Auch wenn in den vergangenen Tagen am Tunnelmund vor dem Rathaus zahlreiche Feuerwehrautos zu sehen waren, musste sich doch keiner der verwunderten Passanten Sorgen machen: Die Brandbekämpfer der Feuerbacher Wache 4 haben sich mit den Gegebenheiten in der Röhre vertraut gemacht, um im Notfall schneller helfen zu können.
"Es ging vor allem darum, die Kollegen für den Tunnel fit zu kriegen", sagt Denis Winter von der Feuerbacher Berufsfeuerwehr. Alle drei Wachabteilungen seien jeweils einen Tag im Einsatz gewesen. Dabei wurden unter anderem Rettungswege in Augenschein genommen, Kommunikationsmittel getestet und die Sicherheitstechnik inspiziert. Ausprobiert wurde auch eine neue Stoßtrupptechnik: Im Notfall erkunden vier Mann mit Langzeitatemschutz die genaue Lage. Der liefert, im Gegensatz zum normalen Atemschutz mit 20 Minuten, für rka zwei bis drei Stunden Sauerstoff. "Wir sind hoch zufrieden", fasst Winter das Ergebnis der dreitägigen Übung zusammen. Die Brandschutztechnik entspreche höchsten Standards und erfülle alle Feuerwehr-Forderungen.
Zur Tunneltechnik gehört unter anderem eine Löschleitung, die normalerweise leer ist, damit das Wasser darin nicht gefriert oder sich Bakterien bilden. Im Bedarfsfall kann sie in kurzer Zeit geflutet werden. "Wir hatten innerhalb einer Minute Wasser", sagt Winter. Laut Eberhard Jüngert aus dem Betriebsleiterbüro der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) dauert es maximal fünf bis sechs Minuten, die Leitung komplett zu bewässern. Alle 80 Meter gibt es im Tunnel einen Schlauchanschluss. Die Brandmeldezentralen befinden sich an der Oberfläche, weil sie dort im Notfall besser zugänglich sind.
Der Einsatz in einer Tunnelröhre ist für Feuerwehrleute grundsätzlich mit Erschwernissen verbunden. "Bei einem Brand herrscht enorme Hitze, wegen des Rauchs kann man kaum etwas sehen, die körperliche Belastung ist extrem hoch", sagt Denis Winter. Jeder Feuerwehrmann bekomme eine spezielle Ausbildung für solche Situationen. In Stuttgart habe es zum Glück seit längerer Zeit keinen schlimmen Ernstfall in einem Tunnel gegeben.
Wenn irgend möglich, sollen Stadtbahnen im Brandfall die Röhre so schnell wie möglich verlassen. Erst dann kann der Strom der Oberleitungen abgeschaltet werden und die Feuerwehr in Aktion treten. Für Tunnelbrände gibt es in Stuttgart zwei Spezialfahrzeuge. Solch ein LUF (Lösch-Unterstützungsfahrzeug) rollt auf Raupen und wird ferngesteuert. So müssen Feuerwehrleute im Ernstfall nicht selbst in die Gefahrenzone.

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