Esslingen Viel Arbeit, viel Geld, aber wenig Personal

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Die Zahl der Ausgrabungen im Land ist sprunghaft gestiegen. Jetzt hat das Landesamt für Denkmalschutz Mühe, das notwendige Personal zu rekrutieren.

Die Chefrestauratorin im Landesamt für Denkmalpflege, Nicole Ebinger-Rist, präsentiert den Goldschmuck der Kirchheimer Keltenfürstin. Foto: Horst Rudel
Die Chefrestauratorin im Landesamt für Denkmalpflege, Nicole Ebinger-Rist, präsentiert den Goldschmuck der Kirchheimer Keltenfürstin. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Baden-Württemberg gehört zu den reichsten archäologischen Fundlandschaften Mitteleuropas. Das sagt der Landesarchäologe Dirk Krausse vom Landesamt für Denkmalschutz. Wie reich, das zeigt der am Freitag in Esslingen vorgestellte 35. Band der Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg.

In 81 Beiträgen werden darin die neuesten Forschungsergebnisse veröffentlicht und diejenigen Rettungsgrabungen dokumentiert, die im vergangenen Jahr für das größte Aufsehen gesorgt haben. Allein sechs Projekte aus dem Kreis Esslingen haben den Sprung in die aktuelle archäologische Landes-Bestenliste geschafft: die Ausgrabungen des römischen Gutshofs an der ICE-Neubaustrecke bei Wendlingen, der Fund eines Fürstinnen-Grabes aus der Keltenzeit am Kirchheimer Hegelesberg, die Freilegung der ebenfalls am Hegelesberg ausgegrabenen Siedlungsreste aus der zweiten Hälfte des sechsten Jahrtausends vor Christi, die frühmittelalterliche Grablege bei Bissingen, der ebenfalls aus dem frühen Mittelalter datierende Siedlungsschnitt des benachbarten Dettingens und die jüngsten Funde am Heidengraben auf der Vorderen Alb bei Erkenbrechtsweiler, die Aufschluss über die Bestattungsrituale in dem keltischen Oppidum geben.

Rückblick auf mehrere tausend Jahre

Die in dem Jahresband auf knapp 340 Seiten dokumentierten Funde decken einen Zeithorizont von mehreren tausend Jahren ab. Der Blick zurück streift die Steinzeit ebenso wie die Metallzeiten, die Römer und die Neuzeit.

In seiner Vielfalt schließt das Archäologiejahr 2015 für Claus Wolf, den Präsidenten des Landesamts, nahtlos in die Vorjahre an. Mehr noch: „Die Zahl der Ausgrabungen steigt weiter sprunghaft an“, sagt er. Die Forscher ernteten einerseits die Früchte der präventiven Archäologie, bei der schon im Vorfeld von großen Bauvorhaben sondiert wird, andererseits funktionierten die organisatorischen Abläufe im Denkmalamt den Worten Wolfs zufolge nach der Umstrukturierung wesentlich schneller und reibungsloser.

Neue Methoden, verbesserte Abläufe und die Einführung des Veranlasserprinzips – bei großen Erdbewegungen sind die Investoren verpflichtet, die archäologische Sondierung zu finanzieren – verheißen dem Geschäft der Archäologen einen goldenen Boden. Wenn da nicht ein dicker Wermutstropfen wäre. „Wir haben massive Probleme, das Geld einzusetzen“, sagt Claus Wolf. Vor allem bei den großen Ausgrabungen sei es schwierig, das benötigte Personal aufzutreiben.

Das Buch behält seinen Stellenwert als bleibendes Gedächtnis

Für die Archäologen ist das Festhalten ihrer dem Boden abgerungenen Erkenntnisse in Buchform auch in Zeiten der digitalen Datenspeicherung von hohem Interesse. „Archäologie ist kontrollierte Zerstörung der Primärquellen“, erklärt Wolf. Umso wichtiger seien die Publikationen – als bleibendes Gedächtnis, aber auch als Instrument der Identifikationsbildung in Zeiten der zunehmenden Globalisierung. Um dem Anspruch gerecht zu werden, hat das Landesamt einen eigenen Fachbereich Publikationswesen installiert.