Stadtkind Stuttgart

Es hat sich ausgehoust KimTimJim muss wegen baurechtlicher Mängel schließen

Von  

Das Ende kam überraschend: Am Mittwoch wurde bekannt, dass der beliebte Stuttgarter House-Club KimTimJim seine Pforten wegen baurechtlicher Mängel ab sofort schließen muss. Zwar war das Projekt ohnehin nur temporär angelegt, die Betreiber hatten aber bis Ende März bereits Programm geplant. Stößt das Ende des Clubs jetzt eine neue Diskussion zum Thema Zwischennutzung an?

Aus für Elektro-Club im ehemaligen China-Restaurant an der Hauptstätter Straße: Das KimTimJim muss wegen baurechtlicher Mängel schließen. Foto: Katharina Sorg
Aus für Elektro-Club im ehemaligen China-Restaurant an der Hauptstätter Straße: Das KimTimJim muss wegen baurechtlicher Mängel schließen.Foto: Katharina Sorg

Schlechte Nachricht für alle House-Fans: Am Mittwoch verkündete der renommierte Stuttgarter Club KimTimJim (KTJ) auf seiner Facebook-Seite sein vorzeitiges Aus. Zwar war das Projekt von vornherein temporär angelegt, da das Gebäude dem Breuninger-Neubau weichen muss. Zumindest bis Ende März hatten die Betreiber im ehemaligen China-Restaurant an der Hauptstätter Straße aber ihr Programm anbieten wollen, die nächsten Wochen waren bereits durchgeplant. Die Macher hatten insgeheim sogar die Hoffnung, bis zum Sommer weitermachen zu können.

„Das Ende kam jetzt doch sehr abrupt“, sagt Mirko Ruppenstein, der Geschäftsführer des KimTimJim. Am Montag hatte er einen Anruf vom Baurechtsamt erhalten mit der Bitte um eine Ortsbegehung, am Dienstag waren die Beamten im Club, um anschließend zu verfügen, dass der Club wegen einer mangelhaften Fluchtweg-Situation umgehend geschlossen werden muss. Wie so oft in der jüngeren Vergangenheit hat auch im Falle KimTimJim die Konzession den Ausschlag gegeben.

„Das KimTimJim hatte eine Konzession als Gaststätte, als Schank- und Speisewirtschaft. Vor etwa einem Jahr kam die Anfrage, das Lokal auch anderweitig zu nutzen. Eine Nutzung als Diskothek ist aber nicht möglich. Die vorhandenen Räumlichkeiten verhindern dies. Das Baurechtsamt hat deutlich gemacht, welche Auflagen zu erfüllen wären, insbesondere bessere Fluchtwege“, sagt Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart. „Das ist wirklich schade. Beim Thema Fluchtwege kann man aber nicht diskutieren. Jeder, der hier etwas zulässt, macht sich selbst strafbar“, ergänzt Hermann Karpf, Sprecher von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer.

Verstärkt Kontrollen in den vergangenen Monaten

Wieso hatte man den Betrieb dann aber 13 Monate laufen lassen? „Nachdem die Betreiber vor rund einem Jahr im Bereich Schallschutz einige Maßnahmen vorgenommen hatten, gab es keine Beschwerden wegen Ruhestörung mehr“, erklärt Karpf. In den vergangenen Monaten habe es aber dann doch wieder verstärkt Beschwerden gegeben, daher hätten wieder verstärkt Kontrollen stattgefunden, deren Ergebnis eben nun in der Schließung gipfelten. „Wir haben uns rechtlich sicherlich in einer Grauzone befunden“, gibt Mirko Ruppenstein zu. „Wir waren wohl geduldet, solange sich keiner beschwert hat.“ Finanziell ist das vorzeitige Aus ein Schlag für die Betreiber, schließlich waren bis Ende März Künstler gebucht, denen nun abgesagt werden muss: „Wir sind bemüht, für die bereits gebuchten Künstler Ersatzflächen zu finden und berichten auf unserer Facebook-Seite über den Stand der Dinge“, so Ruppenstein.

Das KimTimJim war in der House-Szene sehr beliebt, wie auch das prall gefüllte „Kondolenzbuch“ auf Facebook zeigt. Ein musikinteressiertes und reiferes Publikum nahm das Programm an der Schnittstelle von Neo-Disco, Deep-House, Electro-Pop und gediegenen Techno dankend an – mehr Liebe, weniger Stampf war quasi die programmatische Ausrichtung. Die hatte in der Stuttgarter Clublandschaft gefehlt und das KTJ eine Lücke geschlossen. Ruppenstein hofft, dass das Club-Ende wenigstens eine grundsätzliche Diskussion über die Vergabe von Konzessionen und die temporäre Bespielung von Gebäuden in Stuttgart anstößt: „Vielleicht kann sich Stuttgart da ja an anderen Städten orientieren, in denen Zwischennutzung ohne größeren Bürokratie-Aufwand möglich ist“, sagt Ruppenstein, der sich als Innenarchitekt mit einem Lehrauftrag an der Hochschule für Technik mit der temporären Nutzung von Gebäuden eingehend beschäftigt hat.

Im Netz kursiert nach dem Ende des Clubs ein offener Brief, indem an den neuen Oberbürgermeister Fritz Kuhn appelliert wird: „Lieber Fritz, hier ergibt sich gerade eine gute Möglichkeit, der Stuttgarter (Sub-)Kultur unter die Arme zu greifen beziehungsweise zu prüfen, ob eine solche radikale Maßnahme gerechtfertigt ist. Mit einem Behördenvorgang die kulturelle Arbeit von mehr als einem Jahr, die musikalische Heimstätte tausender Stuttgarter und eine Musiklocation mit internationalem Ruf auszuknipsen, war bisher in Stuttgart an der Tagesordnung. Wäre es nicht an der Zeit, hier einen neuen Weg einzuschlagen?“ Nicht nur das KimTimJim-Stammpublikum ist gespannt auf die Antwort des OBs.

 

  Artikel teilen
9 KommentareKommentar schreiben

Brasilien vs. Stuttgart: Die Situation im KimTimJim mit der Katastrophe in Brasilien oder der Love Parade zu vergleichen ist Unsinn und kann nur von Leuten kommentiert werden die noch nie diese Lokalität besucht haben. Auch der Begriff 'Disko' ist hier unangebracht, da man es mit dem gängigem Bild einer Diskothek in keinster Weise vergleichen kann. @Bernhard: 'Auswüchse' und 'Verwüstung'... deine Pauschalisierung kann ich nachvollziehen wenn du 70 Jahre bist und vergessen hast wie es ist als junger Mensch das Leben zu genießen. Damit will ich aber nicht den Zustand auf der Theodor Heuss Straße gut heißen. Allerdings hat diese nichts mit dem hier angesprochenen KimTImJim zu tun. Es geht darum das (Sub)Kultur nun mal nicht in etablierten Kulturinstitutionen wie Theater oder Oper beheimatet ist, aber auch nicht in kommerziellen Stätten wie Diskotheken oder der Schleyerhalle. Es geht darum dieser Kulturform Raum zur Gestaltung zu geben und der hier dabei entstehenden 'Kultur' Respekt entgegenzubringen. Das KimTImJim war ein Retaurant, es waren also schon Fluchtwege usw. vorhanden. Mit 250 Leute Fassungsvermögen kann man auch nicht von einer Großraumdisko sprechen. Auch gab es keine Pyrotechnik oder andere Dinge die eine Situation wie in Brasilien herbeiführen könnte. Trotzdem ist es natürlich auch mit wichtig in einem 'Sicheren' Umfeld Subkultur zu erleben und Brandschutz und andere Dinge sind dabei elementar. Im aktuellen Fall stellt sich nur die Frage warum erst nach mehr als einem Jahr mit diesem Argument der Laden dicht gemacht wird? Evtl. weil der Laden einfach unbequem wurde? Mir geht es auch um Grundsätzliches und das KimTimJim ist nur das aktuelle 'Opfer'.

Ausmisten: Die kompletten Betriebsgenehmigungen gehören auf den Prüfstand. Ziel muss es sein, mindestens 50% dieser Läden dicht zu machen. Sauberkeit und Ordnung, das sind die Kardinaltugenden unserer Heimatstadt, nicht besoffene Jugendliche ohne Kinderstube.

Nutzungsgenehmigung: Für mich eh völlig unbegreiflich, wie man hier leichtfertig Gebäude mitten in der Innenstadt für 'Clubs' erteilt. Hat man den aus der Disco-Katastrophe in Brasilien nichts gelernt? Es wird Zeit, dass die Stadtverwaltung gegen solche Auswüchse mit harter Hand durchgreift. Allein schon die Verwüstungen durch die 'Partygänger', Glasscherben, Erbrochenes, Urin...solche Etablisiments gehören in ein Industriegebeit weit vor den Toren der Stadt!!!

Was soll die Stadt tun?: Eine Woche nach dem Brand in Brasilien mit über 200 Todesopfern wegen fehlender Fluchtwege ist es eigentlich unangemessen, sich darüber zu beklagen, dass die Stadt den Brandschutz ernst nimmt. Es wäre natürlich trotzdem interessant zu erfahren, ob nur die Türe 2cm zu schmal ist, oder ob es sich um etwas viel gravierenderes handelt. Der zitierte Brief bleibt relativ unspezifisch. Da im Brief die gefundenen Mängel nicht benannt werden, könnte man davon ausgehen, dass es sich um sehr gravierende Mängel handelt. Oder ist der Urheber des Briefes einfach ein regelmäßiger Besucher, ohne das entsprechende Hintergrundwissen? Es bleibt ebenfalls unklar, was die Forderung ist? Hilfe bei der Suche nach einer neuen Lokalität? Genehmigung für ein Flucht-Treppe? Oder soll wirklich der mangelhafte Brandschutz genehmigt werden?

besser so: Auch wenn esh hart ist: besser so, als wenn ein Notfall eintritt und dann die Fluchtwege nicht reichen. Dann wäre das Geschrei groß 'warum hat die Stadt das überhaupt zugelassen...?' Beim Thema Sicherheit darf es einfach keine Kompromisse geben. Trotzdem wäre es schön, wenn alternative Räume gefunden werden. Aber zum Nulltarif stehen diese nicht schlange - Investitionen für die Sicherheit und Miete fallen schon an.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.