Esslingen Zieger kämpft für die Windkraft

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Die Messungen der Windstärke auf dem Schurwald werden fortgesetzt. Ende des Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. Erst dann soll entschieden werden, ob Windräder gebaut werden.

Im Rathaus Foto: Pascal Thiel
Im RathausFoto: Pascal Thiel

Esslingen - Für uns ist das Kapitel Windkraft auf dem Schurwald noch nicht abgeschlossen.“ Mit deutlichen Worten für die Gegner eines Windparks und scharfer Kritik am Vorgehen der Deutschen Flugsicherung (DFS) hat sich der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Esslingen (SWE) in die Diskussion über einen Windpark zwischen Esslingen und Aichwald eingeschaltet.

„Aus Gründen, die für uns nicht nachvollziehbar sind“, so Zieger, habe die DFS ihre Meinung geändert. Am 4. Mai 2012 hatte die Stadt bei der DFS angefragt, ob auf dem Schurwald Windräder mit einer maximalen Höhe von 656 Metern über dem Meeresspiegel möglich seien. Das entspräche Anlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern und einer Nabenhöhe von 140 Metern. Damals habe die Flugsicherung mitgeteilt, dass gegen eine solche Höhe nichts einzuwenden sei. Allerdings müsse man dann bei einer Konkretisierung der Pläne jeden Einzelfall prüfen.

110 000 Euro für den Windmessmasten

Am 22. Dezember sei nun bei der Stadt ein Brief der DFS angekommen, in dem die Flugsicherungsbehörde mitteilt, dass in diesem Bereich des Schurwald bestenfalls zwei Windräder gebaut werden könnten. Der Grund: durch die anderen Windräder könnte das Anflugverfahren gestört werden. Zieger: „Das ist ein klarer Widerspruch zur ursprünglichen Aussage der DFS.“ Mit dem baden-württembergischen Ministerium für Verkehr und Infrastruktur werde die Stadt nun das Gespräch mit der DFS suchen und verhandeln.

Aufgrund des ersten grundsätzlich positiven Briefes der DFS hatten die Stadtwerke Esslingen und die EnBW gemeinsam die „Projektentwicklungsgesellschaft Windpark Schurwald“ gegründet und im vergangenen Mai für 110 000 Euro einen rund 200 Meter hohen Windmessmast errichtet. In einem einjährigen Versuch soll ermittelt werden, ob sich Windkraftanlagen auf dem Schurwald überhaupt wirtschaftlich betreiben lassen. „Diese Messung werden wir in jedem Fall weiterführen“, betont Zieger. „Denn eine qualifizierte Aussage über die Windstärke kann nicht prognostiziert, sondern muss gemessen werden.“

Wirtschaftlichkeit ist das oberste Kriterium

Spätestens Ende des Jahres werde man dann alle Ergebnisse zusammengetragen haben. Aufgrund dieser Erkenntnisse werde man über weitere Schritte nachdenken. Noch einmal versicherte Zieger, dass die Wirtschaftlichkeit das oberste Kritierium für die Verwirklichung des Windparks auf dem Schurwald sei. Wenn die Gegner auf dem Schurwald jetzt behaupteten, es gebe ohnehin zu wenig Wind und das wirtschaftliche Ergebnisse würden von den Stadtwerken und der EnBW geschönt, so entbehre das jeder Grundlage. Zieger: „Ich begebe mich nicht auf ein solches Diskussionsniveau.“ Mit der Gemeinde Aichwald habe man vereinbart, zum gegebenen Zeitpunkt einen Gutachter zu beauftragen, der die Wirtschaftlichkeit der dann genehmigungsfähigen Anlagen überprüfen werde.

Auch für den Esslinger CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle, der vorgeschlagen hatte, die Windkrafträder weiter von Aichwald wegzurücken, hat Zieger wenig Verständnis: „Wir leben hier in einem Rechtsstaat. Auch der Volljurist Deuschle sollte wissen, dass in Deutschland das Recht gilt. Die Meinung hat der Stammtisch.“ Er, Zieger, werde beim Thema Windenergie Recht und Gesetz anwenden.

Sollten sich die Pläne konkretisieren, werde er sich dem Gespräch mit den Gegnern der Windkraft nicht verweigern. Allerdings, davon ist Zieger überzeugt: „Die Energiewende muss auch vor Ort stattfinden.“ Die Bürger könnten nicht die Energiewende fordern und dann gegen Anlagen ohne CO-2-Ausstoß und ohne Nuklearrisiken Sturm laufen. In einem Verdichtungsraum wie der Region Stuttgart gehe es darum, gemeinsam Lasten zu tragen. Dazu zähle die Energieproduktion. Jürgen Zieger: „Auch Aichwald braucht Strom.“

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3 Kommentare Kommentar schreiben

wie hoch genau?: Wie hoch ist den der Messmast genau? Der ist keine 200 Meter hoch, max. 140 Meter. Ist das hier nur schlechte Recherche im Artikel oder will man den Lesern vermitteln, dass hier dann gaaanz genaue Werte zu ermitteln wären.

Windräder nicht im An- und Abflugbereich eines Flughafens: Nein, Herr Zieger, Windräder gehören nicht in den An- und Abflugbereich eines Flughafens. Denn es muss es den Flugzeugen möglich sein, in besonderen Fällen gefahrlos von der üblichen Route abzuweichen, um z.B. Gewittern auszuweichen oder Zusammenstöße und zu nahe Begegnungen mit anderen Fluggeräten zu vermeiden. Dazu kommt, dass die drehenden Metallteile der Windräder elektromagnetische Wellen verändern (reflektieren, abschwächen) und so die Navigation und Ortung von Flugzeugen stören können. Die Flugzeuge fliegen im Bereich des Schurwalds kurz vor Esslingen in Höhen zwischen ca 1300 und 1000 Meter über NN, da bleibt wenig Sicherheitsabstand zu den Windrädern in 656 m Höhe. Ich finde, das ist offensichtlich, da braucht man sich auch über die entsprechende Einschätzung der Flugsicherung nicht wundern, sondern hätte sich das selbst schon denken können. ---- Zu Ihrer Aussage zu Recht und Gesetz: Nicht alles, was gesetzlich erlaubt ist, muss man auch machen. Man kann durchaus Windräder weiter von Aichwald weg setzen, das widerspricht nicht dem Gesetz. Man kann auch den Menschen entgegen kommen und etwas Gutes für sie tun, ohne dass man per Gesetz dazu gezwungen wird. Auch als OB von Esslingen. Im Übrigen gibt es deutlich weniger dicht bewohnte Gebiete als der Ballungsraum Region Stuttgart, um Windräder aufzustellen, wo sie die Menschen weniger stören.

Gut reden...: Verstehe ich das richtig: Die Deutsche Flugsicherung lehnt die Windräder auf dem Schurwald - begründet - ab und nimmt damit ihre Rechte wahr. Aber dem verbal polternden OB Zieger aus Esslingen gefällt das ganz und gar nicht. Wer orientiert sich jetzt da an "Recht und Gesetz"? Im Übrigen hat Zieger gut reden. Er wohnt unten im Tal, wird weder Windräder sehen noch hören.

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