Dirk Rupp demonstriert die neue Mobilität per Chipkarte. Foto: Rudel/ Regenscheit
Esslingen - Vor 16 Jahren hat die in Berlin geborene Idee, ein Auto gemeinschaftlich zu nutzen, in Esslingen Fuß gefasst. Aus bescheidenen Anfängen heraus ist der unter dem Dach des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) geführte Verein VCD-Gemeinschaftsauto Esslingen seither Jahr für Jahr um satte 20 Prozent gewachsen. Aus dem einen, am Bahnhof geparkten Gemeinschaftsauto ist eine Flotte von 21 Fahrzeugen geworden. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht. "Wir kaufen derzeit pro Jahr drei bis vier Autos dazu", sagt Dirk Rupp, der geschäftsführende Vorsitzende des Vereins.
Der Erfolg hat seinen Preis: In seiner jüngsten Mitgliederversammlung hat der VCD-Gemeinschaftsauto Esslingen beschlossen, sein Motto "Nutzen statt Besitzen" auch auf den eigenen Verein anzuwenden. Einstimmig haben die Mitglieder den Vorstand damit beauftragt, den Esslinger Carsharing-Betrieb binnen zweier Jahre vom VCD weg in die Stadtmobil Carsharing Stuttgart überzuleiten. "Das entlastet unsere ehrenamtlichen Vereinsmitglieder vom wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Damit können wir uns wieder mehr der ideellen Arbeit zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität widmen", begründet Rupp den angestrebten Wechsel.
Bei einem Umsatz von immerhin mehr als 100.000 Euro pro Jahr stoße das Ehrenamt an seine Grenzen. Die rund 250 Esslinger VCD-Mitglieder selbst profitieren laut Rupp nicht nur von einem dann regionsweit einheitlichen Angebot, sondern auch von den Vergünstigungen, die die Stadtmobil-Mutter mit dem VVS ausgehandelt hat.
"Von alleine läuft nichts"
Bei aller Bewegung, die Rupp und seine Mitstreiter bisher in die automobile Landschaft Esslingens gebracht haben, steht ein Grundsatz nach wie vor unverrückbar fest. "Mobilität ist in erster Linie ein Problem des Kopfes", sagt Rupp. Er hätte auch sagen können: "Ganz schön blöd, wer sich bei diesen Kosten für Geldbeutel und Umwelt noch ein eigenes Auto leistet, das zudem noch mehr als 22 Stunden am Tag nur rumsteht." Dass er das nicht sagt, ist ein Teil der Esslinger Erfolgsgeschichte. "Da ist viel Motivations- und Überzeugungsarbeit dabei. Von alleine läuft nichts", weiß Rupp.
So hat es die relativ kleine Esslinger Initiative als Vorbild in eine europaweit gestreute Broschüre von Momo geschafft. Momo ist ein Carsharing-Programm der von der Europäischen Union geförderten Initiative Intelligent Energy Europe (IEE). Dort wird der Esslinger Ansatz gelobt, andere Bündnispartner mit ins Gemeinschaftsauto geholt zu haben. "Auf diesem Gebiet gelten wir als bundesweites Modell", sagt Rupp. So kooperiert der Esslinger Verein nicht nur mit den drei kommunalen Partnern Esslingen, Reichenbach und Ostfildern, sondern auch mit dem Esslinger Stadtjugendring, dem Kommunalen Kino, zwei Baugenossenschaften in Esslingen und Reichenbach und der Cityinitiative Esslingen.
Aktuell verhandelt Rupp mit zwei Kirchengemeinden, die vor der teuren Ersatzbeschaffung für ihre Kleinbusse zurückschrecken und der klammen Kassen wegen mit der Gemeinschaftsauto-idee liebäugeln. "Wir bieten jedem unserer Partner maßgeschneiderte Verträge an", sagt Rupp. Als Vorbild dient die Zusammenarbeit mit dem Bauhof in Ostfildern. Dort nutzt die Verwaltung ihr Dienstbotenfahrzeug nur vormittags. Am Nachmittag ist es als Gemeinschaftsauto unterwegs.
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