Fasanerie Fasanenhof Der Nachwuchs ist aus dem Gröbsten raus

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Die Fasanen in der Voliere am Wäldle haben Eier gelegt. Sechs Küken sind geschlüpft. Sie alle sind gesund und munter und haben sich prächtig entwickelt.

Vor zwei Monaten sind die Küken geschlüpft. Foto: privat
Vor zwei Monaten sind die Küken geschlüpft. Foto: privat

Fasanenhof - Was es für Fasanen sind, weiß Klaus Lorenz noch nicht. „Wir hatten die Eier zwar markiert. Aber die Markierungen waren verschwunden, bevor die Küken schlüpften“, sagt Lorenz, der von den Menschen in seinem Stadtteil immer häufiger als „Fasanenmeister“ bezeichnet wird. Vor gut zwei Jahren hat der Verein Fasanerie Fasanenhof die Fasanerie ins Leben gerufen. Diese befindet sich im sogenannten Wäldchen an der Fasanenhofstraße hinter dem Gelände der Stadtgärtnerei. Und dort tummelt sich seit einiger Zeit auch der Nachwuchs.

Sechs Jungvögel sind es. Klaus Lorenz hat mehrere Eier einem Zwerghuhn der Kleintierzüchter Möhringen untergejubelt. Die Henne hat tatsächlich vier Stück ausgebrütet. Die beiden letzten hat das Goldfasanenweibchen selbst ausgebrütet. Tagelang hatte sie sich in eine dunkle Ecke ihres Geheges verzogen. „Ich habe sie gar nicht mehr gesehen. Ich bin einen halben Meter entfernt an ihr vorbei gelaufen, und sie hat sich einfach tot gestellt“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Mittlerweile sind die Fasanen knapp zwei Monate alt und damit aus dem Gröbsten raus. Sie haben nun gute Chancen zu überleben. „Die kleinen Fasanen entwickeln sich prächtig. Sie sind schon zu Allesfressern geworden“, berichtet Lorenz. Ihr Speiseplan reicht von verschiedenen Körnern, über getrocknete Mehlwürmer bis hin zu frischem Salat.

Erinnerung an die Historie des Stadtteils

Es ist das erste Mal seit mehr als 200 Jahren, dass die Nachzucht der bunten Vögel auf dem Fasanenhof gelingt. „Aus der Geschichte geht hervor, dass bereits im Jahre 1730 Herzog Eberhard Ludwig hier eine Fasanerie errichtete, die von Herzog Carl Eugen und Franziska von Hohenheim im Jahr 1783 beträchtlich erweitert wurde“, so steht es auf der Internetseite des Vereins. „Mit der Errichtung der Voliere wollten wir auf die Historie unseres Stadtteils aufmerksam machen und an die Namensgeber, die Fasanen, erinnern“, ergänzt die Vereinsvorsitzende Iris Ripsam.

Die Tiere in der Voliere im Wäldle hatten bereits im vergangenen Jahr Eier gelegt. Aber damals war keines ausgebrütet worden. Diesmal hat es geklappt. Für Lorenz ist das auch ein Zeichen dafür, dass sich die Tiere wohl fühlen. „Es ist ein schönes Gelände geworden. Es ist eine richtige Erweiterung der Parkanlage“, sagt Ripsam.

Im September 2012 war die Fasanerie offiziell an die Bevölkerung übergeben worden. Gute eineinhalb Jahre später, im Frühjahr, konnte der Verein die erste Erweiterung feiern. Just einen Tag vor dem großen Fest hatte eine der Hennen wieder ein Ei gelegt. Ursprünglich hatten die Tiere 40 Quadratmeter zur Verfügung, jetzt sind es 100 Quadratmeter. Zudem kann die Voliere in fünf Parzellen untergliedert werden. Das ist notwendig, um die Hähne während der Balzzeit trennen zu können.

Verein steht auf sicheren Füßen

Derzeit leben in dem Gehege je ein Paar Ohrfasane, Goldfasane, Amherstfasane und Böhmische Jagdfasane. Welchen Rassen die Jungvögel angehören und was Männlein und was Weichchen ist, wie gesagt, noch nicht bekannt. „Wir lassen uns überraschen“, sagt Lorenz.

Doch nicht nur die Zahl der Tiere ist in den vergangenen Monaten gestiegen, sondern auch die der Vereinsmitglieder. Derzeit sind es 75. Damit steht der Verein auf sicheren Füßen. Denn aus den Jahresbeiträgen können die laufenden Kosten, beispielsweise für Futter oder auch mal eine Tierarztrechnung, bestritten werden. „Der nächste Schritt wird sein, dass wir ein paar Rücklagen bilden“, sagt Ripsam. Denn noch sei zwar alles neu, doch irgendwann würden zwingend die ersten Reparaturarbeiten anstehen.

Die Fasanen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Stadt – allen voran die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei – haben das Gelände aufgehübscht. Sie unterstützen den Verein auch, in dem sie ein wachsames Auge auf die Tiere haben. Das Einzige, was noch fehlt, ist eine kleine Gruppe an zuverlässigen Leuten, die Klaus Lorenz bei der täglichen Fütterung der Tiere und dem Ausmisten der Gehege unterstützt. Zwar sind die Vereinsmitglieder sehr rege und immer zur Stelle, wenn es an der Voliere etwas zu tun gibt. Doch um sich in die tägliche Arbeit einspannen zu lassen, dafür hat kaum jemand Kapazitäten. „Es dürfen aber auch nicht zu viele sein, denn die Tiere gewöhnen sich an einen“, sagt Klaus Lorenz. Ihn kennen die Vögel mittlerweile schon so gut, dass er mit dem einen oder anderen Fasan fast schon spazieren gehen kann.

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