Fastenbrechen in der Villa Reitzenstein
Zeigen, dass Sarrazin unrecht hat
Sibylle Thelen,
09.09.2010 06:43 Uhr
Annäherung beim Fastenbrechen: Nilgün Tasman (von links), Ergun Can, Emina Corbo-Mesec und Ali Celebi sind zu Gast im Amtssitz des Staatsministerin. Foto: Steinert
Stuttgart - Über den Park der Villa Reitzenstein bricht die Dämmerung herein. Bald wird sich ein schwarzer Faden nicht mehr von einem weißen unterscheiden lassen, und dann darf nach einem weiteren Fastentag im Monat Ramadan auch an diesem Abend wieder gegessen und getrunken werden. Noch aber ist Zeit für nachdenkliche Worte. Die Staatsrätin Regina Ammicht Quinn heißt ihre Gäste willkommen: "Sie alle engagieren sich in Vereinen, Unternehmen, Religionsgemeinschaften und der Wissenschaft für unsere gemeinsame Gesellschaft. Sie zeigen auf, dass Thilo Sarrazin unrecht hat." Und bezieht dann auch die Politik mit ein: "Wir alle wissen, dass noch viel zu tun ist."
Nicht wenige der vierzig Gäste, die sich am Dienstagabend zum dritten Iftar-Empfang der Landesregierung in der Stuttgarter Villa Reitzenstein versammelt haben, fühlen sich tatsächlich als leibhaftiger Gegenbeweis der Sarrazin'schen Weltsicht. Unter ihnen sind viele Muslime, die in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur tätig sind, die sich beruflich und auch ehrenamtlich für integrationspolitische Zielsetzungen engagieren. Gerade im Südwesten, stellte der junge, deutsch-libanesische Islamwissenschaftler Hussein Hamdan in seiner Rede fest, brächten sich immer mehr Muslime mit ihren Qualifikationen ein.
Als sich die Flügeltüren öffnen, als alkoholfreie Getränke und die ersten Häppchen zum Fastenbrechen gereicht werden, kommen Gespräche unter den Gästen auf. Wieder dominiert das S-Wort, das ausnahmsweise für Stuttgarter Verhältnisse einmal nicht für Stuttgart 21 steht. Der stellvertretende türkische Generalkonsul Erkan Öner berichtet von den Reaktionen verstörter und verletzter Landsleute. Man versuche die Stimmung zu beruhigen. Und der Sozialarbeiter Gökay Sofuoglu, der als Leiter des Internationalen Stadtteilzentrums Haus 49 im Stuttgarter Nordbahnhofviertel die Aufgaben der Integrationsarbeit täglich vor Augen hat, kommentiert die Debatte auf seine Weise: "Ich habe Schwierigkeiten damit, mit positiven Beispielen zu argumentieren. Das vermittelt das Gefühl, wir sind verpflichtet, erfolgreich zu sein. Haben wir nur dann eine Lebensberechtigung?" Die Problemfälle, von denen Sarrazin schreibt, kennt Sofuoglu. Für den Sozialarbeiter haben sie in erster Linie schichtspezifische Ursachen.
Joghurtsuppe mit Minze und Huhn steht auf der Speisekarte, dann Kalbsgeschnetzeltes mit Wildreis und Kartoffeln. Die Küche interpretiert die kulinarische Herausforderung des Iftar-Empfangs mit einem Bekenntnis zur europäisch-orientalischen Begegnung. Nach dem Tischgebet von Yavuz Kazanc vom Verband der Islamischen Kulturzentren gehen die Gespräche weiter: übers Fasten und Heilfasten, über Necla Keleks Auftritt an der Seite von Sarrazin bei dessen Buchpräsentation, über das theologische Fach Islamische Studien, dessen Einführung an einer Uni im Südwesten bald verkündet werden soll. "Baden-Württemberg", hat die Staatsrätin für interkulturellen und interreligiösen Dialog, Ammicht Quinn, in ihrer Rede gesagt, "erfüllt alle Vorgaben des Wissenschaftsrats."
Nicht wenige der vierzig Gäste, die sich am Dienstagabend zum dritten Iftar-Empfang der Landesregierung in der Stuttgarter Villa Reitzenstein versammelt haben, fühlen sich tatsächlich als leibhaftiger Gegenbeweis der Sarrazin'schen Weltsicht. Unter ihnen sind viele Muslime, die in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur tätig sind, die sich beruflich und auch ehrenamtlich für integrationspolitische Zielsetzungen engagieren. Gerade im Südwesten, stellte der junge, deutsch-libanesische Islamwissenschaftler Hussein Hamdan in seiner Rede fest, brächten sich immer mehr Muslime mit ihren Qualifikationen ein.
Das Thema Sarrazin dominiert in den Gesprächen
Als sich die Flügeltüren öffnen, als alkoholfreie Getränke und die ersten Häppchen zum Fastenbrechen gereicht werden, kommen Gespräche unter den Gästen auf. Wieder dominiert das S-Wort, das ausnahmsweise für Stuttgarter Verhältnisse einmal nicht für Stuttgart 21 steht. Der stellvertretende türkische Generalkonsul Erkan Öner berichtet von den Reaktionen verstörter und verletzter Landsleute. Man versuche die Stimmung zu beruhigen. Und der Sozialarbeiter Gökay Sofuoglu, der als Leiter des Internationalen Stadtteilzentrums Haus 49 im Stuttgarter Nordbahnhofviertel die Aufgaben der Integrationsarbeit täglich vor Augen hat, kommentiert die Debatte auf seine Weise: "Ich habe Schwierigkeiten damit, mit positiven Beispielen zu argumentieren. Das vermittelt das Gefühl, wir sind verpflichtet, erfolgreich zu sein. Haben wir nur dann eine Lebensberechtigung?" Die Problemfälle, von denen Sarrazin schreibt, kennt Sofuoglu. Für den Sozialarbeiter haben sie in erster Linie schichtspezifische Ursachen.
Joghurtsuppe mit Minze und Huhn steht auf der Speisekarte, dann Kalbsgeschnetzeltes mit Wildreis und Kartoffeln. Die Küche interpretiert die kulinarische Herausforderung des Iftar-Empfangs mit einem Bekenntnis zur europäisch-orientalischen Begegnung. Nach dem Tischgebet von Yavuz Kazanc vom Verband der Islamischen Kulturzentren gehen die Gespräche weiter: übers Fasten und Heilfasten, über Necla Keleks Auftritt an der Seite von Sarrazin bei dessen Buchpräsentation, über das theologische Fach Islamische Studien, dessen Einführung an einer Uni im Südwesten bald verkündet werden soll. "Baden-Württemberg", hat die Staatsrätin für interkulturellen und interreligiösen Dialog, Ammicht Quinn, in ihrer Rede gesagt, "erfüllt alle Vorgaben des Wissenschaftsrats."
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Gülen und Anhänger
Alles ist so schwammig, keine klaren Fronten. Wer inhaltlich nicht gut aufgestellt ist, muss hald gut organisieren. DAS beeindruckt unsere Landesregierung.
Danke Baden Württemberg
eine tolle friedenstiftende Veranstaltung mit großem Symbolcharakter. Nur wer sich willkommen und anerkannt fühlt wird sich gerne integrieren, wird gerne in diesem wunderschönen Land mit seinen fleißigen Bewohnern leben. Im Gegensatz zu den Ureinwohnern, haben sich diese Menschen bewusst FÜR Baden Württemberg entschieden. Viele von ihnen haben die hier gebotenen Möglichkeiten genutzt, haben ihren Lebensstandard verbessert und versuchen nun durch ihr ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement diesem Land etwas zurückzugeben. Wir alle können stolz auf diese Menschen und auf unsere Landesregierung sein. Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg, auch wenn wir gerade über ein Schlagloch namens Sarrazin geholpert sind. Auch in diesem Jahr wird das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart den Manfred-Rommel-Integrationspreis für beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement verleihen: auch dieses Jahr wird diesen Preis jemand erhalten der/ die ihn auch verdient, egal welche Staatsbürgerschaft er/ sie hat!
oha
Den Vorrednern kann ich mich nur anschliessen, wer heute noch krampfhaft behauptet die intergration sei geglückt ist nicht mehr zu helfen. Btw: Man sollte mal versuchen, in die Verwaltung von Riad oder Teheran zum gemeinsamen Feiern des Weihnachtsfestes einzuladen ;-)