonstranten Bezug auf jenen "schwarzen Donnerstag", an dem beim Einsatz der Polizei im Schlossgarten zahlreiche Gegner des Bahnhofsumbaus verletzt wurden. Von einem "Winter des Missvergnügens" für die Protestbewegung sprach der Regisseur Klaus Hemmerle in Anlehnung an Shakespeare.

Parkschützer klettern auf Bäume


Der Schlichterspruch von Heiner Geißler habe den Widerstand vorübergehend gelähmt. Doch diese Lähmung sei nun überwunden. "Wir sind hier, wird sind laut, und der Tiefbahnhof ist noch längst nicht gebaut", sagte Hemmerle. Auch er bezog sich auf die bevorstehende Landtagswahl und stellte den Fortschrittsbegriff der Befürworter von Stuttgart 21 in Frage. Hemmerle zog einen Vergleich zum Konzept der autogerechten Stadt aus den Nachkriegsjahren: "Wir bedanken uns heute für die menschenverachtende Wunde, die sie in unsere Stadt geschlagen haben", sagte er mit einem sarkastischen Unterton. Im Anschluss an die Kundgebung vor dem Bahnhof, zog der Protestzug durch die Innenstadt.

Die Polizei sicherte dabei den Landtag und die CDU-Zentrale am Rotebühlplatz mit Absperrgittern und Beamten. Es kam laut Angaben der Polizei zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Weil einige Demonstranten jedoch entgegen dem Versammlungsbescheid alle Fahrstreifen der Theodor-Heuss-Straße und der Konrad-Adenauer Straße benutzten, sei es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gekommen. Wegen dieses Verstoßes prüfe die Polizei, ob sie den Versammlungsleiter anzeigen will.

Vor der Veranstaltung machten auch die Parkschützer auf ihre Anliegen aufmerksam. Vor der Demonstration kletterten sie auf Bäume beim Nordausgang des Bahnhofs und hängten Vogelhäuschen auf, um auf bedrohte Arten hinzuweisen. Am Abend kamen Gegner des Tiefbahnhofs zum Mercedesmuseum, wo unter anderem die Bundeskanzlerin den 125. Geburtstag des Automobils feierte. "Deutschland brauche Mobilität", so eine Sprecherin der Parkschützer, "aber keine rückwärtsgewandten Prestigeprojekte".
Kommentare (406)
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FEB
14
Beobachter, 18:20 Uhr

J A oder N E I N

Großes Kino: http://www.youtube.com/watch?v=Mxnm_7hs3UE#t=41m10s

FEB
14
Erwin Kober, 12:55 Uhr

Nebelkerzen a la Ostermann

Werter Herr Ostermann, werter Herr Scrabble, jetzt verfolge ich diesen Diskurs über Planfeststellungsverfahren ja/nein schon eine Weile und kann nur feststellen, dass sich Herr Ostermann, wie es sich für ein Propagandabüro gehört um eine klare Antwort drückt. Frage Scrabble: Ist es richtig, dass für ein 9. und 10. Gleis ein neues Planfeststellungs-Verfahren nötig ist und dieses umzusetzen viele Jahre Verzug bedeuten würde, wie Herr Grube sagt?" Herr Scrabble wollte auf diese Frage keine - diesmal sogar nur eine Seite - hochphilosophischen, semantischen Überlegungen hören, sondern E I N E I N Z I G E S Wort: J A oder N E I N Um das letzte Schlupfloch zu stopfen, Herr Scrabble ist bestimmt bereit die Frasge aufzusplitten a)neues Verfahren ? ja/nein b) falls a) mit ja beantwwortet wird, Dauer wie von Herrn Grube angegeben? ja/nein Warum ist das Propaganda-Büro-ProS21 nicht in der Lage, oder nicht willens? zwei Ja/nein-Fragen zu beantworten? Genervte Grüße

FEB
10
Alfons Popp, 18:38 Uhr

@Ostermann

Sehr geehrter Herr Ostermann, Ihr Kommentar zu Herrn Schwabs sarkastischer Verwendung des Begriffs "Petitesse" disqualifiziert sich selbst durch die rabulistische Art, wie sie versuchen, ihm das Wort im Munde herum zu drehen und dann noch alle "Gegner" im Rundumschlag in Sippenhaft nehmen. Mit verständnislosen Grüßen Alfons Popp

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