Filmdreh in Stuttgart Urlaub von der Ehefrau

Von Benjamin Schieler 

Der Stuttgarter Alexander Tuschinski dreht „Timeless“ – mit Unterstützung aus Hollywood. Was dem Filmer an finanziellen Möglichkeiten fehlt, macht er durch geschicktes Netzwerken wieder wett.

Alexander Tuschinski setzt Sebastian Bozin, Harry Lennix und Miles Hunter (von links) in Szene. Foto: Heinz Heiss
Alexander Tuschinski setzt Sebastian Bozin, Harry Lennix und Miles Hunter (von links) in Szene.Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Es ist früh am Morgen, als der Zweite Weltkrieg Einzug in ein staubiges Fabrikgebäude im Stuttgarter Süden hält. Drei Männer in Uniformen der US-Army jagen durchs Treppenhaus. Die Maschinenpistolen in ihren Händen kommen aus alten russischen Kriegsbeständen, die Schauspieler aus Hollywood. Und hinter der Kamera steht ein junger Filmemacher namens Alexander Tuschinski und flüstert: „Das ist einer der aufregendsten Drehs, die ich bisher hatte.“

„Timeless“ heißt der Film, in dem ein Zeitreisender aus dem Jahr 1932 in eine Gegenwart katapultiert wird, die das Aufkommen einer neuen Diktatur erlebt. Ob er jemals in die Kinos kommen wird, ist fraglich. Denn hinter Tuschinski steht keine finanz- und publicitystarke Produktionsfirma. Der 25-Jährige schreibt, produziert, dreht und schneidet seine Filme praktisch als Einzelkämpfer. Der Öffentlichkeit stellt er die fertigen Werke auf Festivals vor – zumeist in den USA, wo Tuschinski bereits einige Auszeichnungen errungen hat, zuletzt zum Beispiel die für den besten ausländischen Film bei den American Movie Awards. Seine Darsteller rekrutiert er aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Das ist auch bei seinem jüngsten Projekt der Fall – nur dass die Freunde diesmal ein anderes Kaliber haben.

Filmauftritt als Freundschaftsdienst

Da ist zum einen der 49-jährige Harry Lennix, der zuletzt im aktuellen Superman „Man of Steel“ im Kino zu sehen war und an der Seite von James Spader in der Krimiserie „The Blacklist“ spielt. Ihn lernte Tuschinski auf einem Festival in Los Angeles kennen. „Wir haben festgestellt, dass wir viel gemeinsam haben“, sagt Lennix, der sich über den schwäbischen Vielkönner in Sachen Film beeindruckt äußert, genauso wie über dessen experimentellen Stil: „Alex ist ein avantgardistischer und neoklassischer Regisseur.“

Der Kurzbesuch samt Filmauftritt von Lennix, der inzwischen zum nächsten Dreh nach Südafrika weitergereist ist, lässt sich wohl am treffendsten als Freundschaftsdienst bezeichnen. Ähnlich lief das beim Comedian Rick Shapiro ab. Der Kalifornier ist eigentlich eher auf der Bühne zu Hause, Film- und Fernsehauftritte laufen nebenher. Vergangene Woche stand Shapiro nun, nur einen Blaumann über dem nackten Oberkörper tragend, in einer Botnanger Wohnung. „Ich habe aus Versehen geheiratet und brauchte einen Trip weg von meiner Frau“, sagt er über seinen Urlaub in Stuttgart, nicht ohne hinterherzuschieben, dass er seine Gattin natürlich vergöttere. Shapiro, der Derwisch, bekannt für seine Explosivität, genießt am Set eine große Freiheit, sagt aber: „Ich glaube, Alexanders Geheimnis ist es, die Schauspieler machen zu lassen, was sie wollen und trotzdem das zu bekommen, was er insgeheim will.“

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