Fasnet in Stuttgart Die Narretei ist wieder erwacht

Von Dominika Jaschek und Wenke Böhm 

Die Fasnet hat begonnen: die Felben vom Cannstatter Kübelesmarkt haben ihre Masken abgestaubt. Und im Stuttgarter Rathaus haben die Karnevalisten ihr neues Stadtprinzenpaar Wolfgang der Dritte und Claudia die Zweite gefeiert.

Die Fasnet hat begonnen – der Brunnengeist ist erwacht. In der Bildergalerie zeigen wir Impressionen vom Empfang des Stadtprinzenpaars. Foto: Gottfried Stoppel 49 Bilder
Die Fasnet hat begonnen – der Brunnengeist ist erwacht. In der Bildergalerie zeigen wir Impressionen vom Empfang des Stadtprinzenpaars.Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Vielleicht hätte er gern noch etwas weitergeträumt, der alte Brunnengeist. Jedenfalls musste er sich erst einmal gründlich recken und strecken, nachdem ihn die Narren des Cannstatter Kübelesmarkts am Montagmorgen mit lautem Rätschen-Radau jäh aus dem Schlaf gerissen haben. Doch ohne den Hüter des Mineralwassers wäre ihre fünfte Jahreszeit einfach nicht komplett.

Schon zur – wie sie selbst betonten - „fast unchristlichen Zeit“ von 6.01 Uhr hatten sich die Narren im Küblerhaus versammelt. Zunächst musste der Staub aus dem Häs geklopft werden. Gegenseitig gaben sich Felben und Monde liebevolle Schläge auf die traditionellen Kostüme. Dann zogen sie zum alten Geist im Jakobsbrunnen, der dort über die Cannstatter Quellen wacht.

Holzmasken sollen rund 360 Euro kosten

Der Lärm der Rätschen und Schellen von rund 100 Narren erfüllte seinen Zweck. „Narri“ rief „Brunni“ in die Runde. Es wurde mit einem stimmstarken „Narro“ beantwortet. „Wir sind die einzige Zunft, die einen Brunnengeist hat“, sagte der stellvertretende Maskenmeister Andreas Hauser.

Dass sich die Narren des Kübelesmarkts als „Felben“ – schwäbisch für Weidenbaum – bezeichnen, hat seinen Ursprung laut dem Vereinssprecher Panajotis Delinasakis im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Damals wähnten sich die Cannstatter von Soldaten am Neckarufer bedroht. Diese entpuppten sich bei besserer Sicht jedoch als harmlose Korbmacherweiden. Die fratzenhaften Holzmasken, die maßgeschnitzt werden und rund 360 Euro kosten sollen, zeigen heute noch die für Weiden typischen Stümpfe der abgeschnittenen Ruten.

Feuer entpuppt sich als Mondschein

Die selteneren Monde in der Narrenschar haben eine ähnliche, aber nicht ganz so alte Geschichte wie die Felben. Die Figuren erinnern daran, dass die Cannstatter vor gut 150 Jahren mit der Feuerwehr ausgerückt waren, um einen Brand zu bekämpfen, der sich dann als Mondschein herausstellen sollte. Deshalb gibt es auch die passenden „Mondlöscher“, die in traditioneller Feuerwehrkluft auftreten.

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