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Fellbach Zug um Zug in eine eigene Welt
Simone Käser, 22.02.2012 00:00 Uhr
Spielen gegen das Vergessen: Beim Mensch-ärgere-dich-nicht ist Peter K.  fit. Foto: Archiv
Spielen gegen das Vergessen: Beim Mensch-ärgere-dich-nicht ist Peter K. fit. Foto: Archiv
"Wir kennen uns seit 57 Jahren, da merkt man wenn sich was verändert"
Ilse K. über ihren demenzkranken Mann

Fellbach - Beim Spiel Mensch-ärgere-dich-nicht macht ihm keiner was vor. Peter K. (Namen von der Redaktion geändert) rückt sein rotes Hütchen sechs Felder weiter: „Ich gewinne immer“, sagt er. Doch im wahren Leben sieht es anders aus. Da verliert der 77-Jährige – und zwar sein Gedächtnis.

Im Jahr 2006 wurde bei Peter K. Altersdemenz diagnostiziert. Die Zeit davor schickte viele Zeichen. Immer wieder hatte seine Ehefrau Ilse K. gespürt, dass etwas nicht stimmt: „Wir kennen uns seit 57 Jahren, da merkt man, wenn sich was verändert.“ Sie habe es nicht an bestimmten Dingen festmachen können, er sei einfach nicht mehr der Alte gewesen. Seitdem heißt es für Ilse K., alles alleine machen. „Ich bin rund um die Uhr gefordert, kann meinen Mann nie sich selbst überlassen.“

Die Betreuerin des Besuchsdienstes war ein Glücksgriff

Hilfe wollte die rüstige Seniorin nicht annehmen. Erst auf die Bitten der Tochter ließ sich Ilse K. dazu überreden, einmal in der Woche den Besuchsdienst des Evangelischen Vereins zu nutzen. Und die Mitarbeiterin der Fellbacher Diakoniestation war ein Glücksgriff – da sind sich Peter und Ilse K. einig. „Ich habe die Tür aufgemacht, sie gesehen und gewusst, dass es passt“, sagt Ilse K.. Ihr Ehemann nickt zur Bestätigung mit dem Kopf. Es sei „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen.

Ein Dienstagnachmittag in der Oeffinger Wohnung. Peter und Ilse K. machen sich ausgehfertig. Doch die beiden haben unterschiedliche Ziele. Während er mit seiner Betreuerin einen Spaziergang machen will, nutzt sie die Zeit, um ohne Druck einkaufen zu gehen. Für solche Entlastungen ist der Besuchsdienst gedacht. „Der pflegende Angehörige darf nicht überfordert sein. In den zwei bis drei Stunden, in denen ein Betreuer da ist, können Erledigungen gemacht und kann durchgeschnauft werden“, erklärt Ursula Bolle, Diakonin des Evangelischen Vereins. Bei der Betreuung gehe es dabei weniger um die medizinische Versorgung als vielmehr um gemeinsame Aktivitäten mit dem Demenzkranken.

Das Ehepaar hat es trotz seiner Krankheit schön miteinander

Wenn Peter K. und sein Besuch vom Evangelischen Verein zusammensitzen, ist ihr Lachen bis ins andere Zimmer zu hören. Die beiden kommen gut miteinander klar und reden gern über alte Zeiten. Während Peter K. erzählt, wie seine Mutter mit ihm und den drei Geschwistern im Winter aus Ostpreußen geflüchtet ist, streicht seine Hand immer wieder über die längst glatte Tischdecke. Die wachgerufenen Erinnerungen schmerzen. Tränen glitzern in den Augen. Doch dann, als wären die Minuten davor wie weggewischt, ruft er plötzlich „Ach ist das Leben schön.“ Er nimmt die Ehefrau in den Arm und seine ganz eigene Welt ist wieder in Ordnung.

Das Ehepaar, das erst vor rund einem Jahr von Schwäbisch Gmünd nach Oeffingen gezogen ist, hat es trotz Peter K.s Erkrankung noch schön miteinander: „Er ist ein braves Kind und wird nie aggressiv“,, sagt Ilse K. Ihre Erdgeschosswohnung bezeichnet sie als Glücksgriff. „Jetzt habe ich es leichter mit der Schlepperei, die Wohnung war ein Geschenk vom Himmel.“

Info: Wer Interesse an einer Mitarbeit beim Besuchsdienst hat, kann sich bei Ursula Bolle, Telefon 0711/ 58  56  76  33 melden. Angehörige, die den Besuch der geschulten Betreuer wünschen, können sich auch melden.
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