Fernomnibusbahnhof Stuttgart Busse sollen am Flughafen halten
Thomas Braun, vom 10.03.2010 13:24 Uhr
Der Omnibusbahnhof am Schlossgarten muss Stuttgart 21 weichen. Als Ersatz ist unter anderem ein Standort am Flughafen im Gespräch. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat gestern das Aus für den geplanten Fernomnibusbahnhof-Standort Vaihingen einstimmig besiegelt. Sowohl die Grünen als auch die CDU favorisieren nun einen Standort am Flughafen, die SPD fordert einen neuen Suchlauf.
Zu Beginn der Debatte erinnerte der Baubürgermeister Matthias Hahn daran, dass es 2008 noch eine komfortable Mehrheit für das Projekt nahe des Vaihinger S-Bahnhofs gegeben habe. "Die Kommunalwahl hat da einiges verändert", so Hahn. Gleichwohl halte er es persönlich für einen Fehler, den Standort Vaihingen aufzugeben. Dieser habe sich beim ersten Suchlauf als der beste Ersatz für den zentralen Omnibusbahnhof am Schlossgarten herausgestellt, der bekanntlich dem neuen Stuttgart-21-Tiefbahnhof weichen soll.
Doch trotz Hahns Beteuerungen, es handele sich bei den zu erwartenden maximal 2000 Reisenden und bis zu 300 Busfahrten an Spitzentagen im Vergleich zum derzeitigen Passagier- und Verkehrsaufkommen um eine "vernachlässigbare Größe", wollte ihm die Ausschussmehrheit nicht folgen. Ausschlaggebend dafür war die Kehrtwendung der CDU-Fraktion, die im Vorfeld der Sitzung erklärt hatte, sie lehne den bisher von ihr befürworteten Standort in Vaihingen ab. Weil sich Grüne, SPD und SÖS/Linke dem vierspurigen Ausbau der Nord-Süd-Straße verweigert hätten, sei eine effiziente Verkehrsführung des Busverkehrs zu den neuen Terminals nicht mehr möglich, so CDU-Stadtrat Jürgen Sauer.
OB soll Bushalt zur Chefsache machen
Stattdessen müsse ein erneuter Suchlauf vor allem den Flughafen ins Visier nehmen, forderte Sauer. Dort böte sich aus Sicht der CDU etwa ein Standort auf dem Gelände des alten Frachthofs an. Sauer forderte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster auf, die Angelegenheit zur Chefsache zu machen und Gespräche mit seinem Amtskollegen Roland Klenk aus Leinfelden-Echterdingen und den beiden Geschäftsführern des Flughafens zu führen.
Grünen-Fraktionschef Werner Wölfle betonte ebenso wie SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker, die Stadt brauche eigentlich keinen neuen Busbahnhof, da Stuttgart21 noch nicht in trockenen Tüchern sei. Die Grünen sähen sich aber nach dem Aus für Vaihingen in der Verantwortung dafür, dass die provisorischen Busstandorte Obertürkheim und Zuffenhausen nicht zu Dauereinrichtungen werden. Deshalb hätten sie eine Befristung der Provisorien auf maximal fünf Jahre durchgesetzt. Im Übrigen halte er einen von seinem Parteifreund, Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter-Murawski, ins Gespräch gebrachten Busbahnhof am Flughafen - etwa auf dem Parkplatz P0 - "nicht für abwegig", so Wölfle.
Wenig Freude am Flughafen
Die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind mahnte einen neuen, ergebnisoffenen Suchlauf an. Dieser müsse auch die geplante europaweite Liberalisierung des Busverkehrs berücksichtigen, die zu einem höheren Verkehrsaufkommen führen werde. Laut Günter Stübel (FDP) sind die Pläne für den Busbahnhof in Vaihingen vor allem deswegen gescheitert, weil der Zubringerverkehr der Busreisenden für den Stadtbezirk unzumutbar gewesen wäre. Auch die beste Nahverkehrsanbindung nütze da nichts, weil "die Kroaten mit ihren Plastiktüten eben nun mal nicht mit der S-Bahn zum Busterminal kommen".
Am Flughafen und in Leinfelden-Echterdingen zeigt man sich indes wenig erfreut über die Idee, die Stuttgarter Probleme auf fremder Gemarkung zu lösen. Flughafensprecher Volkmar Krämer empfahl den Stadträten, sich mit den Planungen rund um den Airport vertraut zu machen: "Der Parkplatz P0 fällt durch die Westerweiterung weg; das Gelände des alten Frachthofs brauchen wir selbst als Ersatzfläche, weil dort in unmittelbarer Nähe die Baustelle für Stuttgart 21 eingerichtet wird."
Für OB Roland Klenk gleicht das Stuttgarter Vorgehen einem unfreundlichen Akt: "Ich hatte gehofft, dass unsere Kooperation in anderen Bereichen der Kommunalpolitik Schule machen würde."
Indizien gefunden:
1) „Nach Informationen des Immobilienbrief Stuttgart (Nr. 53 vom 9.3.10) gibt es einen weiteren Grund: Damit die Busse den FOB hätten anfahren können, wären von einem Nachbargrundstück einige Quadratmeter benötigt worden. Der Eigentümer wollte nicht verkaufen, ein Enteignungsverfahren hätte Jahre gedauert.„
2) Ende Dezember09 wurde das Entwidmungsverfahren eingeleitet, offenbar zeitnah zum Umschwenken der CDU-Ratsfraktion. Gibt es da auch kausale Verbindungen zu Hochtief/Aurelis, die ihre stadtplanerisch unverträgliche Planung von 2005 (ohne FOB) durchsetzen will?
3) Auf dem CDU-Neujahrsempfang am 12.1.10 wurde zum Thema orakelt
"Meiner Meinung nach sollte man das Projekt nicht weiter verfolgen", ergänzte Schrempf.“ – Filder-Zeitung vom 14.01.10. Durfte oder konnte er nicht mehr sagen?
Kann ein Informierter oder Interessierter mehr Licht in das Dunkel bringen?
MRZ
10
19:37 Uhr, geschrieben von Schmidt
der jetzige ZOB muß doch erstmal
gar nicht geschlossen werden, so lange nicht gebaut wird, könnte er doch erstmal einige Monate noch genau da bleiben wo er seit vielen vielen Jahren ist, neben dem Kopfbahnhof, Straßenbahn, S-Bahn. Direkter Anschluß!
MRZ
10
18:06 Uhr, geschrieben von Interessierter
Wir wollen bei der Wahrheit bleiben
"stuggiwatcher,
10.03.2010
Vai252 - erledigt
Der CDU-Ratsfraktion dürfte nicht entgangen sein, dass für das geplante FOB-Bebauungsverfahren bei einer Wiedervorlage im UTA mit den neuen Mehrheitsverhältnissen die Signale auf Rot gestanden hätten. FW-Stadtrat Fahrion stimmte am 9.3. gegen den FOB in Vaihingen, unverändert gegenüber der UTA-Abstimmung im Juni 2008 (und entsprechend der Aussage auf seiner Homepage). Auch bei Ablehnung durch die CDU hätte es dann gestern 9:8 gestanden für die Einstellung des Bebauungsplanes. Die eigentliche Motivation der CDU zu ihrem Umschwenken lässt Raum für Spekulationen."
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2400130_sz_hier_artikel_9223_-cdu-laesst-fob-platzen.html?_suchtag=2010-02-25
Es ist in Vaihingen schon seit Anfang/Mitte Januar bekannt, das die CDU den FOB nicht mehr weiterverfolgt. Ohne Nord-Süd-Straße macht ein FOB in Vaihingen eingeschränkt Sinn. Irgend wann wird das auch Frau Blind vertehen - aber wenn man die Möhringer Brille auf hat! :-)
"stuggiwatcher,
10.03.2010
ZOBS21
Die Bahn soll ja immer noch mit einem Degerlocher Architekten in Kontakt sein betreff unteridischem ZOB auf dem A1-Areal. Aber Stadt und Bahn kommunizieren ja nicht miteinander.
Werner Wölfle in der Stuttgarter Zeitung vom 10.06.2009 zum Wahlerfolg: "weil die Vaihinger den Fernomnibusbahnhof dort nicht wollen. Da werden wir reagieren"
Es bedurfte der Initiative von IgFOB-Vaihingen und SÖS/Linke, das Thema endlich wieder im Rathaus auf die Tagesordnung zu bringen."
IgFOB - und nun, was jetzt?
Herr Wölfle und Frau Blind haben den FOB beerdigt - in dem Sie das Wasser abgegraben haben. Der Todesstoß kam von der CDU!
Nur jetzt kommt der "hirnverbrannte" Vorschlag mit dem Flughafen. Laut Filderzeitung hat Herr Murawski einen noch härteren Vorschlag:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2408245_sz_hier_artikel_9223_-schuster-laesst-jetzt-fob-am-airport-pruefen.html?_suchtag=2010-03-04
"Auf dem Fasanenhof hat der Verwaltungsbürgermeister Parkplätze nahe der künftigen Stadtbahn-Haltestelle im Gewerbegebiet im Blick. Die darüber verlaufenden Hochspannungsleitungen sieht er nicht als K.o.-Kriterium für eine Überprüfung an."
Herr schmeiß' Hirn ra'!
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