Feinstaubalarm Frischer Wind statt dicker Luft

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Der Deutsche Wetterdienst hat endgültig Entwarnung in Sachen Feinstaub gegeben. Der ausgerufene Alarm gilt nicht mehr. Am Donnerstag lag der Feinstaubpegel am Neckartor noch mit 95 Mikrogramm fast doppelt so hoch wie das gesetzlich zulässige Limit.

Trotz des Alarms herrschte in Stuttgart dichter Verkehr. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Trotz des Alarms herrschte in Stuttgart dichter Verkehr.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Stuttgart kann am Wochenende aufatmen: Der Deutsche Wetterdienst hat am Freitagnachmittag endgültig Entwarnung in Sachen Feinstaub gegeben. Der am vergangenen Montag ausgerufene Feinstaubalarm gilt an diesem Wochenende nicht mehr. Die Stadt und das Verkehrsministerium rechnen auch nicht damit, dass zu Beginn der kommenden Woche erneut Alarm gegeben werden muss. Der Wetterdienst habe für Samstag, Sonntag und Montag einen deutlich verbesserten Luftaustausch vorausgesagt.

Am Donnerstag lag der Feinstaubpegel am Neckartor mit 95 Mikrogramm fast doppelt so hoch wie das gesetzlich zulässige Limit von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft, das die Europäische Kommission aus Gründen des Gesundheitsschutzes vorschreibt. Zuvor waren am Neckartor mit 122 (Mittwoch), 141 (Dienstag) und 89 Mikrogramm) Montag ebenfalls stark überhöhte Werte registriert worden.

„Stuttgart ist die erste Stadt in Deutschland, die einen Feinstaub-Alarm eingeführt hat“, erklärte Oberbürgermeister Fritz Kuhn am Freitag. Nie zuvor sei in der Stadt so intensiv und kontrovers über die Belastung der Luft mit Schadstoffen diskutiert worden. Jeder Autofahrer wisse jetzt, dass er Teil des Problems sei. Er wünsche sich, dass noch viel mehr Bürger bei Feinstaub-Alarm ihren Wagen stehen ließen, betonte Kuhn. Ansonsten drohten unweigerlich ordnungspolitische Maßnahmen und Fahrverbote. Die hohen Werte am Neckartor hätten gezeigt, dass der Feinstaubalarm richtig und durchaus notwendig gewesen sei, sagte der Oberbürgermeister.

Zehntausende sollen das Auto stehen lassen

Auch für Verkehrsminister Winfried Hermann bleibt das Thema Luftreinhaltung weiterhin eine „große Herausforderung“. Der Alarm habe darauf abgezielt, die hohen Schadstoffwerte zu verringern. „Dafür tragen alle Verkehrsteilnehmer Verantwortung“, erklärte Hermann.

Als „großen Erfolg“ bewertete er die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit. Der Feinstaubalarm habe das Thema Luftschadstoffe stärker ins Bewusstsein vieler Menschen gerückt. Daran wolle man anknüpfen, wenn es darum gehe, noch viel mehr Autofahrer zum Umstieg auf den Nahverkehr oder zur Bildung von Fahrgemeinschaften zu motivieren.

„Statt einiger tausend müssen künftig einige zehntausend Menschen ihr Auto stehen lassen“, sagte Hermann. Die Auswertung der Verkehrsdaten während des Alarms sei sehr komplex und werde noch einige Tage in Anspruch nehmen. Alles deute auf einen „geringen Rückgang des Autoverkehrs“ um drei Prozent hin. Auch die städtische Leitzentrale meldete eine leichte Abnahme des Straßenverkehrs. Auf manchen Strecken sei die Zahlen sogar um sieben Prozent zurückgegangen.

Der Leiter der Verkehrszentrale, Ralf Thomas, betonte allerdings, seriös könne man eine Auswertung des Feinstaub-Alarms erst später vornehmen. „Wir müssen uns aber eine Periode von mehreren Wochen anschauen, um die Verkehrsentwicklung zu analysieren“, erklärte Thomas.

In der Landeshauptstadt registrieren gegenwärtig sieben Stationen die Luftqualität. Bundesweit bekannt ist von diesen nur der Standort Neckartor, weil dort deutschlandweit die höchsten Feinstaub-Tageswerte registriert werden. Im vergangenen Jahr wurde das Limit dort an 72 Tagen überschritten. Messungen im Straßenraum dienen auch die Stationen an der Hohenheimer und der Hauptstätter Straße sowie am Arnulf-Klett-Platz. Die Sensoren in Bad Cannstatt, in der Stadtmitte und auf dem Schwabenzentrum registrieren hingegen die Luftqualität in der Fläche. // Weitere Informationen unter

http://stzlinx.de/feinstaubalarm