Fahrlässige Tötung Fußballtrainer müssen hohe Strafen zahlen

do, 09.11.2012 16:15 Uhr

Achern - Zu hohen Geldstrafen wegen fahrlässiger Tötung hat das Amtsgericht Achern (Ortenaukreis) zwei Jugend-Fußballtrainer verurteilt. Die beiden 42 und 45 Jahre alten Männer hatten an einem heißen Augusttag anstelle des üblichen Trainings mit D-Junioren (zehn bis zwölf Jahre) einen Lauf zu einem drei Kilometer entfernten Baggersee gemacht und dort gebadet. Dabei war ein Zwölfjähriger, der am Ufer zurückgeblieben war, zunächst unbemerkt in tiefes Wasser abgerutscht und ertrunken. Er konnte erst eine Stunde später von einem Rettungstaucher tot geborgen werden. Der Junge war erst vier Monate zuvor mit seiner Mutter aus Kamerun eingewandert. Er konnte nicht schwimmen, hatte dies nach Aussagen der Angeklagten und mitbeteiligter Jugendlicher aber nicht gesagt.

Die Trainer haben die Aufsichtspflicht gröblich vernachlässigt

Nach Auffassung des Richters haben die beiden seit mehreren Jahren in dem Verein als Jugend-Trainer tätigen Angeklagten ihre Aufsichtspflicht „in gröblicher Weise vernachlässigt“. Sie hätten die ihnen anvertrauten Jugendlichen nicht in gefährliche Situationen bringen dürfen. Ihr Fehlverhalten werde noch dadurch verstärkt, dass an den Baggersee Badeverbot bestand und sie keine Ausbildung als Rettungsschwimmer haben. Dass sie ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausübten, sei keine Entschuldigung. Wer solche Funktionen übernimmt, müsse sich fortbilden, sagte der Richter. Dies sei auch eine Aufgabe der Vereine, die ihre Mitarbeiter aufklären oder schulen müssten. Die Verteidiger wollen gegen das Urteil – 140 Tagesätze à 60 beziehungsweise 50 Euro – Berufung einlegen.

In der Öffentlichkeit hatte der Unfall großes Mitgefühl ausgelöst, sowohl für den Verunglückten und seine Mutter als auch für die Trainer, die als sehr erfahrene und gut beleumundete Männer geschätzt werden. Die Vereine befürchten, jetzt noch größere Probleme zu bekommen, ehrenamtliche Jugendbetreuer zu gewinnen.