Feuerwehren im Stuttgarter Norden Die Feuerwehr schlägt Alarm

Von unserer Redaktion 

Einige Freiwillige Feuerwehren im Stuttgarter Norden haben drängende Probleme.

Übungseinheiten, wie hier in einem leerstehenden Haus in Weilimdorf, sind fester Bestandteil der Ausbildung der Feuerwehr. Foto: Archiv
Übungseinheiten, wie hier in einem leerstehenden Haus in Weilimdorf, sind fester Bestandteil der Ausbildung der Feuerwehr. Foto: Archiv

Stuttgarter Norden - Für die Freiwillige Feuerwehr muss im kommenden Doppelhaushalt mehr getan werden. Da sind sich die Stadträte einig. „In den vergangenen Jahren wurde immer wieder deutlich, dass es gewissen Unmut in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr gibt“, schreiben die Freien Wähler in einem Antrag. „Und zwar deshalb, weil die Feuerwehrleute bei der Erledigung ihrer eigentlichen Aufgaben von der Stadt nicht in ausreichendem Maße unterstützt wurden.“

Das merkte man auch Dietmar Weber, dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Weilimdorf, an, als er jüngst im Bezirksbeirat zu Gast war. Vorneweg setzte Weber die positive Entwicklung bei der Zahl der Aktiven, die im vergangenen Jahr trotz Abgängen von 58 auf 62 gestiegen war. Dabei betonte der Kommandant: „Wir leben aus unserer derzeit 27 Mitglieder starken Jugendfeuerwehr heraus, aus der im Jubiläumsjahr sechs zu den Aktiven gewechselt sind.“ Doch leider sei die Situation bei Aus- und Fortbildung „nicht mehr so wie sie sein sollte“. Es sei „ein Armutszeugnis für eine Landeshauptstadt, wenn wir unsere Leute zur Ausbildung in den Landkreis schicken müssen“. Und sein Stellvertreter Heiko Schroff ergänzte: „Wir haben in den letzten Jahren das Problem, dass wir am Stuttgarter Aus- und Fortbildungszen­trum (AFZ) wegen Personalmangel dort nicht genügend Plätze bekommen.“ Deshalb musste die Wehr für Grundausbildungen nach Gerlingen ausweichen. Darüber hinaus „warten 15 Leute auf ihre Ausbildung beim Atemschutz“.

Probleme im Fahrzeugbestand

Verschärft wird die Situation durch den Umstand, dass aufgrund technischer Probleme im Fahrzeugbestand der Berufsfeuerwehr zum Ausgleich bei den Freiwilligen Wehren Fahrzeuge abgezogen werden. Das trifft auch die hiesigen Floriansjünger, die in 2015 ein neues Löschfahrzeug bekommen hatten: „Tatsächlich haben wir aber 50 Prozent weniger Löschfahrzeuge“, stellte Weber fest und ergänzte: „Sie sollen mit 50 Leuten eine Übung machen, haben aber nur neun Plätze. Das geht nicht!“ Zudem habe die Wehr auch dieses Jahr „schon ein paar Mal in der Innenstadt unsere Berufsfeuerwehr vertreten müssen“. Man sei also „kein Verein, der aussuchen kann, was er macht oder nicht macht. Unsere Aufgabe ist die Sicherung des Grundschutzes“, und da sei „die Fahrzeugsituation unser Problem“. Dabei sei „ja Geld vorhanden. Die Fahrzeuge können aber nicht bestellt werden, weil bei der Stadt, sowohl bei der Branddirektion wie auch beim Hochbauamt, das nötige Personal fehlt“.

Eine Problemlage, die auch die Beseitigung der Baumängel am 2008 fertiggestellten Feuerwehrgebäude verhindere, wie Schroff erläuterte: „Die Sache liegt beim Hochbauamt. Die Fassade wurde notdürftig fürs Jubiläum im vergangenen Jahr repariert. Das Schimmelproblem im Innern ist aber immer noch nicht beseitigt.“ Hinzu komme ein weiteres Problem: „Unser Haus war das letzte in der Stadt, das noch mit einer Sondergenehmigung ohne Abgas-Absaugung gebaut werden durfte“, stellte Schroff fest und betonte: „Platz dafür wäre da. In der aktuellen Situation müssen wir jedes Vierteljahr einmal den Feinstaub herunterputzen.“ Dass mit der fehlenden Absaugung der Abgase noch ein viel gravierenderes Problem verbunden ist, ging in der zurückhaltenden Darlegung von Schroff fast unter, als er anfügte: „Wir hoffen, dass wir beim Gesundheitsschutz was machen können.“ Weber führte noch die „niedrige Ersatzpauschale“ von zwölf Euro pro Stunde an, wenn Feuerwehrleute vom Arbeitsplatz weggerufen werden. Auch, dass die Wehr „die Halle für unseren Sport selbst zahlen muss“. Als Fazit stellte er fest: „Es wird immer schwieriger, unsere Leute zu motivieren.“ Womit der Part wieder bei Schroff lag: „Wir haben wenig Gehör bekommen die letzten Jahre. Trotzdem ist die Motivation noch da. Unsere Aufgabe ist es, für die Sache zu kämpfen.“

Ältestes Auto hat 24 Jahre auf dem Buckel

Auch Udo Lorenz, der Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Zazenhausen, ist frustriert. „Die Feuerwehr ist kein Verein, sondern die Pflichtaufgabe der Gemeinde“, sagt er in Richtung Politik und Verwaltung. Nach wie vor habe das Feuerwehrhaus an der Landsknechtstraße keine Absaugvorrichtung für die Abgase der Einsatzfahrzeuge. Und aus deren Auspuffanlagen kommen eine Menge Schadstoffe. Das älteste Auto hat 24 Jahre auf dem Buckel, immerhin soll es im Laufe des Jahres 2018 ersetzt werden. Das am meisten eingesetzte Fahrzeug hingegen, ein Mercedes Diesel Baujahr 2000, wird wohl noch viele Kilometer abspulen müssen. Lorenz beklagt, dass es seitens der Branddirektion keinerlei Konzept gebe, wann dieser und andere elf baugleiche Wagen in Stuttgart ersetzt werden. Was die Ausbildung der Floriansjünger angeht, sieht Lorenz die Sache genauso wie seine Kameraden aus Weilimdorf. Gerade für junge Feuerwehrleute sei es frustrierend, wenn sie nicht ordentlich ausgebildet werden könnten. Dank der guten Nachwuchsarbeit in Zazenhausen habe man momentan aber noch keine ernsthaften Nachwuchssorgen.

Während einige Kommandanten allen Grund zum Klagen haben, findet Frank Epple von der Freiwilligen Feuerwehr Botnang derzeit eher lobende Worte für die Stadt: „Wir haben vergangenes Jahr viele Punkte angestoßen, die im Argen lagen. Und vieles wurde nun in Angriff genommen.“ Eine Abgas-Absauganlage wurde installiert, an der Ausstattung habe sich einiges verbessert und „nächste Woche bekommen wir sogar noch ein neues Fahrzeug“, freut sich Epple. „Das sind positive Signale.“

Budget für Fahrzeuge soll aufgestockt werden

Für Christian Frey, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Stammheim, hat sich durch die Inbetriebnahme des neue Stammheimer Feuerwehrmagazins die räumliche Situation, wie er betont, „um Welten“ verbessert: „Allein die Fahrzeughalle im jetzigen Gebäude ist von der Fläche her etwa so groß wie das komplette frühere Feuerwehrhaus.“ Ein Problem sei allerdings der „total veraltete Fahrzeugbestand“. Aus den Baujahren 1983, 84 und 94 stammen die Stammheimer Löschfahrzeuge. „Doch Abhilfe ist in Sicht, in Kürze bekommen wir ein neues Fahrzeug“, so Frey.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn und die Stadträte haben erkannt, dass bei der Freiwilligen Feuerwehr mehr getan werden muss. Unter anderem soll das Budget für die Fahrzeuge aufgestockt werden, es soll neue Dienstbekleidung geben und es soll ein größeres Budget für die Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit geben. „Wir hoffen, dass die Feuerwehr im neuen Haushalt mehr unterstützt wird als jemals zuvor“, betonte Heiko Schroff.

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