Filder Die Schutzgemeinschaft warnt vor Flächenfraß

Von Götz Schultheiss 

Die Schutzgemeinschaft Filder warnt vor erneutem Flächenverbrauch. Ihr stoßen die Pläne der Kommunen sauer auf, neue Wohn- und Gewerbegebiete zu bauen.

Konfliktfeld aus der  Vogelperspektive: Der Flughafen und die Äcker der Landwirte, die eine weitere Versiegelung der Kulturlandschaft Filder befürchten. Foto: TY-Oerny Lunke
Konfliktfeld aus der Vogelperspektive: Der Flughafen und die Äcker der Landwirte, die eine weitere Versiegelung der Kulturlandschaft Filder befürchten.Foto: TY-Oerny Lunke

Filder - Die Schutzgemeinschaft Filder warnt vor Flächenverbrauch durch Straßen und Wohn- und Gewerbegebiete. „Die Schutzgemeinschaft stellt mit Erschrecken fest, dass derzeit wieder eine Planungswelle auf die Filder zurollt – diesmal geht sie von den Gemeinden aus“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins, der sich seit 1967 für den Erhalt der Kulturlandschaft Filder einsetzt. Nachdem die Stadt Filderstadt in ihrem Leitbild vermeintlich weiteren Flächenverbrauch für Wohnen und Gewerbe angekündigt hatte, warnt der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Steffen Siegel: „Die Filderböden gehören weltweit zu den besten und fruchtbarsten Böden, diese dürfen unter keinen Umständen weiter zerstört werden.“

Mehr Einwohner und Gewerbe auf Äckern

Was den Flächenverbrauch anlangt, so wirft die Schutzgemeinschaft Filderstadt vor, dass die Stadt laut Leitbild in den kommenden 13 Jahren um 3000 Einwohner wachsen solle und dass dafür 138 Hektar Land eingeplant seien. Leinfelden-Echterdingen wolle in den nächsten fünf bis sieben Jahren um 2000 bis 3000 Einwohner wachsen. Der Gemeinderat in Ostfildern habe beschlossen, 15 Hektar besten Acker für eine Gewerbeansiedlung zu reservieren, und Neuhausen strebt bis 2020 einen Einwohnerzuwachs von 1000 Menschen an. Dort werde über 20 Hektar Boden für Wohnen und Gewerbe nachgedacht. Auch die zunehmenden Verkehrsströme fordern ihren Tribut. „Der Flughafen will seine Airport-City erweitern, die Autobahn soll auf acht Fahrbahnen erweitert werden, und dazu soll eine Land zerfressende ICE-Trasse für Stuttgart 21 kommen“, heißt es in der Mitteilung. Statt weiter an der Wachstumsschraube zu drehen, müssten die Kommunen über ein Innehalten nachdenken, um Grenzen festzulegen.

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen reagiert auf die Vorwürfe der Schutzgemeinschaft lapidar. „Die Flächen für die Weiterentwicklung der Stadt Leinfelden-Echterdingen basieren auf dem seit 2011 geltenden Flächennutzungsplan. Darüber hinaus werden keine Flächen in Anspruch genommen“, sagt Gisela Fechner, Sprecherin der Stadt. L.-E. bleibe sogar deutlich unterhalb der im Flächennutzungsplan zugestandenen Entwicklungsflächen. Im Schwerpunkt geht es dabei um Wohnbau, hauptsächlich um bezahlbaren Wohnraum. Die Erweiterung der Airport-City „geschieht auf bereits versiegelter Fläche und greift nicht in den freien Raum ein“.

Die SG rennt offene Türen ein

Bei Filderstadts OB Christoph Traub rennt die Schutzgemeinschaft offene Türen ein: „Wir nehmen die Bedenken sehr ernst, denn auch uns bereitet der Flächenverbrauch Sorge.“ Dann stellt das Stadtoberhaupt klar: „Wir haben das Leitbild nicht erstellt, weil wir 3000 Einwohner mehr wünschen. Es ist so zu verstehen, dass wir weitere 3000 Einwohner bekommen, wenn das Wachstum so weitergeht wie bisher. Das ist ein Unterschied.“

Wie man die künftige Entwicklung steuern wolle, müsse der Gemeinderat im Flächennutzungsplan festlegen. Vor seinem Urlaub habe er jüngst ein Kataster in Auftrag gegeben, um festzustellen, wie viele Grundstücke man innerhalb der Stadtteile bebauen könne: „Als weitere Grundlage müssen wir dieses Potenzial unbedingt ermitteln.“ Auch das Bauen in die Höhe dürfe kein Tabu mehr sein. Traub: „Wir tun das in kleinerem Maßstab schon bei der Ortskernentwicklung Bernhausen. Wie es weitergeht, wird ein spannender Prozess mit Diskussionen, die in Filderstadt nie zuvor so intensiv geführt wurden. Wir dürfen einfach nichts dem Zufall überlassen.“