Esslingen Hinz und Kunz als Kain und Abel

Von Philipp Braitinger 

Mit ihrem Schwarzlichttheater und dem Stück „Frau Kunz träumt“ beflügelt Heidi Graf die Phantasie ihrer Gäste.

Beim Nachdenken drehen sich die Zahnräder bei Herrn Hinz im Kopf. Foto: Horst Rudel
Beim Nachdenken drehen sich die Zahnräder bei Herrn Hinz im Kopf. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Das unerfüllte Verlangen nach Anerkennung führte schon immer zu Neid und Missgunst. Am Freitag, 9. Dezember, feiert das Gastschauspiel des Schwarzlichttheaters der Kleinkünstlerin Heidi Graf im Studio der Württembergischen Landesbühne (WLB) am Blarerplatz um 20 Uhr die Premiere des Stücks „Frau Kunz träumt“. Eine zweite Vorstellung ist am 10. Februar ebenfalls um 20 Uhr geplant. In dem Stück geht es um Frau Hinz und Herrn Kunz, die laut Heidi Graf zwei zeitgenössische Varianten der Bibelprotagonisten Kain und Abel sind.

Die zwei Kollegen arbeiten in einer Seifenfabrik, genauer in einer Fabrik für Badespaßartikel. Nachdem Frau Kunz eine neue Knetseife entwickelt hat, läge es an Herrn Hinz aus der Marketingabteilung, dieses neue Produkt zu vermarkten. Doch der Herr Hinz durchleidet gerade eine Midlife-Crisis. Es quält ihn, dass er im Beruf keine Anerkennung bekommt. Und nun hat die Kollegin auch noch ein neues und innovatives Produkt erfunden, das ihr viel Lob aus der Chefetage einbringen wird. Herr Hinz ist neidisch. Täglich geraten die beiden Kollegen nun aneinander und verleiden sich damit ihre eigentlich schöne Arbeit. Während eines Traumes nähert sich Frau Kunz ihrem Kollegen wieder an. „Sie geht auf ihn zu und er wird wieder kreativ“, verrät Graf. Doch dann klingelt der Wecker und der Traum ist aus. Hintergründig soll das Stück einen Weg aufzeigen, wie aufkommender Neid mit dem Blick auf die eigenen Fähigkeiten überwunden werden kann. Der Neid oder das Mobbing im Beruf habe seine Ursache in einem mangelnden Selbstwertgefühl, meint Graf. „Wenn man sich auf sein eigenes Können besinnt, hat man es nicht mehr nötig, neidisch zu sein.“

Bei dieser Geschichte habe sie an Kain und Abel gedacht, erklärt Graf. Auch bei der biblischen Geschichte sei letztlich das mangelnde Selbstwertgefühl von Kain ursächlich dafür gewesen, dass er seinen Bruder erschlug. „Das Thema an sich ist nichts Neues“, sagt die Kleinkünstlerin. So brutal wie in der Bibel endet die knapp einstündige Geschichte um Frau Kunz und Herrn Hinz aber nicht. „Es bleiben alle am Leben, es wird niemand totgeschlagen“, versichert Graf.

Im Schwarzlichttheater stellt Heidi Graf die Gefühle ihrer Hauptdarsteller nach einer kurzen Einleitung in einer Welt aus Neonfarben vor allem nonverbal dar. Neben Musik werden ihre Hände eine wichtige Rolle spielen, denn den Großteil des Stücks werden die beiden Hauptdarsteller in Form zweier Handschuhe zu sehen sein. „Die Mimik und Gestik wird über die Hände dargestellt“, sagt die studierte Grafikdesignerin. Mit Klaviermusik, Geräuschen und Stimmen wird die Handlung untermalt. Im Schwarzlicht treten die Kontraste deutlich hervor. „Es ist für mich immer wieder eine Freude, die Leute zu überraschen“, sagt die Künstlerin.

Ganz unbekannt ist Heidi Graf vor allem in ihrer Heimatstadt Esslingen freilich nicht. Die 52-Jährige war erst im vergangenen Herbst mit ihrem Schwartlichttheater und dem Stück „Vom Dunkel ins Licht“ bei der Reihe Stadt im Fluss an der WLB zu Gast. Das Schwarzlichttheater betreibt die freischaffende Künstlerin bereits seit sieben Jahren. Anfangs sei sie mit einem umgebauten Kasperlethater aufgetreten. Inzwischen verfügt sie über ein mobiles Schwarzlichtheater, das ein wenig größer ist, aber dennoch in einen Türrahmen passt. Darüber hinaus malt die gebürtige Berlinerin Portraits, dreht Kurzfilme oder fertigt Holzarbeiten. In ihrer Kunst nehme sie das auf, was um sie herum geschehe.