Feinstaubalarm in Stuttgart Miese Luft auch an Krankenhäusern und Schulen

Von red/dpa 

Nicht nur an den Durchfahrtstraßen, sondern auch an Krankenhäusern, Schulen oder Kindergärten liegen die Stickstoffdioxid-Werte deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten, wie die Deutsche Umwelthilfe mitteilte.

In der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe (Baden-Württemberg) wird unbestaubter und ein bestaubter Filter gezeigt. (Archivbild vom März 2015) Foto: dpa
In der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe (Baden-Württemberg) wird unbestaubter und ein bestaubter Filter gezeigt. (Archivbild vom März 2015)Foto: dpa

Stuttgart - Flächendeckend miese Luft hat eine neue Studie der bundesweit als Feinstaub-Hochburg bekannten Stuttgarter Innenstadt attestiert. Nicht nur an den Durchfahrtstraßen, sondern auch an Krankenhäusern, Schulen oder Kindergärten liegen auch die Stickstoffdioxid-Werte deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Donnerstag mitteilte.

Der kürzlich bundesweit erste Feinstaubalarm, bei dem die Autofahrer zum freiwilligen Verzicht aufgerufen wurden, sei gescheitert, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Der Feinstaub-Grenzwert sei nur am vergangenen Wochenende eingehalten worden - „als natürlich weniger Autos unterwegs waren“. Die DUH werde auf rechtlichem Wege Fahrverbote durchsetzen - „und zwar noch in diesem Jahr“, wie Resch optimistisch betonte. Die Stadt Stuttgart hatte Fahrverbote für frühestens 2018 angekündigt, sollte sich an den Werten bis dahin nichts nachhaltig ändern.

Werte sind oft schlimmer als am Neckartor

Wissenschaftler vom Institut für Umweltphysik der Uni Heidelberg haben in den vergangenen Wochen an zwölf Stellen in der Stadt gemessen und als Hauptverursacher der dicken Luft einmal mehr Diesel-Fahrzeuge ausgemacht. Bewusst habe man nicht an Durchfahrtstraßen, sondern an „sensiblen Orten“ gemessen, so Resch. Recht hohe Schadstoffwerte wurden mit 106 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Mittel am Katharinenhospital registriert. Zum Vergleich: An der wegen ihrer hohen Feinstaubwerte bundesweit bekannten Messstation Neckartor ergab sich ein Wert von 99 Mikrogramm. Erlaubt ist beim Stickstoffdioxid ein Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

„Die ganze Stadt ist belastet, das ist ein flächendeckendes Problem“, sagte Verkehrsberater Axel Friedrich, einst Leiter des Verkehrs-Ressort des Umweltbundesamtes. Der Grund: „Diese ganze Stadt ist auf das Auto ausgelegt.“ Wer die Luft in Stuttgart verbessern wolle, müsse Diesel-Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten aussperren. Selbst neueste Modelle würden Grenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten. Resch betonte: „Das ist kein VW-Skandal, sondern ein Diesel-Skandal.“ Umweltdaten müssten endlich auf der Straße gemessen werden.

Das Land wollte am Donnerstag den ersten Feinstaubalarm noch nicht abschließend bewerten: Zwar seien dem Aufruf zum freiwilligen Autoverzicht „nach vorläufigen Ergebnissen noch viel zu wenige Menschen gefolgt“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Auswertung der Daten sei aber noch nicht abgeschlossen. „Es ist noch zu früh für ein Urteil über die generelle Bereitschaft der Menschen, freiwillig ihr Verhalten zu ändern.“ Eine solche Umstellung brauche Zeit. Auch bei den Anreizen zum Umstieg vom Auto auf Busse oder Bahnen lässt sich sicher noch einiges verbessern.

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14 KommentareKommentar schreiben

Es lag am Wetter!: Am vergangenen Freitag schrieb die StZ, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) für das letzte Wochenende bessere Verhältnisse mit einem höheren Luftaustausch vorhergesagt hat. D e s h a l b seien "die Alarm-Kriterien am Samstag und Sonntag nicht erfüllt" gewesen. Und nun behauptet Jürgen Resch vom Umwelthilfeverein, dass die Werte am Wochenende wegen des geringeren Wochenendverkehrs gesunken seien. Ich empfinde ihn als einen Demagogen reinsten Wassers. Aber es funktioniert ja, die Menschen anzulügen, denn die Medien schenken ihm immer wieder ein Forum. Eigentlich würde Reschs Argumentation einen journalistischen Kommentar verdienen, in dem ihm der Faktenspiegel vorgehalten wird. Aber da ist auf der ganzen Linie Fehlanzeige!

Es ist Winter: die Heizungen in allen Haushalten, Häusern, laufen zusätzlich zur Warmwasserbereitung. Die dafür vorgesehen Energieträger sind Heizöl, Gas, Kohle und Holz(Pellet). NO2 entsteht bei der Verbrennung fossiler Energieträger, und ist daher unter anderem Bestandteil des Abgases von Kraftfahrzeugen, von Öl- und Gas-Heizkesseln sowie von Gas- und Kohlekraftwerken. Dass logischer Weise dadurch mehr NO2 in der Atmosphäre , in der Luft über der Kesselstadt Stuttgart ist, sollt jedem halbwegs intelligenten Zeitgenossen klar sein. Ich persönlich finde die grünen, Geist vernebelnden Schwaden, die durch Stadt und Land wabern viel bedenklicher, den sie vergraulen einem vollends das schwierig genug gewordene Dasein. Das es einen Zusammenhang mit der ´Zunahme des Individual Verkehrsaufkommen in den letzten Jahrzehnten gibt ist unbestreitbar, allerdings sollte man die technologischen Entwicklungen, hin zu Schadstoffärmeren Antriebsaggregate im motorisierten Fahrzeugbau nicht außer Acht lassen. Trotz der Zahlenmäßigen Zunahme des Individualverkehres in Stuttgart dürfte analog die Schadstoffbelastung, wenn überhaupt, nur marginal zugenommen haben. Ich vermute die angewandten Messsysteme , die Auswertungsprogramme sind , vorsichtig ausgedrückt nicht ganz Fehler bereinigt, sind somit Mitverursacher von erhöhten Schadstoffbelastung Werten, die zur Zeit für Aufregung sorgen. Als technischer Mensch der viel mit Messungen, Messtechniken zu tun hatte, weiß ich um die Fehler die dabei entstehen können, und die dann zu falschen Ergebnissen führen , führen können. Es gibt einen Spruch der da lautet : Wer viel misst, misst Mist. Einen schönen Abend noch , trotz der Jahreszeit bedingten , erhöhten Luftbelastung in der immer noch schönen Stadt mit Ihrer Kessellage. Vierzig Jahre Berufsleben in dieser Stadt , die meiste Zeit im Außendienst , haben bei mir keine Schadstoff bedingten Schäden erzeugt. Urbanes Leben ist mit keinem Sanatorium- Aufenthalt vergleichbar, Das sollte eigentlich jedem klar sein , der in einer mittleren Großstadt wohnt und arbeitet.

"...haben bei mir keine Schadstoff bedingten Schäden erzeugt.": Helmut und Loki Schmidt sind weit über 90 geworden. Ist Rauchen deswegen weniger gesundheitsschädlich?

Was wollen Sie damit: ausdrücken , verehrter Herr Klein ? Dass alles im Leben relativ ist ? Ein frage des Standpunkts, der Betrachtungsweise ? Sollte das der Inhalt Ihrer verschlüsselten Botschaft an mich gewesen sein ? Dann bin ich voll und ganz Ihrer Meinung. Ansonsten gilt , meiner Meinung nach : Leben und leben lassen. Das Leben an sich ist die eigentliche Gefahr , denn das Risiko zu Schaden zu kommen oder zu sterben bleibt unberechenbar, egal wie wir die Dinge sehen wollen, oder wie sie sind. Ein schönes Wochenende , trotz aller Lebenseinschränkungen die wir bewusst oder unbewusst für unser Wohlstands-leben tolerieren, auch Sie verehrter Herr Klein, denn ohne Moderne Kommunikationstechniken hätten wir uns nicht austauschen können, Techniken die in der Herstellung und der nachfolgenden Nutzung sich kontraproduktiv für unser Dasein auswirken könnten, oder irre ich mich da ? Ich glaube nicht. gez. Maier, Rolf-Joseph

Die Meldung müsste richtig lauten: Miese Luft auch IN Krankenhäusern und Schulen. Hat man schon mal Feinstaub IN Schulen und Kindergärten gemessen? Oder auf Baustellen, wo es staubt wie die Sau? Nahheiin, natürlich nicht, nur immer hinterm Auto.

Oh weh Feinstaub: Scheinbar ist es für manche Zeitgenossen die Neuigkeit schlechthin, dass in Städten schlechte Luft herrscht. Was für ein Zirkus um nichts. Ganz vorne die DUH, die vor lauter Öko-Begeisterung mal wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Interessant fände ich mal, wie die DUH und die Leute, die dem Feinstaubwahn verfallen sind den Großraum Stuttgart am Leben halten wollen, wenn keiner mehr von A nach B kommt. Unzweifelhaft sind öffentliche Verkehrsmittel zu teuer und zu umständlich um als Alternative zum Auto dienen zu können. Zudem würden die Menschenmassen, die bei einem Fahrverbot auf die Öffis einstürmen, das Netz schlicht platt machen. Leider müssen die Leute aber in die Stadt, da dort Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten sind. Würden jetzt wieder Einkaufszentren auf die grüne Wiese gestellt, Arbeitsplätze in die Mittelzentren rings um Stuttgart verteilt, wäre das Gejammer über die aussterbende Stadt wieder groß. Um es einfach zu sagen: Wer tatsächlich überrascht ist, dass in der Stadt schlechte Luft herrscht, ziehe doch einfach aufs Land. Fahrverbote bringen überhaupt nichts außer Frustration und wirtschaftlichen Schaden. Massive Investitionen in die Infrastruktur müssen her, ein Autobahnring der den Namen auch verdient und leistungsfähige Verkehrsachsen in der Stadt! Und bis es soweit ist, sind mir bequeme Ledersitze, die Musik die ich hören will, und die Flexibilität loszufahren wann ich will immer noch lieber als meine Zeit in den Öffis zu vergeuden. Feinstaub hin oder her.

Das ist wie beim Passivrauchen : Irgendwann sind Akzeptanz und Toleranz aufgebraucht, und dann kippt die Geschichte. Im übrigen ist ihr Beitrag ein schlagender Beleg dafür, dass es ohne Zwangsmaßnahmen nicht gehen wird, auch wenn man sich im Verkehrsministerium heute noch zu zieren scheint. Hätte man vor zehn Jahren damit begonnen ein leistungsfähiges und preisgünstiges System von öffentlichem Regional- und Nahverkehr aufzubauen, mit zahlreichen kostenlosen Park & Ride Plätzen rund um Stuttgart, anstatt in eine zehn Milliarden teure ICE Haltestelle zu investieren, die zahlreichen Pendler aus dem Umland sähen sich nicht mit den Problemen konfrontiert, die sie in naher Zukunft zu vergegenwärtigen haben.

Investitionen: Die notwendigen Investitionen sind aber erstens unterblieben und zweitens wäre selbst mit diesen Investitionen die Stadt noch verstopft. Jetzt die Situation auf dem Rücken der Pendler auszutragen ist schlicht falsch. Dann würden noch mehr Menschen in die Stadt ziehen, die Feinstaubgeplagten würden jammern das die Preise für das Wohnen steigen und so weiter. Die Fahrverbote sind doch einfach nicht nachhaltig, das sind wieder Hirngespinste von "Umweltschützern" die scheinbar den Sinn für die Realität verloren haben. Wie bereits erwähnt: Wem die Luft in der Stadt nicht passt, der soll doch aufs Land ziehen.

Obwohl ich breit bin, auf das Auto zu verzichten: Es müssen ALLE Faktoren betrachtet werden, die zur häufigen Überschreitung der Grenzwerte in Stuttgart führen. Besonders stark wirkt sich aus, dass Stuttgart in einem Kessel liegt und das muss in der Stadtplanung berücksichtigt werden. Einkaufszentren in den Kessel zu bauen, die das erklärte Ziel haben, Kunden und damit Verkehr aus dem Umland anzulocken, ist ein Unding. Generell muss nicht immer noch mehr in den Kessel gebaut werden, dort sind Frischluftschneisen, Bäume und Grün wichtig.

nein, liebe Frau Neul, Sie sind keineswegs "breit", sondern treffen die Sache vielmehr auf den Punkt: wir brauchen im Kessel keine neuen Milaneos, Gerbers, Primarks oder Kongresszentren, sondern eine sinnvolle Entlastung der Innenstadt und wirklich mehr Frei- und Grünflächen, anstatt weiter alles zuzupflastern.

"breit": ist ein Schreibfehler, sollte eigentlich bereit heißen.

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