Fernsehkritik zum "Tatort"
Fusionen kosten Opfer
Adrienne Braun,
10.01.2011 07:55 Uhr
Kommissar Ballauf (Mitte) muss diesmal herausfinden, wer den Unternehmensberater eines kriselnden Zeitungsverlages ermordet hat. Foto: dpa
Köln - Man kann verstehen, dass Kommissar Ballauf fasziniert ist von der schaurig-schönen Welt der Rita Landmann (Claudia Michelsen). Allein die Sprache der Unternehmensberaterin ist köstlich grausam: um Managementconsultants und Topperformer geht es, Optimierung und Kreativlösungen. "Unter Druck" ist ein spannender Ausflug in die Verlagswelt, in ein Milieu, in dem Karrieristen unter dem Vorwand der Effizienzsteigerung ihren krankhaften Narzissmus ausleben. Man geht über Leichen: Beim "Abendblatt" sollen Betriebsmittel freigestellt werden, wer auf der "Fit-for-Fusion-Liste" steht, verliert seinen Job. Als es eine echte Leiche gibt, werden die Generalsanierer nervös, der Tote wurde ihnen ins Entree gekübelt. Es ist einer der Unternehmensberater.
"Ein überheblicher Arsch" soll er gewesen sein, aber auch ein Überflieger und Künstler - richtig schlüssig fügt sich das Bild des Toten nicht. Die Verlagswelt mit ihren Fusionen ist kompliziert, dieser "Tatort" auch. Jeder kocht sein Süppchen, gewürzt mit Liebeleien: Die junge Dame aus der Anzeigenabteilung hatte ein Verhältnis mit dem Toten, und die Ermittler verstricken sich in einem Motivwirrwarr aus Eifersucht und gekränkter Eitelkeit.
Am Ende war es doch der Geschäftsführer, aber es wirkt unglaubwürdig, dass er gemordet hat, um die Fusion allein durchziehen zu können. Zum Trost gibt es nicht nur tolle Ausblicke auf Köln, sondern auch interessante Einblicke in die Intrigen, die es in den Verlagshäusern dieser Republik vermutlich auch gibt. Macht hat ihren Preis, und nach den Ermittlungen bleibt die Gewissheit, dass diese Topperformer trotz Jetset und Hotelsuiten kein Glück finden - und es die sympathischen Herrschaften von der Polizei mit ihrem Würstchen nach Feierabend allemal besser haben.
"Ein überheblicher Arsch" soll er gewesen sein, aber auch ein Überflieger und Künstler - richtig schlüssig fügt sich das Bild des Toten nicht. Die Verlagswelt mit ihren Fusionen ist kompliziert, dieser "Tatort" auch. Jeder kocht sein Süppchen, gewürzt mit Liebeleien: Die junge Dame aus der Anzeigenabteilung hatte ein Verhältnis mit dem Toten, und die Ermittler verstricken sich in einem Motivwirrwarr aus Eifersucht und gekränkter Eitelkeit.
Klar verteilte Sympathien
Am Ende war es doch der Geschäftsführer, aber es wirkt unglaubwürdig, dass er gemordet hat, um die Fusion allein durchziehen zu können. Zum Trost gibt es nicht nur tolle Ausblicke auf Köln, sondern auch interessante Einblicke in die Intrigen, die es in den Verlagshäusern dieser Republik vermutlich auch gibt. Macht hat ihren Preis, und nach den Ermittlungen bleibt die Gewissheit, dass diese Topperformer trotz Jetset und Hotelsuiten kein Glück finden - und es die sympathischen Herrschaften von der Polizei mit ihrem Würstchen nach Feierabend allemal besser haben.
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Die Welt die wir schufen und leise akzeptieren
Das war ein toller Tatort. Was da richtig gut zu sehen war, mit welch einer schizophrenen Arroganz Firmen und lebende Menschen geleitet werden. Nur der Profit zählt. Eine Beerdigung wurde absichtlich nicht gespielt? Gnadenlos und gefühlskalt ist unsere Berufswelt geworden, in der wir leben. Zeit um viele Dinge langsam zu ändern, oder? Still genehmigen wir den Chefetagen, den Suchtzockern mit uns zu machen, was denen gerade heute oder morgen an Neuerung in den Sinn kommt. Prostitution des täglichen Berufslebens eben! Spaß macht das doch nicht mehr.