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Es tobt ein Kampf um die Hoheit in den Neckarkanälen
"Filder-Zeitung", 18.06.2011 02:41 Uhr
Esslingen. Die Kreisfischer drängen darauf, den Kanuverkehr deutlich einzuschränken. Besonders das Angebot, auf eigene Faust die Stadt vom Wasser aus zu erkunden, stößt auf Kritik. Nun eskaliert der Streit zwischen Anglern und dem Bootsverleiher. Von Kai Holoch

Der eine, der Kreisfischereibeauftragte Edward-Errol Jaffke, sieht die Fische bedroht, der andere, Kanuverleiher Ralf Weinberger, seine Existenz. Vor 19 Jahren hat Weinberger damit begonnen, Touristengruppen und Einheimischen auf zwei zusammengebundenen Kanadiern bei einer Fahrt durch die Neckarkanäle einen etwas anderen Blick auf Esslingen zu ermöglichen. Vor zwei Jahren hat Weinberger die wirtschaftliche Verantwortung für das Geschäft an seinen Partner Markus Mittler abgegeben. Er konzentriert sich seither auf seine neue Geschäftsidee und verleiht Einer- und Zweier-Kanus an Menschen, die auf eigene Faust Esslingen vom Wasser aus entdecken wollen.

Dass dabei jeder Mann und jede Frau ohne Vorkenntnis zum Paddel greifen darf, erbost Edward-Errol Jaffke, der - darauf legt er Wert - nicht in seiner Funktion als Esslinger CDU-Stadtrat, sondern als Kreisfischer und 1. Vorsitzender des Esslinger Fischereivereins aktiv geworden ist. "In den Esslinger Neckarkanälen gibt es eine Unmenge Fische", argumentiert Jaffke. Die Stadtkanäle seien dabei hoch sensible Gewässer, in denen 21 verschiedene Fischarten leben. Hier finde man auch den vom Aussterben bedrohten Schneider. Es könne nicht sein, dass jeder Mann und jede Frau auf eigene Faust drauflospaddele und damit den Fischbestand gefährde, sagt Jaffke. Schließlich sei das Wasser an verschiedenen Stellen in den Kanälen so niedrig, dass Ungeübte mit ihren Paddeln auf den Grund stoßen und so die laichenden Fische stören könnten. Deshalb müsse Weinberger zumindest sein Angebot für Solopaddler einstellen.

Das Recht sieht Jaffke dabei eindeutig auf seiner Seite. Durch das Wassergesetz für Baden-Württemberg sei eindeutig geklärt, dass es Grenzen für den Gemeingebrauch von Wasserwegen gibt - und diese seien im vorliegenden Fall eindeutig überschritten. "Dieses Gesetz ist das Ergebnis von 50 Jahren baden-württembergischer Klüngelpolitik der CDU mit der Anglerlobby", erregt sich Weinberger: "Bisher hat noch kein Kanu einen Fisch überfahren, erdrückt oder gejagt." Die Angler fürchteten offenbar, dass irgendwann "keine Möglichkeit mehr besteht, ihrem Hobby nachzugehen und Fische zu töten - oder die gequälte Kreatur nach dem Jagdglück verletzt wieder ins Wasser zu werfen".

Angesichts solch harscher Töne droht Edward-Errol Jaffke nun seinerseits mit einer rigideren Umsetzung des Gesetzestextes. Bisher hätten sich die Kreisfischer beim Landratsamt dafür eingesetzt, dass zumindest die geführten Kanutouren durch die Stadtkanäle weiter möglich sein sollen. Wenn die Gegenseite aber solche Töne anschlage, droht Jaffke, werde man sich diese Empfehlung noch einmal überlegen. Die Haltung des Landratsamts war wegen der Ferien gestern nicht zu erfahren.

Die Verschärfung des Konflikts löst bei Michael Metzler, dem Esslinger Tourismuschef, wenig Begeisterung aus. "Die Kanaltouren sind für uns ein stadtmarketingrelevantes Thema", erklärt er. Sie lockten viele Touristen an. Deshalb helfe die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) dem privaten Veranstalter auch bei der Vermarktung der Gruppenfahrten. Mit dem Soloangebot von Ralf Weinberger habe die EST aber nichts zu tun.

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