Extremsport Einmal quer durch Amerika – auf dem Rad

Von Nathalie Mainka 

Ulrich Riedel, der in Leonberg aufgewachsen ist und in München lebt, nimmt im neuen Jahr 2016 beim ultralangen Rennen „Race Across America“ teil. Das acht Personen starke Team will die 4800 Kilometer in sieben Tagen meistern

Ulrich Riedels  Hausstrecke   auf     dem Mountainbike         führt     um     das  Olympiagelände in München. Foto: privat
Ulrich Riedels Hausstrecke auf dem Mountainbike führt um das Olympiagelände in München.Foto: privat

Leonberg - Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung ist schwer“ – das hatte bereits der bedeutendste deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe erkannt. Nur ein Vorsatz wird das, was sich der Leonberger Ulrich Riedel für das neue Jahr 2016 vorgenommen hat, beileibe nicht bleiben. Der 32-Jährige will mit dem Fahrrad von der Westküste der USA bis zur Ostküste fahren. Nonstop. Der Startschuss des ultralangen Radrennens, des so genannten Race Across America (RAAM), fällt am 14 Juni im kalifornischen Oceanside, das nördlich von San Diego liegt. Insgesamt zwölf Tage Zeit haben Einzel- Teilnehmer für die rund 4800 Kilometer bis nach Annapolis in Maryland an der Ostküste.

Ulrich Riedel möchte das Ziel nach höchsten sieben Tagen erreichen. Ein hehres Ziel. „Das müsste möglich sein, wenn wir das Rennen in einem 28-er Schnitt fahren“, sagt der Leonberger, der vor einigen Jahren nach seinem Studium der Wirtschaftsinformatik in Hohenheim berufsbedingt nach München gezogen ist, selbstbewusst. Denn schließlich ist er nicht alleine, sondern Mitglied eines achtköpfigen Teams – alle sind Berufskollegen der Münchner Firma, in der Riedel als Berater für Informationstechnik im Bereich Finanzen und Versicherungen tätig ist.

Gemeinsam sind sie schon viele Kilometer in ihrer Freizeit geradelt, haben mehrfach beim Münchner 24-Stunden-Rennen für Mountainbiker teilgenommen. Zweimal siegten sie in der Vierer-Firmenwertung, einmal wurden sie Dritte. Ulrich Riedel hat zahlreiche Langstrecken absolviert, beispielsweise ist er von Passau nach Wien geradelt, oder auch von München nach Stuttgart. Auch die Alpen hat er schon überquert sowie einige Pässe.

Der Leistungs-Check ist schon absolviert

Jetzt freuen sich die ambitionierten Freizeitradler auf ihr neues Projekt, das RAAM. Einen Leistungs-Check samt Ernährungsberatung haben sie schon hinter sich. Jeder hat einen individuellen Trainingsplan bekommen, ein gemeinsames Trainingslager ist auf Mallorca geplant. Wenn’s in den Wintermonaten zu kalt werden sollte, werden die Einheiten auf dem Ergometer runtergespult.

Insgesamt wird das Vorhaben rund 100 000 Euro kosten. Darin sind die Kosten für ein acht Personen starkes Helfer- und Organisationsteam – darunter ein Mechaniker und ein Physiotherapeut – sowie die drei Begleitfahrzeuge und die Flüge mit einberechnet. Auch das Material sollte auf dem neuesten technischen Stand sein. Ulrich Riedel hofft, noch ein paar weitere Sponsoren finden zu können. Die insgesamt 4800 Kilometer und 33 000 Höhenmeter in nur sieben Tagen zu bewältigen, ist ein strammes sportliches Vorhaben. „Deshalb haben wir uns eine bestimmte Strategie ausgedacht“, sagt Riedel, der im Jahr 2003 sein Abitur im Leonberger Albert-Schweitzer-Gymnasium gemacht hat und in seiner Jugend bei der TSG Leonberg Fußball spielte.

Jeweils zwei Fahrer teilen sich ein Bett

Die acht Fahrer werden in zwei Vierer-Teams eingeteilt. Während ein Quartett ausschließlich radelt und versucht, den geplanten Geschwindigkeits-Durchschnitt zu halten, ruhen sich die anderen aus oder erledigen die alltäglichen Dinge wie einkaufen oder kochen. Jeder Teilnehmer sollte täglich drei Stunden auf dem Rad sitzen und rund 85 Kilometer runterspulen. Jeweils zwei Fahrer teilen sich ein Bett. Mehr Platz gibt es in den beiden Wohnmobilen nicht. „Das wird eine ganz schöne Herausforderung für alle, denn wir leben auf engstem Raum“, sagt Riedel. Hinzu kommen die äußeren Bedingungen. Das Rennen führt durch zwölf Bundesstaaten und vier Zeitzonen. Die Temperaturen können zwischen 5 Grad und 45 Grad schwanken. Zwei Pässe mit über 3000 Höhenmeter sind zu knacken. Die Strecke führt über das flache Land, durch Wüste und Gebirge. „Ein Problem können auch frei laufende Hunde sein, davor wurden wir schon gewarnt.“

Zum Jahreswechsel hat Ulrich Riedel also auf ein ganz spezielles neues Jahr 2016 angestoßen. Dass das ultralange Rennen quer durch Amerika kein Zuckerschlecken werden wird, das weiß er nur zu gut. Aber nur ein Vorsatz soll es eben nicht bleiben.

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