Fashion Week in Berlin Eine Kulisse für große Marken, aber keine Modestadt

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Für die ganz großen Designer ist Berlins Fashion Week nicht wichtig, national hat sich indes ein Markt etabliert.

Zwei Models werben vor dem Brandenburger Tor für die 18. Fashion Week. Foto: dpa
Zwei Models werben vor dem Brandenburger Tor für die 18. Fashion Week.Foto: dpa

Berlin - Ein junger Herr mit blondem Klebhaar und Wildledermantel steht sinnend im vanillegelben Berliner U-Bahn-Tunnel. Im Arm hält er einen ausgestopften Pfau. Eine Horde junger Menschen mit Seitenscheitel und regenbogenfarbenen Vintage-Schlaghosen feiert über den Dächern der Stadt in den Sonnenaufgang hinein, alles sieht ein bisschen aus wie in den frühen Achtzigern, im Hintergrund läuft „Goodbye Horses“.

Diese Bilder gehören zur aktuellen Kampagne des Superlabels Gucci. Dass die italienischen Modemacher, genau wie das französische Label Givenchy, die Hauptstadt zur Kulisse ihrer neuen Kollektion erkoren haben, zeigt, für wie angesagt sie Berlin halten – allerdings als Ort, nicht als Modemetropole. Auch wenn an diesem Dienstag, genau wie alle halbe Jahre wieder, die Fashion Week in Berlin beginnt, so wird doch auf lange Sicht nicht zu erwarten sein, dass die großen Namen der Branche ihre Kollektionen an der Spree präsentieren statt in Paris oder Mailand.

Wirklich große Designer sucht man vergebens

Die Modewoche ist nach Jahren des Aufs und Abs als nationales Ereignis etabliert, aber die Hoffnungen, dass die Stadt sich international zum wichtigen Standort entwickeln wird, erfüllen sich nicht. Wirklich große internationale Designer sucht man vergeblich.

Trotzdem hat sich rund um das weiße Zelt der Mercedes Benz Fashion Week am Brandenburger Tor, in dem viele der Schauen präsentiert werden, ein fester, wachsender Markt entwickelt. Im Zelt, im Me Collectors Room in der Auguststraße – oder „offsite“, also an selbst gewählten Orten, präsentieren sich etablierte Designer wie Guido Maria Kretschmer, Lala Berlin, die Österreicherin Lena Hoschek, Anja Gockel, Kilian Kerner oder das Berliner Duo Augustin Teboul. Für manche deutschen Nachwuchsdesigner wird auch diesmal wieder Berlin zum Sprungbrett. Auch wenn die Streetwearmesse Bread and Butter als einstiges Zugpferd für die Massen vergangenes Jahr Insolvenz anmelden musste, so ist die Zahl der kleineren Messen für Fachbesucher, die sich rund um die Defilees etabliert haben, stetig gewachsen. Berlin ist eher die Modemessenstadt als die Modestadt.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema

Mehr als 200 000 Fachbesucher bevölkern die Stadt auch in dieser Woche wieder, um sich mehr als 3500 Kollektionen aus Womens- und Menswear, Avantgarde, Streetwear und Eco Fashion anzuschauen. Als wichtigste der etwa ein Dutzend Messen gelten die Premium und die Panorama, die nach Angaben der Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) beide für diese Ausgabe um knapp ein Drittel gewachsen sind. Bei der Panorama werden zum ersten Mal Schuhe und Accessoires auf einer eigenen Fläche präsentiert.

Nachhaltigkeit und fairer Handel gehören zu den großen Themen – dafür haben sich die Messen Green Showroom und ­Ethical Fashion Show etabliert. In Berlin gibt es vor allem Nischen für kleine Spezialmessen: Die Bright zum Beispiel beschäftigt sich ausschließlich mit Streetwear, Skateboarding und Sneakers. Eine eigene Konferenz widmet sich Debatten über technische Neuentwicklungen.

Berlin gilt als innovationsfreudig

Auch außerhalb der Messen und Schauen ist die Mode einer der wachsenden Wirtschaftszweige. In den vergangenen sechs Jahren sind nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung mehr als 500 der insgesamt 2500 Unternehmen in der Branche gegründet worden und 8000 neue Arbeitsplätze entstanden. Insgesamt arbeiten etwa 23 000 Berliner in der Mode und erwirtschafteten mehr als 2,2 Milliarden Euro.

Zu den Spezialitäten der Hauptstadt gehört nach Angaben der Senatorin die Innovationsfreude: Start-ups wie Zalando, Scarosso oder modomoto haben hier ihren Sitz, Berlin ist laut Senat europaweit der wichtigste Ort für Investoren, die Wagniskapital zu vergeben haben.

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