Feinstaub in Stuttgart Landes-CDU will Feinstaubalarm abschaffen

Von Konstantin Schwarz und Franziska Niess 

Der Umstieg vom Auto auf die Schiene ist auch am Donnerstag beim dritten Feinstaubalarm in Stuttgart nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Die Landes-CDU will den Alarm bei einer Regierungsbeteiligung nach der Landtagswahl abschaffen.

In Stuttgart rollt der Verkehr trotz des Feinstaubalarms. Foto: dpa
In Stuttgart rollt der Verkehr trotz des Feinstaubalarms.Foto: dpa

Stuttgart - Der dritte Feinstaubalarm für den Großraum Stuttgart mit Appellen, das Auto stehen zu lassen, geht an diesem Freitag um 24 Uhr zu Ende. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt einen verbesserten Luftaustausch vorher. „Die meteorologischen Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung des Alarms sind dann nicht mehr gegeben“, sagt Uwe Schickedanz, der Leiter der Wetterberatung Stuttgart des DWD. Die Entspannung werde aber nicht lange dauern: „Bereits zu Beginn der neuen Woche ist es sehr wahrscheinlich, dass nächtliche Inversionen und abflauender Wind den Luftaustausch stark beeinträchtigen“, so Schickedanz. Dann würde gegen den krebserregenden Staub Alarm Nummer 4 ausgelöst werden.

Von Mitte April bis Oktober wird es voraussichtlich gar keinen Feinstaubalarm mehr geben, weil es durch die stärkere Sonneneinstrahlung keine Inversion (die untere Luftschicht im Kessel wird durch die obere abgeschirmt) mehr gibt.

Wasen-Parkplatz ist gähnend leer

Wenn es nach Nicole Razavi, der verkehrspolitischen Sprecherin der CDU im Landtag geht, wird es bei einer Regierungsbeteiligung der Christdemokraten im Herbst keinen Alarm mehr geben. Es sei „sinnlos, die Alarme auf der jetzigen Basis fortzusetzen“, sagt Razavi. Autofahrer stiegen nicht auf Bus und Bahn um, weil sie „kein gleichwertiges Angebot“ vorfänden.

Dass der Umstieg vom Auto auf die Schiene bisher nicht von Erfolg gekrönt ist, zeigt das Beispiel Cannstatter Wasen. Bei Feinstaubalarm können Pendler ihr Auto kostenlos auf dem Wasen abstellen und mit der Linie U 11 zum Hauptbahnhof fahren. Der Parkplatz war am Donnerstag aber gähnend leer. Jürgen Kaufmann, Geschäftsführer der Firma Neckar Parking, ist den Anblick gewohnt: „Bisher waren es beim Alarm nie mehr als zehn Autos am Tag, eher weniger.“ Jürgen Gerst aus der Nähe von Backnang ist einer der wenigen, der das Angebot am Donnerstag nutzt: „Ich nehme die Warnung ernst und will meinen Teil zu sauberer Luft beitragen.“ Er kommt später zur Arbeit als sonst, die erste U 11 fährt um 8.24 Uhr. „Ich habe dadurch morgens mehr Leerlauf“, sagt Gerst.

Die Fraktion von SÖS/Linke-Plus im Gemeinderat forderte am Donnerstag verbindliche Fahrverbote. Das Regierungspräsidium müsse sie im Luftreinhalteplan regeln. „Wenn jetzt keine Fahrverbote ausgesprochen werden, muss man von Körperverletzung im Amt sprechen“, sagte Fraktionschef Hannes Rockenbauch.

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36 KommentareKommentar schreiben

ist die Landes-CDU überhaupt zuständig: wenn die Stadt Stuttgart Feinstaubalarm auslöst?

Haha: Da lass ich extra mein Auto stehen und stehe dann am Bahnsteig neben Rauchern. PS: Wo befindet sich der Friedhof für die Millionen Feinstaubtoten der letzten 50 Jahre?

Vielen Dank: Auch ich finde es unzumutbar, dass die Fahrgäste an den meisten Haltestellen dem Zigarettenrauch ausgesetzt sind. Hinzu kommt, dass die Zigaretten auf eine Art und Weise entsorgt werden, die so ganz und gar nicht in Ordnung ist.

Herr Kaiser: wenn Sie auf den Bahnhöfen an den Raucherzonen stehen, ist es Ihre schuld, nicht der Raucher. Eine gewisse Hysterie ist ganz klar zu erkennen. Bleiben Sie locker......

Typisch: für die CDU, Alarm abschaffen. Anstatt die Ursachen abzuschaffen. Kuhn hat gehandelt, er hat den Fernsehturm geschlossen, weil er nicht mehr sicher genug war. Deutsche Ingenieurskunst hat ihn aber wieder sicherer gemacht. Jetzt ist er wieder offen. So muss es mit dem Feinstaub auch sein. Das Problem ist auf jeden Fall ein Vermächtnis des spät zum Professor ernannten Alt-OBs von Stuttgart. Und VW hätte auch vernünftig handeln können. Da waren aber gerade mal wieder CDU und FDP am Ruder und der ach so beliebte und so arg geschundene Christian Wulff. Und wie plakatiert die FDP gerade: Investitionsklima schützen und Fahrzeug statt Stehzeug. Ja, liebe FDP, die Autos fahren dann, wenn es nicht so viele sind, sonst stehen sie.

gaaanz toll: kuhn hat gehandelt. wenn ich das schon lese. wer das glaubt, glaubt auch, dass zitronenfalter zitronen falten. haben wir ein mikrogramm feinstaub weniger seit kuhn ob ist? und nein. nicht deutsche ingenieurskunst hat den fernsehturm sicherer gemacht. grüne ideologie hat ihn geschlossen. das problem feinstaub ist nicht lösbar. nicht in stuttgart. selbst wenn kein einziges auto mehr fahren würde, würden bei inversionswetterlagen die werte über den grenzwerten liegen.

Alarm als Denkhilfe.: Die Aktionsverweigerung unter Wolfgang Schuster ist das juristische Einfallstor. Würden die Dieselplaketten nicht Etikettenschwindel sein, hätte sich das Problem weitgehend ausgewachsen. Als sich jedoch nichts veränderte verharrte die Stadt im nichtstun. Der fehlende Aktionsplan hatte juristische Wirkung. Der Richter bestand auf Aktion. Wobei Flüsterasphalt und Blitzerorgie Placebos sind. Wirklich beeindruckt scheint der Staub auch vom Alarm nicht. Und woher weiss der im Artikel zitierte von der krebserzeugenden Wirkung des Feinstaubes? Wissenschaftlich gesehen ist diese Behauptung falsch. Es gibt ungiftige Feinstäube , giftige und kanzerrogene. Die zuständige Landesmessbehörde schrieb, dass Baustellenstaub aus unmittelbarer Nähe 14mal zur Überschreitung des Grenzwertes führte. Mit der undifferenzierten Betrachtung wäre die Aussage belegt, dass S21 (das ist die Baustelle in unmittelbarer Nähe) krebserzeugt.

Feinstaub: An Sylvester spielt der keine Rolle. Da wird der Dreck tonenweise in die Luft gepustet. Und die vielen Flugzeugstarts die reinigen wohl unsere Luft? Die grüne Losung: Fahrräder für Schwertransporte!

Wie gut: "Die grüne Losung: Fahrräder für Schwertransporte!" --- Wie gut, dass Sie dann doch endgültig auf die Quatsch-Ebene wechseln und klarstellen, dass Sie nicht ernst genommen werden wollen. Dass Flugzeugstarts die Luft reinigten, behauptet wer? Ach ja, niemand. Aber dieses 'die anderen aber auch' soll wohl ein Argument sein. Naja.

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