Festival-Veranstalter kritisieren Ludwigsburger Verwaltung Rock gegen Rechts wird abgesagt

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Weil kein passendes Gelände zur Verfügung steht, wurde das Ludwigsburger Festival Rock gegen Rechts jetzt abgesagt. Die Veranstalter üben massive Kritik an der „Hinhaltetaktik“ der Stadtverwaltung.

Mehrere Bands und Hunderte Besucher feierten im vergangenen Jahr auf dem Schulcampus – und demonstrierten damit gleichzeitig gegen Rassismus. Foto: factum/Archiv
Mehrere Bands und Hunderte Besucher feierten im vergangenen Jahr auf dem Schulcampus – und demonstrierten damit gleichzeitig gegen Rassismus.Foto: factum/Archiv

Ludwigsburg - Punk, Ska, Reggae, Hip-Hop – Rock gegen Rechts ist eine junge Veranstaltung für eine junge Zielgruppe. Allein schon deshalb fällt das Festival aus dem Rahmen, denn der Ludwigsburger Veranstaltungskalender ist geprägt von Hochkultur, ernster Musik, von Schlossfestspielen, Theatersommer, barocker Unterhaltung. Das alles ist toll und teilweise herausragend, aber Rock gegen Rechts ist anders. „Eine kulturelle Bereicherung“ – so drückt es das Rathaus aus.

Eben dieses Rathaus hat nun massiven Zorn auf sich gezogen. Nach langen und gescheiterten Verhandlungen über ein passendes Gelände haben die Veranstalter am Donnerstag das Ein-Tages-Festival abgesagt. Man sei von der Stadt „monatelang nur hingehalten“ worden, heißt es in einer Erklärung. Nun könne man die schon vor Monaten angefragten Bands nicht mehr länger vertrösten und müsse die Reißleine ziehen. Die Stellungnahme endet mit einem Appell: „In einer Zeit, in der die AfD zweistellige Umfragewerte hat und fast täglich Flüchtlingsunterkünfte brennen, ist es wichtig, dass wir an einem Strang ziehen und solch ein Event künftig nicht mehr an bürokratischen Hürden scheitert.“

Esther Bejarano sollte der Stargast sein

Das Festival war in den 1990er Jahren ins Leben gerufen worden, anfangs fanden die Konzerte in Bietigheim-Bissingen statt, später in Ludwigsburg. Unter den Organisatoren sind Mitglieder der Jugendorganisationen von Grünen, SPD und Linken, zu den Unterstützern zählen Gewerkschaften, die Amadeu-Antonio-Stiftung, Attac und das Demokratische Zentrum. Mehrere Hundert Teilnehmer kamen 2015 zu der Streetparade und den anschließenden Konzerten auf dem Innenstadtcampus, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Das diesjährige Festival sollte am 16. Juli über die Bühne gehen, und diesmal hatte das Team neben zahlreichen jungen Bands einen prominenten Namen für das Line-Up gewonnen: Esther Bejarano. Die 1924 geborene deutsch-jüdische Musikerin spielte einst im Mädchenorchester von Auschwitz, überlebte das Vernichtungslager und gründete später in Hamburg eine Gruppe, die sich auf jüdische und antifaschistische Lieder spezialisiert hat. Bejarano ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und weiterer Auszeichnungen, für Rock gegen Rechts war sie quasi als Stargast vorgesehen.

Vier Monate liegen zwischen der Anfrage und der Absage

Weil das Goethegymnasium umgebaut wird, steht der Campus diesmal nicht zur Verfügung. Weshalb sich das Organisationsteam nach eigenen Angaben bereits im Oktober bei der Stadt nach einem Alternativstandort erkundigte. Seither habe man nur schwammige Antworten erhalten – bis zu einem abschließenden Gespräch vor wenigen Tagen, worin das Rathaus mitteilte, dass wegen mehrerer Parallelveranstaltungen am 16. Juli kein Platz für Rock gegen Rechts in der City sei.

Vor allem der lange Zeitraum zwischen der Anfrage und der Absage erzürnt die Veranstalter. „Ein frühes Nein wäre besser gewesen“, sagt der Linken-Stadtrat Oliver Kube. Stattdessen habe man lange in der Luft gehangen, und nun sei es zu spät. In der offiziellen Stellungnahme heißt es: „Wir wissen, dass sich im Sommer viele Veranstaltungen häufen, und haben Verständnis, dass Rücksprachen ihre Zeit brauchen. Aber vier Monate? Wohl kaum.“

Die Stadt bedauert die Verzögerungen

Die Stadt hat bereits auf die Kritik reagiert. „Wir bedauern, dass die Bearbeitung der Anfrage so lange gedauert hat“, sagt die Sprecherin Meike Wätjen. Der Grund für die Verzögerungen seien die „erforderlichen Abklärungen unter anderem bezüglich der Baustellenlogistik“ gewesen. Mit dem Inhalt der Veranstaltung, die seit Jahren von der Stadt unterstützt werde, habe dies nichts zu tun.

Genau das bezweifeln die Veranstalter, was auch daran liegt, dass offenbar schon das Festival 2015 beinahe an der Platzfrage und komplizierten Verhandlungen gescheitert wäre. „So etwas kann einmal doof laufen“, sagt Kube. „Aber wenn es jetzt wieder so doof läuft, kann man nur spekulieren, warum das so ist.“ Das Team will nun das Beste aus der Situation machen und wenigstens mehrere kleinere Events auf die Beine stellen. „Wir hoffen, dass Esther Bejarano trotzdem nach Ludwigsburg kommt.“ Die Stadt hat am Donnerstag angekündigt, dass sie bei „der Suche nach einer Location behilflich sein“ will.

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3 KommentareKommentar schreiben

Wie wäre es statt dessen mit Rock gegen Links ?

Die AfD mit brennenden Flüchtlingsheimen: in Verbindung zu bringen, halte ich für infam. Insofern betrachte ich die Absage dieses sogenannten "Festivals" nicht als Verlust.

bei dem hass den die afd verbreitet: sind sie zumindest nicht ganz unschuldig

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