KommentarEuropäischer Wettbewerb Quo vadis, deutscher Fußball?

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Kein deutscher Verein hat das Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs erreicht – was nicht mit fehlenden finanziellen Mitteln, sondern mit fehlenden Konzepten zusammenhängt, meint unser Autor Thomas Haid.

Der Schalker Trainer Markus Weinzierl ist nach dem Ausscheiden frustriert. Foto: Bongarts
Der Schalker Trainer Markus Weinzierl ist nach dem Ausscheiden frustriert. Foto: Bongarts

Stuttgart - Natürlich standen alle bei Borussia Dortmund noch unter dem Eindruck des Bombenanschlags auf ihren Mannschaftsbus vor dem Hinspiel gegen Monaco. Natürlich hatte der FC Bayern gegen Real Madrid kein Fortune und auch den Schiedsrichter eher gegen sich. Natürlich war der FC Schalke gegen Ajax Amsterdam alles andere als chancenlos und scheiterte erst in der Verlängerung.

Aber natürlich sind auch alle drei Vereine letztlich verdientermaßen aus der Champions League beziehungsweise aus der Europa League ausgeschieden. Daran gibt es keinen Zweifel. So wäre es nun zwar sicher verkehrt, alles gleich in Schutt und Asche zu legen, doch Sorgen sollten sich die Verantwortlichen schon machen. Und sie müssen handeln und ihre Politik überdenken. Denn die Frage lautet: Quo vadis, deutscher Fußball?

Die goldenen Zeiten sind vorbei

Wenn demnächst die Halbfinalbegegnungen in den europäischen Wettbewerben ausgetragen werden, ist kein Team mehr mit im Rennen. Ein Zufall ist dieses Abschneiden nicht. Dabei schmückt sich die Bundesliga doch selbst immer so gerne mit dem Attribut: Beste Liga der Welt. Vielleicht war das ja in der Tat einmal zutreffend, etwa im Frühling 1980, als der VfB Stuttgart, der FC Bayern, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt im Halbfinale des Uefa-Pokals, dem Vorläufer der Europa League, standen. Aber das ist lange her.

Die Zeiten haben sich geändert. In der Europa League erreichte mit dem Hamburger SV zum bisher letzten Mal ein deutscher Club das Halbfinale – vor sieben Jahren. Das ist eine Entwicklung, die auch dem Ligaverband DFL sauer aufstößt. Denn mit fehlenden finanziellen Möglichkeiten ist diese schwarze Serie nicht zu erklären, da mittlerweile 13 Bundesligisten einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro erzielen. Dennoch streben die Vereine nach immer mehr Geld, sodass bisweilen der Eindruck entsteht, dies wäre das Allheilmittel und die einzige Strategie der Manager in den sportlichen Abteilungen. Das führt dann zu teilweise absurden Vorschlägen wie aktuell das Pokalfinale aus Marketinggründen statt in Berlin künftig in Schanghai auszutragen.

Ajax beweist, dass es auch anders geht

Dabei ist Geld nicht alles. Das zeigt sich schon daran, dass in Manchester United jetzt auch nur noch ein Teilnehmer aus der wirtschaftlich auf Rosen gebetteten englischen Premier League international vertreten ist – und das nicht einmal in der Champions League, sondern in der Europa League neben einem Club wie Ajax Amsterdam aus der vergleichsweise armen holländischen Liga, die vom Budget her auf dieser Ebene nicht konkurrenzfähig ist. Und auch die beiden anderen Halbfinalisten Olympique Lyon sowie Celta Vigo sind nicht gerade ein Krösus in finanzieller Hinsicht.

Aber speziell Ajax beweist seit Jahr und Tag immer wieder, was auch mit bescheideneren Mitteln möglich ist – wenn man ein Konzept verfolgt. Dieser Plan beinhaltet vor allem eine konsequente Jugendarbeit. Deshalb sollten sich auch die deutschen Clubs mehr um dieses Thema kümmern statt ständig nur zu jammern und nach noch mehr Einnahmequellen zu suchen. Denn dass im Nachwuchsbereich manches im Argen zu liegen scheint, ist schon am meist enttäuschenden Abschneiden der verschiedenen deutschen Jugendnationalmannschaften bei Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften zu erkennen. Wenn da der Hebel in den Vereinen verstärkt angesetzt wird, darf sich die Bundesliga vielleicht auch mal wieder zurecht als stärkste Liga der Welt rühmen.