Essay Das Netz der kleinen Dinge

Von Peter Glaser 

Ein neuer Schub des digitalen Wandels beginnt, die Welt zu verändern. Nicht mehr nur Medien werden intelligenter, sondern unsere ganze Lebensumgebung. Peter Glaser besichtigt die globale Feinverteilung der Informationsströme, die von kluger Kleidung bis zum Fensterglas mit automatischer Privatsphäre reicht.

Das „Internet der Dinge“ wird bald den letzten Winkel des Erdballs erreicht haben. Foto: tkk
Das „Internet der Dinge“ wird bald den letzten Winkel des Erdballs erreicht haben.Foto: tkk

Stuttgart - In Afrika sehnt man sich danach, das Klischee „Erdteil der Rückständigkeit“ loszuwerden und auch als Standort für Modernisierung und Technologie Ansehen zu gewinnen. Die 50 Kilometer östlich von Kapstadt gelegene Gemeinde Stellenbosch etwa macht gerade mit einem ambitionierten Internet-Projekt auf sich aufmerksam: Als erste Stadt Afrikas – und einer der ersten Orte weltweit – will das südafrikanische Gemeinwesen seine Anwohner flächendeckend und kostenlos mit WLAN versorgen.

„Wir wollen die Grenzen sprengen und unsere Stadt als Standort für Unternehmen und Forschung voranbringen“, sagt Pieter Venter, der als Unternehmer und zugleich Finanzstadtrat der Universitätsstadt am Kap fungiert. Der Zugriff aufs Netz müsse so selbstverständlich sein wie Trinkwasser aus der Leitung. Spätestens in einem Jahr soll der freie Internet-Zugang in einem Gebiet von der Größe Berlins funktionieren. Das Projekt spart der Stadt schon jetzt eine Menge Geld: Dank Internet-Telefonie sind die kommunalen Telefonrechnungen um 30 Prozent gesunken. Und nicht nur Behörden und Schulen sollen demnächst vollständig mit Hotspots ausgestattet sein.

Besonders bemerkenswert ist, dass auch in Stellenbosch – wie an immer mehr Punkten des Planeten – in zunehmendem Maß gewöhnliche Dinge ans Netz gehen: Parkuhren, städtische Überwachungskameras und sogar Kläranlagen und Bewässerungssysteme lassen sich über ein allgegenwärtiges Internet ungleich besser und billiger steuern als zuvor.

Die Post-PC-Ära hat bereits begonnen

Erst waren es nur ein paar große Computer, die in den sechziger Jahren miteinander vernetzt wurden, um teure Rechenzeit zugänglich zu machen. Rechenzentren in Firmen und Forschungseinrichtungen kamen dazu und dann, in den Achtzigern, immer mehr Privatpersonen mit ihren PCs. 1993 explodierte das Internet in die Weltöffentlichkeit hinaus – 1994 waren 3,2 Millionen Server über den damals sogenannten Information Superhighway miteinander verbunden. Im Jahr 2006 überschritt die Zahl der Internet-Nutzer die Milliardenmarke. 2008 schließlich gab es erstmals mehr Geräte, die mit dem Internet verbunden waren, als Menschen. Ende 2010 waren zwei Milliarden Nutzer am Netz, dazu noch Rechner, die unter 850 Millionen Domain-Namen registriert sind.

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