Feinstaubalarm in Stuttgart Behörden bleiben Umsteigerzahlen schuldig

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Die Verkehrsleitzentrale hat am Freitag, dem ersten Tag des zweiten Feinstaubalarms, „gefühlt etwas weniger Verkehr“ registriert. „Wir mussten im Berufsverkehr gar nicht in die Verkehrsabläufe eingreifen“, sagte IVLZ-Chef Ralf Thomas.

Obwohl am Freitag  weniger Autos als üblich unterwegs waren, reichte es auf der B 27 vor dem Albplatz in Degerloch noch zu einem ordentlichen Stau. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 4 Bilder
Obwohl am Freitag weniger Autos als üblich unterwegs waren, reichte es auf der B 27 vor dem Albplatz in Degerloch noch zu einem ordentlichen Stau.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Stuttgarter Verkehrsleitzentrale (IVLZ) hat am Freitag, dem ersten Tag des zweiten Feinstaubalarms, „gefühlt etwas weniger Verkehr“ registriert. „Wir mussten am Freitagmorgen im Berufsverkehr gar nicht in die Verkehrsabläufe eingreifen“, sagte IVLZ-Chef Ralf Thomas. Auch auf der B 10/27 in Höhe des Brückenbauwerks Friedrichswahl in Zuffenhausen habe sich der Stau in Grenzen gehalten. Auf den übrigen Ein- und Ausfallstraßen seien ebenfalls von etwas weniger Fahrzeuge als sonst unterwegs gewesen.

Genauere Daten liegen allerdings erst später vor. „Es gibt keine aktuellen Verkehrszählungen, die punktgenau und seriös sind. Erste Rückschlüsse auf das tatsächliche Verkehrsaufkommen erwarte ich ab Mitte März, wenn uns eine genauere Analyse vorliegt“, erläutert Thomas. Beim ersten Alarm im Januar war der Verkehr nach Angaben des Landes um rund fünf Prozent zurückgegangen.

Parkhäuser ohne signifikante Veränderungen

Der Parkraumgesellschaft Apcoa, die in der Landeshauptstadt 21 große Parkhäuser mit rund 7000 Stellplätzen betreibt, lagen am Freitag ebenfalls noch keine belastbaren Daten über die Auslastung der Garagen vor. Während des ersten Feinstaubalarms vom 18. bis zum 22. Januar habe man keine signifikante Veränderung der Parkfrequenz in den betreuten Großgaragen in der Stuttgarter Innenstadt erkennen können, so Apcoa-Sprecher Sebastian Merkle.

Wie bereits ausführlich berichtet, sind die Bürger aus der Landeshauptstadt und der Region erneut aufgerufen, freiwillig das Auto stehen zu lassen und auf den Nahverkehr umzusteigen. Der Alarm gilt nach Angaben der Stadt mindestens bis Sonntag um 24 Uhr. Das Ende des Alarms sei aber noch offen, hieß es am Freitag im Rathaus. Die Entscheidung über die Verlängerung oder die Aufhebung des Feinstaubalarms auf Basis einer Wetterprognose könne erst am Samstagmittag getroffen werden. Um den Alarm zu beenden, müsse der Deutsche Wetterdienst (DWD) einen deutlich besseren Luftaustausch über mehrere Tage prognostizieren. Eine eintägige Unterbrechung reiche nicht aus, um den Alarmzustand zu beenden.

BUND: Appelle senken Schadstoffwerte nicht

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rechnet damit, dass auch der zweite Alarm „weitgehend ins Leere“ laufen wird. Die erste Alarmwoche im Januar habe gezeigt, dass Wissen nicht direkt zum Handeln führe, heißt es in der Presseerklärung der Naturschützer. „Es ist alarmierend, dass der Verkehr damals nur um rund fünf Prozent zurückgegangen ist“, sagt die BUND-Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. Mit Freiwilligkeit und Appellen seien die gesetzlichen Grenzwerte nicht einzuhalten. „Spätestens im Sommer sollte ein Fahrverbot kommen.“ Diese könne rasch wechselweise für gerade und ungerade Kennzeichen umgesetzt werden. „Was in europäischen Großstädten wie Rom möglich ist, sollte auch in Stuttgart machbar sein“, so Pilarsky-Grosch. Mittelfristig sind aus Sicht des BUND schadstoffträchtige alte Dieselfahrzeuge aus der City zu verbannen. Nur Dieselmodelle, die auch unter realen Fahrbedingungen auf der Straße den Abgasvorschriften der Euro-6-Norm entsprächen, sollten noch fahren dürfen.

Hoher Rabatt auf VVS-Tickets

Als Alternative zum Auto empfiehlt der VVS den Nahverkehr zum Einkaufsbummel. Wegen der hohen Schadstoffwerte sollten die Einkaufstüten mit Bus und Bahn transportiert werden. Für die Fahrt in die Landeshauptstadt könnten Fahrgäste über die App der Daimler-Tochter Moovel VVS-Tickets mit 50 Prozent Rabatt erwerben. Wer mehrere Fahrten mit dem Nahverkehr unternehme, sei am günstigsten mit Tagestickets unterwegs.

Umsteigern vom Auto auf die Schiene bieten die Stadt und die SSB zusätzliche Mobilitätsangebote: Die Stadionlinie U 11 verkehrt am Samstag, 27. Februar, beim Heimspiel des VfB Stuttgart gegen Hannover 96 wie immer vor und nach der Partie in gewohnter Weise zwischen der Haltestelle Neckarpark (Stadion) und der Stuttgarter Innenstadt. Sollte der Feinstaubalarm über den Sonntag hinaus bestehen bleiben, so können Autopendler montags bis freitags kostenlos von 8.30 bis 18.30 Uhr auf dem Wasenareal parken und dann mit der Sonderlinie U 11 in die Innenstadt fahren. Dieses werktägliche Angebot gilt allerdings nur bei einem Feinstaubalarm und nur bis zum Frühlingsfest.

18 Kommentare Kommentar schreiben

Parkraummanagement und Feinstaub: Eine über ein halbes Jahrhundert verfehlte und zementierte Verkehrspolitik, die von Wegschauen bezüglich Umwelt geprägt war, lässt sich nicht im Hand umdrehen ändern. Dinge die jetzt angeleiert werden könnten aber deutlich optimaler laufen. So bin ich aufgrund des Parkraummanagements in S-Süd zum Fahrradfahrer zum Autofahrer geworden. Die einzelnen Zonen sind so hirnverbrannt geschnitten, dass in der einen Zone jetzt Parkplätze ohne Ende frei sind und in der S3 sich seither die Autos übereinander stapeln und man des morgens seinen illegalen Parkplatz weg muss. Intelligente Verkehrspolitik geht 100 % anders !

Voll doof.: Mit den öffentlichen brauche ich täglich über eine Stunde um zu meinem Arbeitsplatz zu gelangen - einfach. Mit dem Auto sind das im Berufsverkehr knapp 25 Minuten. Ich denke, dass hier nicht über Verbote nachgedacht werden sollte sondern über entscheidende Verbesserungen im ÖPVN. Für MurkS21 werden für einen einzigen unterirdischen Haltepunkt über 60 Kilometer Tunnels gebuddelt. Und um den ganzen Abbraum zu beseitigen blasen unkontrollierte Drecksschleuder täglich zig Tonnen Gift und Dreck in die Luft.

Die Feinstaubvorschrift: ist schon ziemlich schwachsinnig. Der thorakale Feinstaub zählt, der aveolare nicht. Sollte die Vorschrift gar irgendwas mit Gesundheit zu tun haben ? Es wird auch nicht nach der toxizität gefragt. Wird die Verbrennung verbessert, ob Automotor oder Hausbrand werden die Staubteilchen kleiner. Damit werden sie einerseits lungengängiger damit gesundheitsschädlicher und andererseits entlasten sie die Gewichtsaddition des Staubes und die Vorschrift wird eher erfüllt. Verbockt hat es die Stadtverwaltung des OBvorgängers. Der Aktionsplan ist vom Gericht verlangt. Blitzer,Flüsterasphalt,grüne Plaketten für Baumaschinen und 40erAusfallstrassen. Auch wenn die Ausfallstrassensache die Auflösung des Feierabendstaus verzögert und die Staubbelastung erhöht. 20% weniger Autos als Zielvorstellung, leider wird weniger erzählt wieviele zusätzliche Pendler in Bussen und Bahnen sitzen würden. Absurd wird ein Feinstaubalarm wenn zB 22Uhr ein Radlader einen Muldenkipper vorm Wagenburgtunnel belädt. So eine Wolke können PKWs gar nicht mehr zustande bringen.

Das tolle ist: auf der Seite des Rathauses wird erklärt das der OB mit einem Elektro Smart unterwegs ist. Ich hab einen Benziner. Meiner produziert genau so viel Feinstaub beim Bremsen und Reifenabrieb wie Kuhns sponsortes Elektrowägelchen. Mit welchem Recht fährt Herr Kuhn? Mit welchem ein Kretschmann? Warum wird das Parkhaus im Schwabenzentrum und im Landtag bei Feinstaubalarm nicht geschlossen. Politiker haben bestimmt eine Vorreiterrolle. Mit einer unterirdischen B14 wäre das Neckartor Geschichte. Leider wollen einige Politiker lieber Fahrverbote.......

da kann nur zugestimmt werden: der Regionalpräsident wohnt ca. 500m von seinem Büro weg und fährt mit dem Auto dorthin. Ebenso seine Frau. Man könnte aber auch mit einem Auto dort hin fahren. Wie gesagt: man könnte! Soviel zu unseren Politiker!

Frische Luft: Ich bin dafür, dass das grüne Programm weitergeführt wird. Es müssen noch mehr Bäume in Stuttgart gefällt werden. Vor allem die Frischluftwege müssen freigeschnitten werden. Nur so kann die frische Luft ungehindert in die Stadt

Sie haben recht.: Blöd, dass dies die Bäume im Schlossgarten sind. Eine Buschwerklandschaft passt auch viel besser zu den neuen Gebäuden hinterm Bahnhof.

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