Filderbahnhof Die Stuttgart-21-Partner bilden eine neue Einheit

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Bahn, Land, Stadt und Regionalverband einigen sich auf den Bau eines dritten Gleises am Flughafen, den Ausbau der Rohrer Kurve und einen Regionalbahnhalt in Vaihingen. Auch das Land zahlt.

Die bestehende S-Bahn-Station am Flughafen soll mit einem dritten Gleis ausgestattet werden. Dort würden die Regionalzüge von der Gäubahn einfahren. Foto: Leif Piechowski
Die bestehende S-Bahn-Station am Flughafen soll mit einem dritten Gleis ausgestattet werden. Dort würden die Regionalzüge von der Gäubahn einfahren.Foto: Leif Piechowski

Stuttgart - Am Ende eines spannenden Nachmittags haben sich die Verhandlungspartner darauf geeinigt, dass jeder etwas mitnehmen sollte aus dem Besprechungszimmer im Bahn-Tower zu Berlin. Der Gastgeber des S-21-Spitzengesprächs, Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer, durfte die Urheberschaft auf den Ausbau einer besseren Rohrer Kurve für sich beanspruchen. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat den Ausbau des Vaihinger Bahnhofs zu einem Regionalbahnhalt im Gepäck. Der Präsident des Verbands Region Stuttgart, Thomas Bopp (CDU), kann sich der Zukunftsfähigkeit der S-Bahn rühmen, weil er erreicht hat, dass eines Tages auch S-Bahnen vom Flughafen in Richtung Neckartal fahren können. Und Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) weiß, dass seine Stadt für all das nichts bezahlen muss und er allein schon deswegen als einer der Sieger des Nachmittags gelten kann. Ent­sprechend zufrieden war das Stadtoberhaupt nach den Gesprächen: „Ich begrüße den Schritt nach vorn. Jetzt ist klar, dass die  Entwicklungsmöglichkeiten für die S-Bahn gesichert werden“, sagte Kuhn.

Tatsächlich ging es beim Spitzengespräch der Stuttgart-21-Projektpartner am Freitag in Berlin um eine verbesserte Anbindung des Flughafens an den künftigen Tiefbahnhof im Talkessel und die Neubaustrecke nach Ulm. Dabei haben die Emissäre über drei Änderungen der bisherigen Pläne verhandelt. Im Mittelpunkt stand, wie erwartet, der Bau eines dritten Gleises, das parallel zur bisherigen S-Bahn-Station Terminal liegen soll. Auf diesem Gleis könnten an einer eigenen Haltestelle künftig alle Züge der Gäubahn abgefertigt werden. Diese Lösung böte zumindest am Airport eine Entflechtung von S-Bahn- und Regional- beziehungsweise Fernverkehr von der Gäubahn. Der bisherige S-Bahn-Halt würde auch künftig ausschließlich von S-Bahnen benutzt. Zudem würde diese Variante die Option eröffnen, später eine Anbindung der S-Bahn-Trasse an die Neubaustrecke Richtung Ulm zu bauen. Nur dann könnte eines Tages die S-Bahn vom Flughafen gen Neckartal erweitert werden.

Nicht alles ist gut

Einige Nachteile der bisherigen Planung bleiben allerdings auch bestehen. Vor allem die Lage des neuen Fernbahnhofs, der die Züge von der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm aufnehmen soll, bereitet vielen Fachleuten Kopfzerbrechen. Der ICE-Halt läge 27 Meter unter der Erde. Das wirft Fragen nach dem Brandschutz auf, die bisher nicht abschließend beantwortet sind. Und auch bei der S-Bahn ist längst nicht alles optimal: Die Strecke zwischen Rohrer Kurve und dem Flughafen müssten sich S-Bahnen und die Züge der Gäubahn teilen.

Die besagte Rohrer Kurve soll indes die zweite Verbesserung erfahren, über die am Freitag geredet worden ist. Nach den neuen Plänen könnten Züge, die vom Flughafen kommen und in Richtung Böblingen fahren, die S-Bahn-Strecke von und nach Stuttgart-Vaihingen kreuzungsfrei überqueren. Dazu soll ein Damm gebaut werden. Kosten: etwa zehn Millionen Euro.

Für etwa die Hälfte dürfte die dritte Verbesserung zu haben sein, die am Freitag zur Diskussion stand. Dabei geht es um einen dauerhaften Regionalbahnhalt in Vaihingen. Diese seit Jahren bestehende Forderung zahlreicher Stuttgart-21-Gegner hätte den Vorteil, dass eine zusätzliche Umsteigemöglichkeit von Fahrgästen der Gäubahn zur S-Bahn geschaffen würde.

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46 KommentareKommentar schreiben

Woher hat der Regionalverband 20 Millionen?: Einfach mal so reingefragt

Im ersten Absatz ist alles gesagt: da wird eine klare Linie aufgezeigt :-) Jetzt heißt es abwarten und zurücklehnen wie es weiter geht ;-) Das Lösungsmanagement der Bahn wird erkennbar immer besser :-D Da macht es richtig Spass, dem Fortschritt bei unserem Stuttgart 21 zuzusehen. Egal wie die bisherigen Start-Baupläne aussehen, - nun wird angepasst und verbessert.

Chaos hoch drei!: Wenn ich schon wieder lese: "Bahnhof in 27 Meter Tiefe, Brandschutz nicht gesichert", weiß ich, was auf uns zukommt.

Schwachsinn: Für 70 Fahrgäste pro Tag, die mit der Gäubahn zusätzlich zum Flughafen fahren würden, solch einen teuren Halt zu bauen, ist absoluter Schwachsinn und Verschwendung unserer Steuergelder! Die Zahl 70 stammt aus einer eigenen Untersuchung des Flughafens und wurde den Teilnehmern des Filderdialüg auf mehrmalige Nachfrage genannt.

Frau Fuchs, Sie schreiben es: Die zusätzlichen 70 Fahrgäste pro Tag mit der Gäubahn sind Schwachsinn! Da erinnern Sie sich offensichtlich nicht mehr ganz richtig. Es sind rund 70 Fahrgäste pro Zug, die am Flughafen bei der Gäubahn ein- bzw. aussteigen.

Typische PR-Behauptung: Herr Anders schreibt: "Es sind rund 70 Fahrgäste pro Zug, die am Flughafen bei der Gäubahn ein- bzw. aussteigen." Woher Herr Anders diese Zahlen hat, verrät er uns leider nicht. Lt. Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Filderbahnhof_Stuttgart Stand 2012) würden lediglich 110 Reisende pro Tag aus der Gäubahn heraus den Flughafen ansteuern. Das sind bei ca. 16 Betriebsstunden ca. 6 Personen pro Zug. Wenn diese Prognose weiterhin in etwa zutrifft (leider verweigert ja die Bahn lt. eigener Aussage auf der Erörterung überhaupt eine Erhebung), würde sich nicht mal der geplante Reisezughalt in Vaihingen rechnen. Jedoch kann dieser Halt als Chance gesehen werden, daß durch nur einmaligem Umstieg statt bisher mindestens zweien die Gäubahn zusammen mit der S-Bahn zum Flughafen besser genutzt werden kann. Allerdings besteht auch die Gefahr, daß der Fernbus potentielle Reisende mit Ziel Stgt-Flughafen unwiederbringlich abluxt. Und auch der nun wohl kommende Fernbahnhof in 27 m Tiefe wird Reisende eher abschrecken, als daß er mehr Fahrgäste anlocken könnte. Auch hier fehlen die Prognosezahlen. ... Ergo: der Ausbau der beiden Luxusbahnhöfe Flughafen ist eine totale Fehlinvestion, die spätere Generationen noch mächtig ärgern wird. --- Oben bleiben!

Frau Müller, lesen Sie doch einfach die von Ihnen verlinkten Quellen!: Sie kennen den Unterschied zwischen Zählung und Prognose? Gebaut wird für die prognostizierten Zahlen! Die 110 Reisenden je Tag (nicht 70 wie Helen Fuchs behauptete, sofern die Zahl stimmt) sind die aktuelle Zahl derer, die derzeit mit den Regionalzügen der Gäubahn zum Flughafen fahren. Ein Absatz darüber wird in der von Ihnen verlinkten Quelle die Prognose für den Filderbahnhof aufgeführt: "Prognosen gingen um 2002 von etwa 25.000 Reisenden pro Tag aus, darunter 9.000 im Fernverkehr." Das heißt, es nutzen ca. 16000 Reisende die Regionalzüge von und zum Flughafen. Leider gibt es dort keine Aufschlüsselung nach den einzelnen Richtungen. Es werden 4 RE-Linien am Flughafen halten, also werden bei gleicher Verteilung auf die 4 Linien ca. 16000 / 4 = 4000 Reisende täglich die Gäubahn benutzen. Bei 22 Zügen je Tag und Richtung ergeben sich je Zug damit 4000 / (2 x 22) = 90 Personen je Zug. Wenn man diesen Unterschied zwischen aktuellen Zahlen und Prognosezahlen sieht, steht außer Frage, dass der Flughafenbahnhof sinnvoll ist. Also alles andere als eine Fehlinvestition, was sich für den zusätzlichen Bahnsteig in Vaihingen erst noch zeigen muss.

Das : setzte vorraus, daß aus ALLEN 4 RE-Richtungen DIESELBE Anzahl von Fahrgästen kommt. Diese " gleiche Verteilung " ( Ihr Diktum ) ist Ihr Eingabefehler in der Rechnung. Und verzerrt das Ergebnis völlig.Ergo: Milchmädchenrechnung, solange keine halbwegs verlässlichen, validen Zahlen existieren.

Entweder man ist für S21 oder man ist informiert: Herr Anders, wenn sie bei der Schlichtung besser aufgepasst hätten, wüssten sie, dass es sich um 70 Passagiere pro Tag handelt, deshalb mussten ja unsere Experten auch 10 mal nachfragen, bevor die Bahn diese jämmerliche Zahl unwillig herausrückte. Nicht umsonst verweigert die Bahn beharrlich ein Gutachten über vermutete Fahrgastzahlen, die über die Gäubahn zum Flughafen fahren wollen, vorzulegen, wenn so ein Gutachten existieren würde, hätte es Herr Peter längst präsentiert. Das deckt sich übrigens auch mit meinen persönlichen Beobachtungen, ich fahre oft mit der S-Bahn zum Flughafen, in denen viele Fluggäste sitzen, aber in Vaihingen sind mir noch nie Zusteiger mit Koffer aufgefallen.

Ach Herr Notter, viele S21-Gegner sind nicht informiert, sie meinen nur sie seien es!: Wer sagte das mit den 70 Fahrgästen am Tag wann bei der Schlichtung? Steht das in den Schlichtungsprotokollen oder ist das nur wieder eine Einbildung von Ihnen? -- Warum sollten Ihnen auch in Vaihingen Zusteiger mit Koffern aufgefallen sein, dort hält ja bisher noch kein RE oder IC, deshalb gibt es dort auch keine Umsteiger von der Gäubahn, lediglich von Stadtbahn oder Bus. Und dass die wenigen genau dann wenn Sie fahren in Ihr Abteil einsteigen ist einfach relativ unwahrscheinlich. --- Übrigens, was würde ein Gutachten zu den Fahrgastzahlen von der Gäubahn zum Flughafen denn nützen? Sie würden doch bei jeder Zahl behaupten, dass sich dafür der Weg über den Flughafen nicht lohnen würde.

Also: wenn ich mit der Gäubahn zum Flughafen will, würde ich in Böblingen in die S-Bahn nach Vaihingen umsteigen, um von dort aus Richtung Flughafen zu fahren. Noch besser wäre natürlich ein Halt in Vaihingen, ein weiterer Vorteil der Vaihinger-Anbindung.

Herr Notter, Sie scheinen sich wirklich nicht auszukennen: Wer mit der S-Bahn von Böblingen zum Flughafen will, der steigt in Rohr um, nicht in Vaihingen. - Mit einem RE-Halt in Vaihingen erreichen Sie die selbe S-Bahn zum Flughafen, wie mit der S-Bahn, in die Sie in Böblingen umgestiegen wären. Mit dem Unterschied, dass Sie in Böblingen und in Rohr am gleichen Bahnsteig umsteigen, in Vaihingen aber den Bahnsteig wechseln müssen, über Treppen oder mit dem Aufzug, der dann auch mal defekt sein kann.

Sie haben Recht, Herr Anders: Natürlich steigt man nicht in Vaihingen, sondern schon in Rohr um, allerdings habe ich in Rohr auch noch nie 70 Leute mit Gepäck gesehen, obwohl ich meistens rechts sitze und die Aussicht auf den tunnelfreien Streckenteilen genieße.

Sie haben Recht, Herr Anders: Natürlich steigt man nicht in Vaihingen, sondern schon in Rohr um, allerdings habe ich in Rohr auch noch nie 70 Leute mit Gepäck gesehen, obwohl ich meistens rechts sitze und die Aussicht auf den tunnelfreien Streckenteilen genieße.

Ok, ich muss natürlich links sitzen : Nach der nächsten Fahrt werde ich neutral berichten, wieviel Leute eingestiegen sind.

Zahlen ... : tu ich, du, er, sie, es; aber ganz bestimmt ned des "Land". Bitte doch mal endlich Klartext! Das "böte" sich dem, der die Zukunftsfähigkeit der S-Bahn rühme. Gel klartext.

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