Exzellenzinitiative Eine Prämie für die Besten

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Wie soll die Exzellenzinitiative für die Spitzenforschung fortgesetzt werden? Die Politik hat mit einer Antwort gewartet, um erst die bisherigen Ergebnisse auszuwerten. Nun liegt der Evaluierungsbericht vor: Die Gutachter fordern mehr Geld, mehr Zeit und mehr Freiräume für die Wissenschaft.

Wolfgang Ehlers ist für einen der Erfolge der Universität Stuttgart mitverantwortlich: Er leitet das Exzellenzcluster Simtech. Foto: Zweygarth
Wolfgang Ehlers ist für einen der Erfolge der Universität Stuttgart mitverantwortlich: Er leitet das Exzellenzcluster Simtech.Foto: Zweygarth

Stuttgart - Die Zeit drängt, denn im Oktober 2017 werden die letzten Mittel der Exzellenzinitiative ausgezahlt. Die Forschungsminister wollen zwar den Wettbewerb in der Spitzenforschung fortsetzen. Aber alles andere ließen sie bisher offen, da sie den Bericht von Dieter Imboden abwarten wollten, den der 72-jährige Schweizer Physiker und Forschungsmanager nun präsentiert hat. Imboden hat mit neun Kollegen im Auftrag der Minister die bisherige Exzellenzinitiative begutachtet.

 

Ihr Fazit ist wohlwollend und sie schlagen für die nächste Runde des Wettbewerbs einige Änderungen vor. Aber die Zeit reicht nicht mehr, um nahtlos an die bisherige Exzellenzinitiative anzuschließen.

Hat sich die Forschung verbessert?

Das lasse sich nicht klären, heißt es im Bericht der Imboden-Kommission. Ein Hinweis auf gute Forschung sind Fachartikel, die von den Gutachtern der Fachjournale zur Veröffentlichung akzeptiert werden. An den Unis, die in der Exzellenzinitiative gefördert wurden, ist die Zahl der Publikationen zwar deutlich nach oben gegangen. Aber das, sagt die Kommission, überrascht nicht, denn es wurden ja auch mehr Wissenschaftler bezahlt. In den Spitzenjournalen habe man indes keine klare Steigerung bemerkt. Die Kommission sieht aber einen anderen Erfolg: „Im Zuge der öffentlichen Diskussion wurde zumindest die „alle-sind-gleich“-Illusion begraben.“

Ein anderer Hinweis auf Qualität: die deutschen Universitäten sind seit 2005, als der Wettbewerb erstmals ausgeschrieben wurde, für Ausländer attraktiver geworden. Sowohl unter den Doktoranden als auch unter den Professoren gibt es heute mehr Menschen, die nicht in Deutschland zur Schule gegangen sind. Aus dem Geld, das mit dem Titel „Eliteuni“ einherging, sind zu 30 Prozent Forscher bezahlt worden, die zuvor im Ausland gearbeitet haben.

Wie steht es um die Lehre?

Die Lehre zu verbessern war nicht das Ziel der Exzellenzinitiative, was etwa von der Gewerkschaft GEW kritisiert wird. Dieter Imboden und seine Kollegen haben auch keine Verbesserung festgestellt. Zwar haben die Projekte der Initiative manchen guten Studenten schneller in die Forschung geführt, und viele junge Forscher aus den Projekten haben nebenher Seminare geleitet und Praktika betreut. Aber die Situation sei weiterhin problematisch, sagt die Imboden-Kommission: Weil die Finanzierung von der Zahl der Studierenden abhänge, würden sich „die Universitäten proaktiv um mehr Studierende bemühen (müssen), gleichzeitig aber die schlechten Betreuungsrelationen beklagen“.

War die Initiative ein Erfolg?

Die Imboden-Kommission sagt nicht deutlich: Ja. Sie wirkt aber zufrieden, denn die ungefähr 4,5 Milliarden Euro der Exzellenzinitiative hätten einiges in Gang gesetzt. Vor allem sei der Wettbewerb „zu einem Symbol geworden für den Willen, die deutschen Universitäten weltweit an der Spitze zu positionieren“. Wichtig ist den Gutachtern auch, dass sich auch in den Hochschulverwaltungen einiges geändert hat. Die zusätzlichen Mittel hätten den Rektoren und Präsidenten mehr Macht gegeben. Viele hätten damit eigene Wettbewerbe organisiert. Und mancherorts habe sich die Verwaltung professionalisiert, indem etwa Führungsaufgaben nicht mehr nebenher, sondern hauptamtlich erledigt werden. Allerdings räumt die Kommission ein – sie hat mit 100 Beteiligten gesprochen –, dass nicht alle mit dieser Entwicklung glücklich seien: Hauptamtliche Führungspersonen könnten auch bürokratisch sein.

Wie soll es weitergehen?

Die Graduiertenschulen, die bisher mit rund einer Million Euro im Jahr gefördert wurden, können nach Ansicht der Kommission wegfallen. Das Ausbildungskonzept habe sich an den Universitäten durchgesetzt. Die Forschungsverbünde, die fünf bis sieben Millionen Euro im Jahr erhalten haben, sollten hingegen fortgesetzt werden. Die Kommission möchte aber zwei Probleme vermeiden: Zum einen sollten sich die Verbünde nicht zu „gesonderten Einheiten innerhalb der Universität“ entwickeln, zum anderen sollten sie keine „Scheinehen“ von Partnern sein, die gar nicht wirklich zusammen forschen wollen. Um das zu gewährleisten, bräuchten die Univerwaltungen größere Freiräume.

Die Kommission empfiehlt, die Forschungsverbünde künftig mit mehr Geld auszustatten und länger laufen zu lassen. Gedacht ist an bis zu zwölf Millionen Euro, jährlich gezahlt über sieben bis acht Jahre – mit einem ordentlichen Zuschlag für die Hochschulen für einen größeren Gestaltungsspielraum. Um den Unterschied zu verdeutlichen, sprechen die Gutachter nicht mehr wie bisher von „Exzellenzclustern“, sondern von „Exzellenzzentren“.

Die besten Universitäten sollen darüber hinaus sieben oder acht Jahre lang jeweils 15 Millionen Euro bekommen. Gesprochen wird nicht mehr von „Eliteunis“, sondern von einer „Exzellenzprämie“. Das Neue: die Hochschulen müssen sich nicht wie bisher ein Zukunftskonzept überlegen, also erläutern, wie sie ihr Profil schärfen und auf ausgewählten Gebieten spitze werden wollen. In der neuen Runde soll vielmehr eine Kommission die besten Hochschulen nach den bisherigen Leistungen auswählen. Die Kriterien müssten freilich noch entwickelt werden. Dieter Imboden und seine Kollegen schlagen vor, sich bei der Auswahl an den Forschungspreisen und eingeworbenen Projektmitteln zu orientieren. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Manfred Prenzel, hatte sich zuletzt dagegen ausgesprochen, nur vergangene Erfolge zu belohnen. Die Imboden-Kommission schreibt hingegen in ihrem Bericht, dass man die Zukunft nicht alle paar Jahre neu erfinden könne: „Eine Universität, welche sich dank ihrer bisherigen Leistungen an der Spitze positioniert, braucht keine zusätzliche Legitimation.“

Wie sieht der Zeitplan aus?

Die Forschungsminister wollen im April die Fortführung der Exzellenzinitiative formell beschließen. Im Juni könnte die Bundesregierung ihren Segen geben. Dann müsste auch geklärt sein, wie viele Exzellenzprämien man vergeben will. Die Unionsparteien hatten sich für eine kleine Zahl ausgesprochen, was wohl auf Universitäten in Berlin und München hinauslaufen würde. SPD und Grüne wünschen sich mindestens zehn, um der Breite der Forschungslandschaft gerecht zu werden. Die Imboden-Kommission rät zu zehn.

Anschließend müssten die Förderorganisationen, die damit beauftragt werden, die Ausschreibung formulieren und die Anträge prüfen. Das kann gut ein Jahr dauern, so dass sich mancher Wissenschaftler, dessen Arbeitsvertrag 2017 ausläuft, bereits nach einer neuen Aufgabe umgesehen haben dürfte, wenn die nächsten Fördermittel bewilligt werden. Dieter Imboden und seine Kommission empfehlen daher, die derzeitigen Verträge um zwei Jahre zu verlängern, damit die nächste Runde der Exzellenzinitiative nicht übers Knie gebrochen wird. Und sie fordern auch mehr Geld. Die Forschungsminister hatten 400 Millionen Euro im Jahr in Aussicht gestellt und darauf verwiesen, dass dies dem Fördervolumen im Jahr 2014 entspreche. Die Kommission empfiehlt 500 Millionen Euro, denn so viel sei 2014 tatsächlich ausgegeben worden. „Eine Reduktion dieses Betrages würde ein falsches Signal aussenden.“

 

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