Extremsport Der beschwerliche Weg durch die Hölle

Von  

Der Ditzinger Stephan Schwarz absolviert beim Transalpine-Run, auch „Highway to hell“ genannt, acht Alpenetappen. Auf dem Weg von Oberstdorf nach Latsch legt er 261,3 Kilometer und 15879 Höhenmeter zurück.

Stephan Schwarz im Laufschritt über die Alpen: Für das atemberaubende Panorama fehlt den Teilnehmern des Transalpine-Runs oft die Muße. Foto: sportograf
Stephan Schwarz im Laufschritt über die Alpen: Für das atemberaubende Panorama fehlt den Teilnehmern des Transalpine-Runs oft die Muße. Foto: sportograf

Ditzingen - Erst war es die Leichtathletik, die es Stephan Schwarz angetan hatte. Seit 2007 bestreitet der Ditzinger Marathonläufe. Und als auch das nicht reichte, erweiterte er sein Repertoire um Ultra-Läufe und so genannte Trail-Runnings. Manchmal muss man dabei auch durch die Hölle gehen. „Highway to hell“ – so wird der Transalpine-Run genannt. Stephan Schwarz ist unversehrt aus der Hölle zurückgekehrt. In acht Etappen hat er im Laufschritt die Alpen bezwungen, dabei 261,3 Kilometer und 15 879 Höhenmeter zurückgelegt.

Allerdings lief die Premiere, die über die Westroute von Oberstdorf über die beiden Arlberg-Orte Lech und St. Anton in die Schweiz nach Samnaun und Scuol führte und von dort aus nach St. Valentin am Reschenpass und Sulden bis zum Zielort Latsch, nicht ganz nach Plan. Schwarz beendete den Wettkampf in der Einzelwertung nach insgesamt 39:58,10 Stunden als Zwölfter und lag damit rund neun Stunden hinter dem Sieger Seppi Neuhauser (Österreich). Gestartet war er jedoch in der Teamwertung mit dem Ulmer Benjamin Klöppel. Doch nach der zweiten Etappe, als rund 60 Kilometer und 4000 Höhenmeter absolviert waren, musste das Duo getrennte Wege gehen. Klöppel, der schon mit leichten Knieproblemen angereist war, hatte sich nur mit viel Mühe ins Etappenziel gequält. In der Befürchtung, das dritte Teilstück von St. Anton nach Samnaun nicht mehr beenden zu können, bat Klöppel seinen Laufkollegen, sich einem anderen Team anzuschließen und in der Einzelwertung weiterzumachen. Im Falle seiner Aufgabe wären dann nicht gleich beide Läufer aus der Wertung genommen worden. Am Ende schaffte es der Ulmer dann doch bis nach Latsch, benötigte aber rund 14 Stunden mehr als Schwarz. Die Hölle fordert ihren Tribut. Von 85 gestarteten Zweierteams bei den Männern kamen schließlich 69 in die Gesamtwertung.

Dass Stephan Schwarz die Strapazen mit Ausnahme von ein paar Blasen an den Fersen sowie täglich brennenden Oberschenkeln gut überstanden hat, führt er auf seine intensive Vorbereitung zurück. Der ganz normale Trainingsumfang beträgt bei ihm zwischen 60 und 150 Laufkilometer in der Woche. Sechs Monate vor dem Wettbewerb stieg er in ein spezielles Programm ein. Unter anderem trainierte er 8 x 2 Tage zusammen Benjamin Klöppel, an den er über eine Läuferbörse gekommen war, in den Alpen. Dazu wurde er vom Leonberger Fitness-Studio Aktivida unterstützt. Unter anderem in der Leistungsdiagnostik und mit gezielten Übungen für die Rumpf- und Kniestabilisierung. „Ich hatte da im Vorfeld ein paar Probleme, habe das dadurch aber ganz gut in den Griff bekommen“ (Schwarz).

Ein mehrfach nasses Zelt, Weckerklingeln um 4.30 Uhr, fehlendes Frühstück, verschneite Bergkuppen und daher extrem rutschige Wege – all diese Widernisse konnten Stephan Schwarz, der Etappenplätze zwischen vier und zehn belegte, nicht aufhalten. Schließlich entschädigten auf der anderen Seite grandiose Ausblicke und eindrucksvolle Landschaften. So ging es auf den höchsten Punkt, der jemals beim Transalpine-Run erklommen wurde, auf das 3119 Meter hohe Madritschjoch, das den Blick auf den Ortler und die umliegenden Gletscher ermöglichte.

Wer einmal durch die Hölle gegangen ist, den kann nichts mehr schocken. Im kommenden Jahr will Stephan Schwarz erneut antreten – und mit einem neuen Partner dann möglichst auch zusammen das Ziel erreichen. Seine Frau Claudia hat ihm das voraus. Mit der Mexikanerin Maria Luisa Madueno belegte sie unter 26 so genannten Finishern den 20. Rang.