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Gelsenkirchen - Auf Joel Matip war auch diesmal Verlass. Während der Schalker Trainer Huub Stevens vor dem Rückrundenstart am Samstag gegen den VfB Stuttgart bis zum letzten Moment über der Besetzung wichtiger Positionen im königsblauen Team grübelte, meldete sich sein schlaksiger Verteidiger schon mal zu Wort. Speziell die Lücke im defensiven Mittelfeld bereitete Stevens Kopfzerbrechen - so dass Matip ihm das Trainerleben etwas erleichtern wollte und erklärte: "Ich hätte kein Problem, auf dieser Position zu spielen."
So erwähnte der 20-Jährige wenige Tage zuvor auch seine Sympathie für den Job in der Innenverteidigung, wo er sich in der Vorrunde mit Kyriakos Papadopoulos (19) festgespielt hat. Nun aber ist Stevens in Not - und Matip muntert ihn auf. Und über die freundliche Geste des jungen Mannes am wenigsten wundern wird sich Thomas Ronge. Der war einst Matips Vertrauenslehrer an der Gesamtschule Berger Feld - und als erstes Charaktermerkmal des damaligen Abiturienten fiel Ronge im Spätherbst 2009 ein: "Sehr höflich."
Ein rasanter Einstieg
Zwei Jahre später ist der 1,93 Meter lange Abwehrspezialist immer noch höflich. Mit Papadopoulos hat er aber auch einen etablierten Kollegen wie Benedikt Höwedes (23) auf die rechte Außenposition und den Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder (31) ganz aus der Stammelf verdrängt. Als "Rohdiamant" bezeichnet der Manager Horst Heldt den Sohn eines Kameruners und einer Deutschen. Und damit dieses ungeschliffene Juwel dem Revierclub nicht abhandenkommt, bat Schalke den manchmal noch etwas ungelenken Matip kürzlich an den Verhandlungstisch.
Mit Erfolg: Anfang Januar verlängerte Matip seinen bis 2013 laufenden Vertrag um weitere drei Jahre. "Zu durchaus verbesserten Konditionen", grinste er. Dabei dachte Papa Jean immer, aus seinem Sohn würde mal ein Ingenieur werden. Doch da kam Felix Magath in die Quere. Im November 2009 verhalf Schalkes Ex-Allmächtiger dem damals 18-jährigen Matip zum Bundesligadebüt - in München, wo der Jüngling den Rekordmeister prompt mit seinem Kopfballtor zum 1:1-Endstand nervte.
Ein rasanter Einstieg, der sich anschließend fortsetzte. Im Sommer 2010 schaffte es Joel Matip bereits in den WM-Kader Kameruns. Bei der Endrunde in Südafrika kam er dann auch zu einem Einsatz gegen Japan - nachdem er im März 2010 einem "Bauchgefühl" gefolgt war, das ihm sagte, es sei für ihn besser, für das Heimatland seines Vaters zu spielen, als sich über die Nachwuchsmannschaften des DFB womöglich irgendwann einmal für eine deutsche A-Auswahl zu empfehlen.
Meist im defensiven Mittelfeld
Ausgebildet als Innenverteidiger, spielte Matip unter Magath meist im defensiven Mittelfeld - da, wo er nun gegen den VfB wohl aushelfen wird, weil Lewis Holtby mit einer Sprunggelenksverletzung ausfällt und weil Jermaine Jones, der ultimative Aufsteiger im S04-Team unter Stevens, noch bis zum 1. März für seinen unglaublich unsportlichen Vorweihnachtstritt im Pokal auf den verletzten Fuß des Gladbachers Marco Reus büßen muss.
"Wir haben einige Spieler, die Jones' Position spielen können. Aber sie können ihn nicht eins zu eins ersetzen", sagt Stevens, der einen spürbaren Stabilitäts- und Widerstandsverlust vor seiner Abwehr offensichtlich schon einkalkuliert. Zumal es dem 58-jährigen Holländer zusätzlich Sorgen bereitet, dass er Matip im Fall der Fälle seiner eingespielten Verteidigung entreißen würde. "Damit sprengst du die Viererkette", seufzt der Schalker Trainer, dem im schwierigen Alltagsgeschäft auch der luftig-leichte Hinweis seines Managers nicht recht weiterhilft.
"Joel Matip ist ein Typ von Spieler wie ihn auch der Arsenal-Trainer Arsène Wenger sehr gerne hätte", prahlte Horst Heldt kurz vor der geglückten Vertragsverlängerung mit dem Schalker Talent. Woraufhin Joel Matip eilig versicherte: "Mit Anfragen von anderen Vereinen habe ich mich nicht beschäftigt." Auch wenn das dann vielleicht ein wenig unhöflich war.


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