Erwachsenenbildung Frontalunterricht reicht nicht
Michael Sudahl, 25.11.2011 12:38 Uhr
Das Berufsleben hat ständig neue Herausforderungen parat, und je älter man wird, desto schwerer fällt es einem, sich darauf einzustellen. Foto: Fotex
Das Berufsleben hat ständig neue Herausforderungen parat, und je älter man wird, desto schwerer fällt es einem, sich darauf einzustellen. Foto: Fotex

Alexander Rupp wollte es mit 46 Jahren noch einmal wissen. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann meldete sich beim Stuttgarter Weiterbilder carriere & more zum Lehrgang IHK-geprüfter Betriebswirt an. „In der Lerngruppe war ich der Opa”, erzählt der Heilbronner scherzhaft. Denn „üblicherweise sind unsere Lehrgangsteilnehmer im Schnitt zwischen 20 und 35 Jahre alt”, wie Simone Stargardt, die Chefin der Weiterbildungseinrichtung für schnelles Lernen, verdeutlicht. Bestanden hat Rupp den 30 Tage dauernden Kurs mit abschließender IHK-Prüfung wie 70 Prozent der Teilnehmer auf Anhieb.

Gestärkt durch diese Erfahrung, auch mit Mitte vierzig eine umfangreiche Fortbildung erfolgreich zu absolvieren, machte sich Rupp im Anschluss daran selbstständig. Als Experte für Kunststoff, Gummi, Dichtungen und Schläuche für die Industrie betreibt er einen Großhandel.

Dass das Lernen und ein damit verbundener Karriereschritt nicht mit Ende einer Ausbildung oder nach Abschluss eines Studiums aufhört, zeigt das Beispiel des Unterländers anschaulich. Sicher ist zudem: In einer alternden Gesellschaft wird der lebenslange Wissenserwerb zur Herausforderung für Mitarbeiter und Unternehmen, denn von heute bis 2020 steigt der Anteil der über 60-Jährigen von 23 auf 30 Prozent an, wie der Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität in München in einer Studie herausfand. Gleichwohl schwindet das Interesse an Weiterbildung ab 45 Jahren rapide. Nimmt bei den 45- bis 49-Jährigen noch etwa jeder Zweite an einer Fortbildung teil (45 Prozent), so sinkt das Engagement bei den 60-Jährigen auf 17 Prozent ab.

Hinzu kommt, dass Ältere anders lernen als ihre jungen Kollegen. Das informelle Lernen nimmt eine größere Rolle ein, beobachtet Stargardt, die wiederum ihr Bildungskonzept auf diese Bedürfnisse ausrichtet. Statt ausschließlich Frontalunterricht zu genießen, werden Rupp und seine Mitschüler über verschiedene Sinneskanäle angesprochen. Mit Visualisierung, Projektarbeit, standardisierten Skripten und Audiotraining lernen die Erwachsenen nicht nur leichter, „sondern vor allem schneller”, wie Stargardt erklärt. Statt üblichen 745 Stunden Unterricht für einen Lehrgang zum Betriebswirt legt Rupp bereits nach der halben Zeit seine IHK-Prüfung ab.

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