Essen und Glück Wer es süß mag, ist oft traurig

Von zit 

Wer Liebeskummer hat, der stopft sich gern mal mit Süßem. Doch hilft das überhaupt gegen die Traurigkeit? Forscher zeigen nun, dass das Gegenteil der Fall ist .

Filmberühmter Liebeskummer in „Bridget Jones – am Rande des Wahnsinns“ : Bridget Jones (gespielt von Renée Zellweger) liegt frustriert in ihrem Bett und tröstet sich mit Süßigkeiten (Szenenfoto). Foto: UIP
Filmberühmter Liebeskummer in „Bridget Jones – am Rande des Wahnsinns“ : Bridget Jones (gespielt von Renée Zellweger) liegt frustriert in ihrem Bett und tröstet sich mit Süßigkeiten (Szenenfoto). Foto: UIP

London - Zucker macht glücklich? Zumindest, wenn man die Studie des Londoner University Colleges liest, scheint dies einer der größten Irrglauben zu sein. Das Forscherteam analysierte die Ernährungs- und Gesundheitsdaten von über 8000 Briten, und dabei zeigte sich, dass mit dem Verzehr von Süßigkeiten wie Kuchen, Keksen, Schokolade und Softdrinks das Risiko für Angststörungen und Depressionen deutlich nach oben ging. „Männer mit dem höchsten Zuckerkonsum – also mehr als 67 Gramm pro Tag – hatten ein um 23 Prozent größeres Risiko für eine mentale Störung als jene Männer, die weniger als 40 Gramm pro Tag verzehrten“, sagt die Studienleiterin Anika Knüppel. Zum Vergleich: Der Bundesbürger verzehrt durchschnittlich 100 Gramm Zucker pro Tag.

Wer psychisch krank ist, isst nicht mehr Süßes als Gesunde

Doch wollen depressive Menschen vielleicht ihre Traurigkeit mit Süßigkeiten kompensieren? Auch daran dachten die Forscher – und untersuchten bei ihren Probanden, wie sich deren Süßwarenkonsum und deren psychische Störungen zeitlich zueinander entwickelt haben.

Es zeigte sich: Wer bereits psychisch krank war, aß keineswegs überdurchschnittlich mehr Süßes. Wohl aber entwickelten gesunde Männer öfter Ängste und Depressionen, wenn sie viel Zucker verzehrten. „Eine Politik, die für einen geringeren Zuckerkonsum in der Bevölkerung sorgt, kann durchaus zur Prävention von Depressionen und anderen psychischen Störungen beitragen.“

Das Gehirn braucht viel Zucker

Auf den ersten Blick erklärbar scheint dieses Phänomen nicht, denn eigentlich benötigt kein anderes Organ so viel Zucker wie unser Gehirn. Nämlich rund zehn Teelöffel, also 140 Gramm. Warum neigt es dann bei größeren Mengen zu Depressionen und Ängsten? Eine mögliche Antwort fand man an der University of California. Demnach werden unter massiver Zuckerzufuhr weniger Proteine für die Neubildung von Nervenzellen und Synapsen aktiviert – vermutlich, um das Gehirn vor Überlastung zu schützen.

Eine andere Erklärung wäre, dass unser zentrales Denkorgan bereits seine Belohnungssysteme hochfährt, wenn es nur den Geschmack von Süßem wahrnimmt. Es kommt dann zur Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin, was für eine kurzfristige Befriedigung sorgt, die aber schon bald vom Verlangen nach noch mehr Zucker abgelöst wird. „Er besetzt unser Belohnungssystem und schaukelt es hoch“, erklärt Neurowissenschaftlerin Jordan Gaines Lewis von der Pennsylvania State University. Und wer nicht genug von etwas kriegen kann, ist latent unbefriedigt mit einer entsprechenden Neigung zur Schwermut.

Zucker fördert entzündliche Prozesse

Zudem unterfüttert Zucker entzündliche Prozesse, die den Ausbruch von Depressionen fördern können. Eine Entzündung bedeutet schließlich, dass der Körper beschädigt ist, und deshalb schaltet das Gehirn auf Schongang, um sich zu regenerieren. Doch diese Rückzugsstrategie kann sich langfristig zur Depression auswachsen, wenn Entzündungen durch Zucker unter Dampf gehalten und dadurch chronisch werden.