Ex-Porsche-Chef Wiedeking Wiedekings Wettkampf mit den Pizzabäckern

Harry Pretzlaff, 08.01.2013 10:46 Uhr

Stuttgart - Das Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Einkaufszentrum Rhein-Galerie in Ludwigshafen wird gerade abgebaut, als Wendelin Wiedeking an den Lebkuchen- und Glühweinbuden vorbei zu einem kleinen Pavillon am Rheinufer geht. Der ehemalige Porsche-Chef, der vor einigen Jahren mit der Übernahme des VW-Konzerns ein riesiges Rad drehen wollte, dabei scheiterte und daraufhin Knall auf Fall den Stuttgarter Autobauer verlassen musste, will sein neuestes unternehmerisches Projekt vorstellen.

Einst jonglierte Wiedeking mit Milliarden, jetzt hat er gut eine Million Euro aus seinem Vermögen in den Pavillon investiert, der mit seinen großen Glasflächen, der weißen und grauen Fassade fast unscheinbar neben dem massiven Einkaufszentrum wirkt. Tialini – una storia italiana steht an der Fassade. Im Schaukasten neben dem Eingang hängt die Speisekarte mit den Pizzen, der Pasta, der Lasagne: Es gibt Spaghetti Napoli für 5,90 Euro, Pizza Margherita für 6,50 Euro und als besonderes Angebot die große Schüssel: Pasta in famiglia. Vier Portionen, gezahlt wird aber nur für drei. Mit dem kleinen Restaurant hat der einstige Automanager große Pläne. Es ist die Keimzelle einer Restaurantkette, die unter dem Namen Tialini zu einer italienischen Erfolgsgeschichte werden soll.

Wiedeking steht bei der Pressekonferenz in Ludwigshafen erstmals seit jenem verregneten 23. Juli 2009, als er sich im Fabrikhof in Stuttgart-Zuffenhausen von den Mitarbeitern verabschiedete, wieder im Rampenlicht. Er wirkt etwas fülliger als damals, Schweißperlen stehen dem 60-Jährigen auf der Stirn, als er zwischen seinen beiden Mitstreitern auf dem kleinen Podium Platz nimmt. Wolfgang Otten (66) war lange bei McDonald’s und ist als Geschäftsführer der geplanten Restaurantkette für die Immobilien und die Finanzen zuständig, Andreas Vogel (39) kommt von der Block-Gruppe, die unter anderem die Steak-Restaurantkette Block House betreibt. Er ist als Tialini-Geschäftsführer für den Betrieb, das Marketing und das Personal zuständig.

Glaubt man Wiedeking, Otten und Vogel, so ist ihr Konzept einzigartig. Vogel schwärmt davon, dass alle Zutaten direkt aus Italien importiert, die Gäste am Tisch bedient werden, die Preise scharf kalkuliert seien und es Stoffservietten gebe. Wiedeking räumt ein, dass er „beim Kochen nicht ganz der Spezialist sei“, dennoch sieht er Parallelen zwischen der Systemgastronomie und anderen Branchen. Das Ludwigshafener Restaurant nennt er einen Rohling, der nun wie ein Prototyp in der Autoindustrie hart gefahren werde, um die Produkte und den Service zu optimieren. Dann gelte es sicherzustellen, dass die Qualität in allen Häusern gleichbleibend gut sei. In diesem Jahr sollen noch zwei bis drei Restaurants eröffnet werden, mittelfristig werden etwa 20 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angepeilt. Auch Stuttgart könnte darunter sein, orakelt Wiedeking, der sich durch die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Marktmanipulation beim Handel mit VW-Aktien nicht gehandicapt sieht. Er rechne nicht damit, dass es zu einem Verfahren kommt, zeigt sich Wiedeking siegessicher. Schließlich hätten nicht einmal die von der Staatsanwaltschaft Stuttgart bestellten Gutachter einen strafbaren Tatbestand festgestellt.

Um rechtlichen Streitigkeiten bei seinem jüngsten Projekt aus dem Weg zu gehen, hat Wiedeking kurzfristig den Namen der Restaurantkette geändert: Ursprünglich sollte sie Vialino heißen, doch Gregor Gerlach, der Chef des Wettbewerbers Vapiano, hatte Bedenken angemeldet. Die Namen seien doch sehr ähnlich.

Deshalb hat Wiedeking seinen Hoffnungsträger kurzfristig umgetauft und meint, dass sich beide Anbieter „nicht ins Gehege kommen werden,“ weil das Konzept doch unterschiedlich sei. Wiedeking zeigt sich sicher, dass seine Restaurantkette einmal „eine ganz gute Rendite“ bringen werde. Die Erfahrungen nach den ersten Tagen in Ludwigshafen seien ermutigend, meint Marketingmann Vogel: „Es läuft richtig rund“. An italienischen Restaurants herrscht in Ludwigshafen und gleich jenseits des Rheins in Mannheim eigentlich kein Mangel. Und wer schnell satt werden will, findet im Einkaufszentrum ein breites Angebot. Gleich am Eingang der Rhein-Galerie liegt mit Blick auf das Tialini das Café WaterLU. Hoffentlich ist dieses Wortspiel mit Napoleons Niederlage in Waterloo kein Menetekel für Wiedekings Wettkampf mit den Pizzabäckern.