Feinstaub in der Innenstadt Messgeräte für jedermann

Ein Tüfler vom OK-Lab Stuttgart hat im Bezirksbeirat Nord ein selbst gebautes Gerät vorgestellt, mit dem jeder den Feinstaub an seinem Wohnort messen kann. So soll eine Übersicht der verschiedenen Stadtbezirke entstehen.

Die Tüftler Jan Lutz (links) und David Lackovic  vom OK-Lab Stuttgart. Foto: Lichtgut/Jan Reich
Die Tüftler Jan Lutz (links) und David Lackovic vom OK-Lab Stuttgart. Foto: Lichtgut/Jan Reich

Innenstadt - Nicht erst seit dem Alarm im Januar ist hinlänglich bekannt, dass der Feinstaub ein Problem in der Kesselstadt Stuttgart ist. Eine Lösung hat auch das OK-Lab Stuttgart nicht, aber die Gruppe von ehrenamtlichen Bastlern und Aktivisten möchte nun vor allem eines: eine Übersicht schaffen, wie stark die Luft in den verschiedenen Bezirken Stuttgarts überhaupt mit Feinstaub belastet ist.

Da Feinstaub in Stuttgart so prävalent ist, hat sich die Gruppe, darunter Designer, Entwickler und Programmierer, entschieden, sich mit dem Thema zu beschäftigen, berichtete der Mitbegründer Jan Lutz dem Bezirksbeirat Nord. „Eine Übersicht über die Luftqualität in Stuttgart gibt es bisher nicht“, sagte er, „also wollen wir das selbst messen.“ Die Geräte haben die Tüftler selbst entwickelt, dabei wird der Feinstaub in der Luft mit einem Filter gemessen und über einen Wlan-Chip übertragen. „Die Geräte messen sehr genau“, erklärte Lutz. „Wenn alle mitmachen, können wir eine Übersichtskarte erstellen, wo wie viel Feinstaub gemessen wird.“

Nun braucht es Leute, die mitmachen wollen, und Finanzspritzen: Über Crowd-funding will die Gruppe die selbst gebauten Messgeräte bezahlen. Wer also Interesse daran hat, dass ein solches Messgerät an seinem Haus hängt und die Feinstaubbelastung misst, der unterstützt das Projekt mit 30 Euro und finanziert damit sein eigenes Gerät. 25 Prozent der Summe von 300 Messgeräten sind bereits über Spenden eingenommen. 9000 Euro werden insgesamt benötigt.

Kritische Nachfragen aus dem Bezirksbeirat Nord

Die Bezirksbeiräte hatten zunächst einige kritische Nachfragen. Jürgen Klaffke (SÖS-Linke-Plus) wollte wissen, wo der Strom für die Geräte herkomme, und Sebastian Sage (SPD) verlangte eine genauere Erklärung, wie die Messung funktionieren soll. Und Anna Kedziora (Freie Wähler) warf sogar in den Raum, ob es sich dabei nicht um Panikmache handele. „Was soll ich denn dann machen, wenn ich weiß, wie viel Feinstaub an meinem Haus gemessen wird? Wegziehen?“ Sie bat darum, nicht auf „den Ängsten der Bürger herumzureiten“: „Ich möchte nicht, dass die Leute loslaufen, sich ein Messgerät besorgen und dann denken, es ist jetzt alles in Ordnung.“

Armin Serwani (FDP) erkundigte sich nach dem Datenschutz: „Lädt das Gerät die Daten auf meinen PC, wenn ich ein solches Gerät habe? Und wie kommen die Daten dann zu Ihnen?“ Lutz erklärte, dass das Gerät die Daten ausschließlich direkt an die Datenbank der Gruppe übermittele. Die Erwiderung von Serwani: „Das hat die NSA auch gesagt.“

Losgehen soll es, so Jan Lutz, im Frühjahr oder Sommer 2016, sobald die erforderlichen 9000 Euro zusammen sind. „Dann kaufen wir die Materialien und bauen die Messgeräte.“ Er betonte, dass alle ehrenamtlich dabei seien, und nichts daran verdienten. Funktionieren sollen die Geräte mit einem Sensor, der ursprünglich für Klimaanlagen vorgesehen war, und einem Chip. Der Feinstaub wird optisch gemessen, mit einem Lichtsensor, sowohl die Partikel bis zu 10 Mikrometer (PM10) wie auch die bis zu 2,5 Mikrometer (PM2,5).

Geräte verbrauchen wenig Strom

„Die Resonanz ist sehr beeindruckend“, sagte Lutz. Was den Datenschutz angeht, so sagte er: „Wir haben einen hohen ethischen Anspruch und gehen sehr sensibel mit den Daten um.“ Da das Projekt als „Open Source“ funktionieren soll, habe jeder jederzeit Zugriff auf die Übersichtskarte und könne die Werte nachschauen. Auch die selbst gebauten Messgeräte unterliegen keinerlei Geheimniskrämerei über Inhalt und Funktionsweise. Die Daten der 300 Messpunkte sollen in Echtzeit dargestellt werden, es ist aber auch eine Option geplant, archivierte Daten einzusehen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Lutz: „Jedes Gerät wird halbstündlich aufgeweckt, misst die Partikel in der Luft und geht dann wieder schlafen. Der Stromverbrauch hält sich also in Grenzen.“ Wer die genauen Verbrauchswerte aber haben möchte, bevor er sich ein Gerät ans Haus hängt, kann diese bei Lutz erfragen. Dieser rechnet übrigens damit, dass die Werte in allen Stadtbezirken schlecht sein werden: „Auch wenn es in den Medien immer nur um das Neckartor geht.“

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