Feinstaub in Stuttgart und der Welt In Neu-Delhi gibt’s Rekordwerte

Von Agnes Tandler 

Die Schadstoffwerte in Indiens Metropole haben 2016 wieder Rekordwerte erreicht. Der Jahresdurchschnitt für den Feinstaub lag bei 260 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zulässig sind 40.

Ein Mann macht seinen Morgenspaziergang in einem Park am Rand der vom Smog vernebelten Metropole Delhi. Foto: dpa
Ein Mann macht seinen Morgenspaziergang in einem Park am Rand der vom Smog vernebelten Metropole Delhi.Foto: dpa

Neu Delhi. - Indiens Hauptstadt Neu-Delhi kämpft seit Jahren mit schlechter Luft. Doch alle Maßnahmen sind bislang nur kurzfristig erfolgreich. „Meine Tochter hat chronischen Husten. Natürlich kommt das von der schlechten Luft“, sagt Chitra Biwas, die in der Krishna-Nagar-Kolonie in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi lebt. Ihre 17-jährige Tochter Archisha kämpft mit Atemnot, wann immer sie das Haus verlässt.

Sie ist keine Ausnahme: Atemwegserkrankungen bei Kindern sind in der Megametropole die Regel. In kaum einer Stadt ist die Luft schlechter als in Neu-Delhi. Die 17-Millionen-Metropole gehört zu den wenigen Orten in der Welt, wo es schlechter für die Gesundheit ist, Sport zu treiben, als daheim auf dem Sofa sitzen zu bleiben. Laut einer Studie belastet bereits eine Stunde entspanntes Laufen oder Radfahren den Körper zu sehr, denn wegen der hohen Feinstaubbelastung werden selbst bei moderater Bewegung im Freien die Atemorgane und das Herz-Kreislauf-System geschädigt.

Delhi nimmt den ersten Platz ein

Laut einem Bericht der Umweltorganisation Greenpeace nimmt Delhi bei der Luftverschmutzung unter den indischen Städten den unrühmlichen ersten Platz ein. Die Luft in der Stadt ist so schlecht, dass es bei den Behörden bereits als ein Erfolg gilt, wenn die internationalen Grenzwerte für den gefährlichen Feinstaub nur siebenfach überschritten werden. Während der Smog-Krise im November 2016 lag der Tagesmittelwert für Feinstaubpartikel bei rund 800 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der Grenzwert in Europa liegt bei 50 Mikrogramm. Die winzigen Staubteilchen sind besonders gefährlich, weil sie tief in die Atemwege eindringen und die Lunge nachhaltig schädigen können.

Der Rekord-Smog im November hat auch zu einem hohen Jahresdurchschnittswert geführt: Er lag bei 260 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, zulässig sind 40. Die Regierung hat einschneidende Maßnahmen ergriffen: Kraftwerke in der Nähe der Hauptstadt wurden abgestellt, Baustellen geschlossen und das Autofahren eingeschränkt. Nun hat sich die Situation verbessert. Damit beginnt der übliche Zyklus: Verbessert sich die Luftqualität, werden die Maßnahmen rückgängig gemacht – bis zur nächsten Krise.