Felix Sturm Boxen auf die eigene Rechnung
Heiko Hinrichsen, 19.02.2011 15:17 Uhr
Felix Sturm steht im Regen, im Konfettiregen. Foto: ddp
Felix Sturm steht im Regen, im Konfettiregen. Foto: ddp
""Ich brauche keine Millionen auf dem Konto, sondern bin glücklich mit dem, was ich habe.""
Felix Sturm zu seiner neuen Rolle im Boxen

Stuttgart - Die Basis für das eigene Boximperium ist der feste Glaube an sich selbst gewesen. Denn Felix Sturm hat seinen Traum nie aus den Augen verloren. "Ich hätte auch die sichere Schiene fahren können", sagt der Profi, "aber dann hätte ich mich mein Leben lang geärgert. Ich wollte den Mut haben, etwas zu machen, was sich die anderen nicht trauen."

Also tritt am Samstagabend in der Stuttgarter Porsche-Arena zur WBA-Titelverteidigung im Mittelgewicht gegen den US-Kämpfer Ronald Hearns (22.15 Uhr/Sat 1) mit dem Boxer Felix Sturm auch der Veranstalter Felix Sturm in den Ring. Es ist nach dem einstimmigen Punktsieg im September über Giovanni Lorenzo vor 18.700 Besuchern in Europas größter Halle, der Kölner Lanxess-Arena, das zweite Mal, dass der Leverkusener als Chef der Felix-Sturm-Boxpromotion auf eigene Rechnung boxt.

Sat 1 hat Sturms Engagement verlängert


Schließlich war es der Jungunternehmer, der am 31. Januar 1979 unter dem bürgerlichen Namen Adnan Catic zur Welt kam, eines Tages leid gewesen, lediglich auf der Gehaltsliste seines Förderers und Promoters Klaus-Peter Kohl von der Hamburger Universum-Boxpromotion zu stehen. "Es kann nicht sein, dass der Veranstalter Kohl mit dem Manager Kohl meine Börse aushandelt", sagte der Boxer im Juli 2009 - und wollte Universum nach seinem Sieg gegen Khoren Gevor am Nürburgring daher verlassen.

Doch so einfach ließ ihn Kohl, ganz gewitzter hanseatischer Kaufmann, nicht ziehen. Nach einem längeren juristischen Hin und Her war der Mittelgewichtler, der nach einer erfolgreichen Amateurkarriere im Jahr 2000 bei Universum in Hamburg-Wandsbek seine Profikarriere gestartet hatte, dann aber frei: Allerdings soll es den Boxer rund 950.000 Euro gekostet haben, per gerichtlichem Vergleich seinem ehemaligen Mentor und dessen einseitiger Option auf eine Vertragsverlängerung zu entfliehen. "Es hat einer Ablöse und einiger Anwälte bedurft", sagt Sturm heute, "doch am Ende war ich glücklich und frei."

Einen Partner, an dessen Seite er seinen Status als zweite große Marke auf dem deutschen Boxmarkt hinter den Klitschkos festigen kann, hatte Felix Sturm schnell gefunden: Weil sein Solodebüt gegen Giovanni Lorenzo mit 5,3 Millionen Boxfans ein Quotenerfolg im Fernsehen war, hat der Sender Sat 1, der mit dem Faustkämpfer einen Martkanteil von 28,2 Prozent einfuhr, sein Engagement verlängert. Nach dem Duell in Stuttgart wird der junge Familienvater im Juli definitiv wieder in Köln boxen und bei Sat 1 zu sehen sein. Auch ein boxerisches Gastspiel in der Wüste Dubais ist angedacht. Und doch ist das Unternehmen Sturm extrem erfolgsabhängig. Denn eine Niederlage und der damit verbundene Verlust des Weltmeistergürtels wären äußerst geschäftsschädigend.

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