Esslingen Lasten-Rikschas liefern schnell und sauber

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Von Oktober an bietet die Tübinger Firma Velocarrier ihre Dienste auch in Esslingen an. Händler und Kunden können dann im Stadtgebiet Waren flexibel und sauber mit zwei Elektrofahrrädern transportieren lassen.

Raimund Rassillier (links) und Torsten Fauser, die Velocarrier-Geschäftsführer, steuern für das Foto  die  elektrisch unterstützten Lasten-Rikschas  durch die City. Foto: Horst Rudel
Raimund Rassillier (links) und Torsten Fauser, die Velocarrier-Geschäftsführer, steuern für das Foto die elektrisch unterstützten Lasten-Rikschas durch die City. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Wer kennt das nicht? Laute, nach Abgase stinkende Transporter quälen sich durch enge Gassen, um Waren auszuliefern. In Esslingen soll das anders werden. Denn vom 1. Oktober an wird die Tübinger Firma Velocarrier mit zunächst zwei Elektrofahrrädern sperrige, aber auch weit mobilere Güter für Händler und Kunden im Stadtgebiet transportieren. Die dreirädrigen, mit Hilfe von Strom betriebenen Lasten-Rikschas können sich Waren mit bis zu 250 Kilogramm Gewicht auf die Ladefläche packen und diese, dank eines 1,35 Meter hohen und langen sowie 80 Zentimeter breiten Aufbaus vor Wind und Wetter geschützt, an den Mann oder die Frau bringen.

„Wir sind schneller, flexibler, umweltfreundlicher und günstiger als Diesel-Transporter“, sagt Raimund Rassillier, der den Lieferservice Velocarrier vor rund einem Jahr gemeinsam mit seinem Partner Torsten Fauser in ihre seit 1998 bestehende Firma FaRa Logistic Consult eingegliedert hat. Die rollenden Kisten sind im Land bisher nur als Pilotprojekt in Tübingen unterwegs. Nun kommt Esslingen als zweite Pilotstadt hinzu. Die Cityinitiative Esslingen, ein Zusammenschluss von rund 200 lokalen Händlern, habe großes Interesse an dem innovativen Dienst bekundet und so eine Zusammenarbeit ermöglicht, erklärt Rassillier.

Auch Kessler-Sekt will das Angebot nützen

Etwa 20 Geschäftsinhaber haben ihm zufolge schon jetzt signalisiert, diese Transportmöglichkeit nutzen zu wollen. Kleinstunternehmen seien ebenso darunter wie größere Firmen wie etwa die Sektkellerei Kessler. Auch Christine Fischer-Lörch, eine der Geschäftsführerinnen des Schuhhauses Fischer, setzt auf das neue Angebot. Sie werde lokale Kunden im Sinne der Schnelligkeit und Umweltfreundlichkeit „künftig über Velocarrier beliefern lassen“ – vor allem, wenn sie ihre Schuhe online bestellten.

Manuela Deufel, die Leiterin des Esslinger Citymanagements, ist überzeugt, dass die Einzelhändler mit dieser Dienstleitung „im Wettbewerb, der innerhalb der Region Stuttgart herrscht, punkten können“. Rassillier zufolge transportiert Velocarrier von Blumen über große und kleine Elektrogeräte und Kleidung aus der Reinigung bis zu Marktbesorgungen so ziemlich alles.

Die Cityinitiative hat die Räder gekauft

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Auslieferung. Zum einen können die Einkäufe im Laden gelassen werden, und der Händler sorgt dafür, dass sie durch Velocarrier per Muskelkraft zum Kunden befördert werden. Wer die Transportkosten zwischen zwei und fünf Euro pro Auslieferung – je nach Art der Ware – bezahlt, liegt im Ermessen der Einzelhändler. Entweder bieten sie den Service an, oder sie legen den Betrag auf die Kundschaft um. Der Kunde kann den Dienst aber auch persönlich in Anspruch nehmen, wenn er beispielsweise die schweren Einkaufstaschen nicht nach Hause schleppen will. Velocarrier richtet am Ottilienplatz ein Lager ein, von wo aus die bei den Händlern eingesammelten Waren noch am selben Tag an die Verbraucher ausgeliefert werden. Die beiden Geschäftsführer treten freilich nicht selbst in die Pedale, dafür seien zunächst Aushilfskräfte in Teilzeit zuständig.

Die Cityinitiative hat die beiden Lastenräder gekauft, „sozusagen als Anschubfinanzierung für das Projekt“, sagt Manuela Deufel. Sie betont, dass es von allen Händlern in der Stadt genutzt werden kann – ohne, dass diese ein Risiko oder eine finanzielle Verpflichtung eingingen, „denn sie zahlen nur die jeweilige Fahrt“.