Es fehlen Lehrer und Betreuer
"Leonberger Kreiszeitung", 03.05.2011 02:46 Uhr
Landkreis An den beruflichen Schulen fallen viele Stunden aus. Die Sonderschulen beklagen fehlende Zivis. Von Gerlinde Wicke-Naber

Acht berufliche Schulen sowie neun Sonderschulen und Schulkindergärten gibt es im Landkreis Böblingen. Fast alle klagen über einen eklatanten Lehrermangel. 78 Unterrichtsstunden pro Woche fallen an der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule 1 vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften aus. Zusätzlich haben sich dort 13 300 Überstunden angesammelt. Dies entspricht der Arbeitszeit von 14 Lehrern für ein Schuljahr.

An der benachbarten Gottlieb-Daimler-Schule 2 berichtet der Schulleiter Robert Kienle, "dass besonders in den Naturwissenschaften und den technischen Disziplinen nicht alle Lehrerstellen besetzt werden konnten". So suche er seit fast einem Jahr nach einem Lehrer für Medientechnik. "Doch ich hatte bisher nicht eine Bewerbung", klagte Kienle gestern im Bildungsausschuss des Kreistags. Die Leitung der Böblinger Mildred-Scheel-Schule spricht von einer "angespannten Unterrichtsversorgung". Ähnlich äußern sich die Verantwortlichen des Kaufmännischen Schulzentrums.

"Es ist richtig, dass Mathematik, Physik und Chemie typische Mangelfächer sind", bestätigt Heike Schlüter, eine Sprecherin des Stuttgarter Regierungspräsidiums. Sowohl an den Gymnasien als auch an den Berufsschulen fehlten überall im Land in diesen Fächern Lehrer. "Wir machen viel Werbung bei den Studienanfängern, um sie für das Lehramt zu gewinnen", so Schlüter.

Über Unterrichtsausfall klagen auch die Sonderschulen. Wird ein Lehrer krank, schickt die Herrenberger Fröbel-Schule teilweise Kinder nach Hause. Ähnliches berichtet Berthold Halder von der Leonberger Haldenwang-Schule. Die Eltern seien darüber sehr erbost.

Zusätzlich haben die Förderschulen aktuell auch noch mit dem Wegfall der Zivildienstleistenden zu kämpfen. "Wir hatten bisher einen sehr hohen Anteil Freiwilliger beim Personal", sagte der Landrat Roland Bernhard. 60 Zivildienstleistende waren in den Sonderschulen eingesetzt: zum Rollstuhl schieben, zur Hilfe beim Essen, zur Körperpflege. Jetzt, da der Zivildienst abgeschafft wurde, fehlt es den Schulen an Hilfskräften. Der neue Freiwilligendienst funktioniere noch nicht, stellte Martin Hassler, der Rektor der Sindelfinger Körperbehindertenschule, fest: "Wir haben bisher keine Bewerbung für das kommende Schuljahr."

Der Landkreis, der als Schulträger die Personalverantwortung für die Hilfs- und Pflegekräfte trägt, möchte deshalb das hauptamtliche Personal aufstocken. Noch im laufenden Schuljahr sollen zwei neue Stellen geschaffen werden, im kommenden Jahr weitere fünf.

"Das reicht bei weitem nicht aus", befanden einige Kreisräte und bezweifelten, dass "alle Zivis durch Hauptamtliche ersetzt werden können". "Wir haben bereits alle Gymnasien angeschrieben und bei den Abiturienten um Freiwillige geworben", sagte Roland Bernhard - bisher ohne Erfolg. Ein Grund dafür sei, dass die meisten Abiturienten lieber gleich mit dem Studium beginnen wollten, weil sie sonst im kommenden Jahr mit dem doppelten Abijahrgang konkurrierten. Elke Döbele (SPD) appellierte an den Landrat, sich nicht nur auf junge Leute festzulegen. "Der Freiwilligendienst ist auch für Ältere gedacht. Dort sollten wir werben."

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